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HNO 22. August 2016

So wirkt die topische Therapie

Otitis media: Kenntnis über den Zustand der Mittelohrschleimhaut unterstützt die Planung der Operation.

Vom Zustand der Mittelohrschleimhaut hängt der Erfolg der chirurgischen Therapie bei chronischer Mittelohrentzündung ab. HNO-Ärzte wollten daher wissen, wie schnell sie sich nach einer Infektion erholt.

Der Erfolg der chirurgischen Therapie bei chronischer mesotympanaler Otitis media (CMOM) hängt vom Zustand der Mittelohrschleimhaut ab. Um den Zustand der Mittelohrschleimhaut einschätzen zu können, haben die Ärzte um Onur Pakir von der Universität in Zonguldak in der Türkei die mukoziliäre Clearance-Zeit (MCT) in der Eustachischen Röhre (ET) untersucht.

Prospektive Untersuchung

Die ET-MCT korreliert mit dem Status der Mukosa: Wenn eine Entzündung vorliegt, ist sie deutlich verlängert. Die Wissenschaftler um Pakir verglichen daher in einer prospektiven Untersuchung die ET-MCT von zwei Patientengruppen mit unkomplizierter CMOM. Patienten der Gruppe 1 hatten seit mindestens drei Monaten „trockene“ Ohren, bei Patienten der Gruppe 2 bestand ein eitriger Ausfluss ( bit.ly/1Yavcvb ). Letztere erhielten eine topische Therapie mit drei Prozent Ciprofloxacin und vier Prozent Borsäure für zehn bis 14 Tage, gegebenenfalls ergänzt durch 0,1 Prozent Dexamethason für fünf Tage. Nur wenn die Sekretion des Ohres nach spätestens 14 Tagen und für die Dauer von mindestens einem Monat beseitigt war, wurden die Patienten in die Studie aufgenommen.

Zur Bestimmung der ET-CMT verwendeten die Wissenschaftler den Saccharin-Test. Dazu instillierten sie unter mikroskopischer Kontrolle über den Trommelfelldefekt eine fünfprozentige Saccharinlösung und nahmen die Zeit, die verging, bis die Patienten einen süßen Geschmack feststellten.

Signifikante Verbesserungen

Die Messung an Tag 1 ergab in Gruppe 1 (n =28) einen mittleren Wert von fast neun Minuten. In Gruppe 2 (n = 21) war die Zeit mit rund 29 Minuten mehr als dreimal so lang. Zehn Tage sowie einen Monat nach Einleitung der Behandlung waren in Gruppe 2 jeweils signifikante Verbesserungen der ET-MCT festzustellen: Der Wert sank im Mittel zunächst auf rund 15 und dann weiter auf etwa neun Minuten. Damit unterschied sich die ET-MCT nach einem Monat nicht mehr signifikant vom Ausgangswert in Gruppe 1.

„Das heißt, etwa zwei bis drei Wochen nach Behandlungsende ist der Zustand der Mittelohrschleimhaut in einem entzündeten Ohr ähnlich dem Zustand der Mukosa in einem Ohr, das seit mindestens drei Monaten infektionsfrei ist“, so das Fazit von Pakir und Kollegen. Da die chirurgische Sanierung einer CMOM vorzugsweise an Ohren ohne aktive Sekretion vorgenommen wird, könne das Ergebnis die zeitliche Planung der Operation unterstützen.

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