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HNO 1. Juni 2015

Unterschätzte Krankheit

Chronische Rhinosinusitis ist mit Asthma, Adipositas und Depression assoziiert.

Eine chronische Sinusitis tritt häufig mit psychischen Erkrankungen auf. Deshalb sollte diese vermeintlich harmlose Krankheit nicht unterschätzt werden, sagen Experten. Und: Offenbar sind bestimmte Berufsgruppen häufiger betroffen.

Mehr als 10 Prozent der Deutschen leiden unter einer chronischen Rhinosinusitis. Ständiger Schnupfen sowie Kopfschmerzen und Riechstörungen belasten Betroffene dabei stark. Experten der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC) wiesen im Vorfeld ihres 86. Jahreskongresses darauf hin, dass die individuelle Belastung des Patienten häufig über die genannten Symptome hinausgeht. Weitere Erkrankungen wie Pneumonien werden in ihrer Entstehung begünstigt, und auch psychische Erkrankungen kommen häufiger vor.

In der Ärzteschaft werde die Häufigkeit der chronischen Rhinosinusitis oftmals unterschätzt und war deshalb ein Thema der Pressekonferenz der 86. Jahrestagung der DGHNO KHC.

Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis erkranken deutlich häufiger an Lungenerkrankungen, wie Asthma bronchiale und COPD. Nach internationalen Daten hätten sie aber auch ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Adipositas oder Depressionen, so PD Dr. Achim Beule, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für HNO- Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Universitätsmedizin Greifswald.

Insgesamt sind dabei Männer und Frauen etwa gleich häufig betroffen. Zudem merkt der HNO-Experte an: „Scheinbar sind bestimmte Berufsgruppen wie Feuerwehrleute und Flugbegleiter besonders gefährdet, an einer chronischen Rhinosinusitis zu erkranken.“

Beule wies darauf hin, dass die chronische Rhinosinusitis international deutlich mehr Aufmerksamkeit als in Deutschland erhält. Für die USA, in denen etwa zwölf Prozent der Bevölkerung daran leiden, wurden die direkten Kosten der chronischen Rhinosinusitis bereits 1996 auf 4,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Dabei erfolgen dort mehr als 10 Millionen Arztkontakte pro Jahr nur aufgrund dieser Erkrankung.

In Asien steigt nach neueren Untersuchungen die Häufigkeit der chronischen Sinusitis. „Auch wenn so ein dramatischer Anstieg teilweise durch Verbesserungen der Untersuchungstechnik erklärt werden kann, sollte er Anlass sein, sich in Deutschland wissenschaftlich mehr mit der chronischen Rhinosinusitis zu beschäftigen“, sagt Beule.

Im Rahmen einer großen europäischen Untersuchung berichteten beispielsweise in der Region Duisburg 14,1 Prozent der Befragten über Beschwerden, die als typisch für eine chronische Rhinosinusitis gelten. Bei Befragung der Ärzte wurde die Häufigkeit deutlich unterschätzt. In Deutschland wurden allein im Jahr 2009 mehr als 50.000 Eingriffe an Patienten im Bereich der Nasennebenhöhlen wegen einer chronischen Rhinosinusitis durchgeführt.

 

Quelle: Asthma, Übergewicht und Depressionen; Chronischer Schnupfen begünstigt andere Leiden. 86. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. 13.–16. Mai 2015, Berlin

springermedizin.de, Ärzte Woche 23/2015

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