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Prof. Dr. Gerd Rasp Klinik für Hals-Nasen-Ohrenkrank-heiten, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, St. Johanns-Spital (LKH), Salzburg©
 
HNO 18. November 2015

Antikörper gegen Polypen

Expertenbericht: Neue Untersuchungen lassen auf eine neue Option bei nasalen Erkrankungen hoffen.

Der Leidensdruck ist hoch, aber auch die Korrelation mit Asthma bronchiale lässt die Behandlung von chronisch-nasalen Erkrankungen wichtig erscheinen. Nun steht mit der Entwicklung von Anti-IgE-Antikörpern eine neue Wirkstoffklasse zur Behandlung der IgE-mediierten Erkrankungen zur Verfügung.

Die Polyposis nasi ist eine Unterform der chronischen Sinusitis. Sie zeichnet sich durch Polypen aus, die sich in unterschiedlicher Ausprägung im mittleren Nasengang bilden und die gesamte Nase ausfüllen können. Die Inzidenz liegt um die zwei Prozent und das Alter der Erkrankten zumeist weit jenseits des 40. Lebensjahres. Die Symptome sind Nasenatmungsbehinderung, Kopfschmerzen, postnasale Sekretion und Riechstörungen. Vor allem die Einschränkung des Riechvermögens kann als Verlaufsparameter der Erkrankung herangezogen werden. Besonders häufig sind Nasenpolypen mit Asthma bronchiale assoziiert; eine weitere Komorbidität ist das Vorhandensein einer Analgetika-Unverträglichkeit.

Der Schweregrad einer Sinusitis und insbesondere der Polyposis korreliert oft mit dem Ausprägungsgrad eines Asthma bronchiale (dies gilt auch für die Betrachtung von Computertomogrammen). Neben der Eosinophilie ist bei der Pathophysiologie der chronischen Sinusitis die Produktion von Immunglobulin E bedeutungsvoll.

Zur Behandlung werden Kortikosteroiden und Antibiotika herangezogen, wobei die Polyposis nasi oftmals eine Indikation zur Operation ist. Da die Rezidivraten jedoch hoch sind und weder die Ergebnisse der Operation noch jene der konservativen Behandlung bislang überzeugen, wurde stets nach Behandlungsalternativen gesucht.

Allein die hochdosierte systemische Applikation von Kortikosteroiden bewirkt beim Patienten eine vorübergehende Symptomfreiheit. Die zu erwartenden Nebenwirkungen beschränken jedoch diese Therapie auf einzelne Zyklen bei besonderem Schweregrad.

Neue Wirkstoffklasse

Mit der Entwicklung von Anti-IgE-Antikörpern ist nun eine neue Wirkstoffklasse zur Behandlung der IgE-mediierten nasalen Erkrankungen (zunächst nachgewiesen für die saisonale und die perenniale allergische Rhinitis) verfügbar. Auch bei der chronischen Sinusitis und insbesondere der Polyposis nasi zeigten sich erste Behandlungserfolge. Hierbei wurden bei der komplexen Erkrankung mithilfe von Anti-IgE eine deutliche Reduktion von Polypengröße, subjektiven Symptomen, Sekretion und Riechstörungen möglich.

In einer randomisiert-kontrollierten Studie aus dem Jahr 2010 konnte bei insgesamt 14 Patienten ein Effekt nachgewiesen werden. Dieser umfasste Veränderungen in der mittleren Größe der Polypen, in der Auswertung des SNOT-20-Fragebogens sowie im nasal inspiratory peak flow. Damit besteht auch in einer größeren Gruppe der Nachweis der effizienten Therapie mit Omalizumab. In einer größeren italienischen Studie zur Behandlung von Asthma bronchiale mit Anti-IgE zeigte sich die Polyposis nasi als eine der negativen Prädiktoren. Daher ist es nicht nur aus HNO-ärztlicher Sicht von besonderem Interesse, Nasenpolypen speziell im Kontext mit Asthma mithilfe einer konservativen Therapie mittel- bis längerfristig zu kontrollieren. Ein Weg hierfür scheint die Behandlung mit Anti-IgE zu sein. Valide prospektive Studien müssen aber die ersten Ergebnisse noch bestätigen.

 

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