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© MUI Riechelmann
Kontrollraum: Högl schlägt Art der Behandlung vor.
 
HNO 14. September 2015

Alternative zur Atemmaske

Premiere: Drei Tirolern mit Atemwegsverschlüssen wurden sogenannte „Zugenschrittmacher“ eingesetzt.

Erstmals in Österreich erhielten an der Innsbrucker Universitäts-Klinik für HNO Patienten einen Zungenschrittmacher. Diese Implantate stimulieren den Bewegungsnerv der Zunge. Von der Therapie profitiert eine Gruppe von Patienten, die an einer speziellen Form des Schlafapnoesyndroms leidet.

Erkrankungen der Kopf-Hals-Region gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Europa. Neue Behandlungsmethoden sind daher sehr gefragt. Ein Grund, warum Patienten Spezialisten aufsuchen, ist das Schnarchen. Fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer obstruktiven Schlafapnoe, Schnarchen mit Atemaussetzern.

Bei einer Untersuchung im Schlaflabor können die Art und der Schweregrad ermittelt werden. Welche Behandlung vorgeschlagen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, dem Body Mass Index (BMI), Begleiterkrankungen und anderen Symptome. Eine Lebensstilveränderung kann hilfreich sein.

In den meisten Fällen einer obstruktiven Schlafapnoe ist die klassische Behandlung mit einer Atemmaske (CPAP, Continuous Positive Airway Pressure) möglich. Dabei wird über eine Nasenmaske ein kontinuierlicher positiver Luftdruck in den oberen Atemwegen aufgebaut. Auch andere Behandlungsmethoden, beispielsweise bestimmte HNO-Eingriffe, werden eingesetzt. Patienten, bei denen die klassischen Therapiemethoden nicht anwendbar sind, die nicht übergewichtig sind und die unter einer bestimmten Art von Atemwegsverschlüssen leiden, können nun mit einem Zungenschrittmacher behandelt werden.

„Mit diesem Implantat kann zwar nur eine kleine Gruppe von Patienten behandelt werden, aber bei ihnen ist wegen des stark erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarktrisikos die Lebenserwartung herabgesetzt. Aufgrund verstärkter Tagesmüdigkeit haben diese Patienten oft auch ein erhöhtes Risiko für Sekundenschlaf am Steuer“, erklärt der Direktor der Innsbrucker Universitäts-Klinik für HNO-Heilkunde und Präsident der Österreichischen HNO-Gesellschaft Prof. DDr. Herbert Riechelmann.

In Zusammenarbeit mit dem Schlaflabor der Innsbrucker Universitäts-Klinik für Neurologie wurden an der Innsbrucker Klinik für HNO-Heilkunde „Zungenschrittmacher“ bei drei männlichen Patienten aus Tirol eingesetzt. „Der Eingriff wurde erstmals in Österreich durchgeführt“, sagt Riechelmann. „Der Wirksamkeitsnachweis wurde in jahrelanger Forschungsarbeit erbracht.“

„Goldstandard in der Therapie der obstruktiven Schlafapnoe ist nach wie vor die Atemmaske. Kann diese aus medizinischen Gründen nicht angewendet werden und erfüllt die Patientin oder der Patient auch die anderen Voraussetzungen, kann der Zungenschrittmacher Abhilfe schaffen“, erklärt die Leiterin des Schlaflabors, die Neurologin Dr. Birgit Högl.

Der Zungenschrittmacher, auch „Atemwegs-Stimulator“ (upper airway stimulation) genannt, ist mit einem Herzschrittmacher vergleichbar. Er hat etwa die Größe einer Streichholzschachtel und wird unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Der Schrittmacher erfasst die Atembewegungen und kann mittels kleiner Impulse in den Hypoglossus-Nerv der Zunge verhindern, dass diese zurückfällt und die Atemwege blockiert.

MedUni Innsbruck, Ärzte Woche 38/2015

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