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© Stefan Balk / fotolia.com
Nasenduschen reinigen ist schwieriger, als man glaubt.
 
HNO 24. Februar 2015

Ab in die Mikrowelle

Nasenduschen sind schon nach wenigen Anwendungen ein Tummelplatz für Bakterien.

Um das Problem der Keimbesiedelung in Nasenduschen in den Griff zu bekommen, haben Forscherteams verschiedene Methoden getestet. Erfolgversprechend war nur eine einzige.

Von der einfachen Quetschflasche bis zum attraktiven Neti PotTM aus Keramik: Die Gießkännchen für die Nase haben mittlerweile nicht nur zahlreiche Fans, sondern auch den Segen von Experten (Curr Allergy Asthma Rep 2013; 13: 229–35).

Tatsächlich können sich die Symptome einer chronischen Rhinosinusitis (CRS) bei sachgemäßer Anwendung bessern, und auch nach einer Nasennebenhöhlen-Operation verschafft die Methode Erleichterung. Einen Wermutstropfen müssen die Anwender jedoch schlucken: Im Inneren der Nasenduschen tummelt sich schon nach wenigen Anwendungen eine Vielzahl von Bakterien; dies konnten Forscher bereits 2009 nachweisen (Am J Rhinol Allergy 2009; 23: 401–404).

Im Praxistest versagen die meisten Methoden

Wie man die Kontamination der Kännchen verhindern kann, haben mittlerweile mehrere Teams untersucht. Die verschiedenen Verfahren waren im Praxistest jedoch wenig erfolgreich, wie Andrew Lane, Baltimore, und Joseph Shargorodsky, New Jersey, konstatieren (Laryngoscope 2015, online 13. Januar).

Als vielversprechend erwies sich lediglich eine einzige Methode: die Dekontamination per Mikrowelle. Diese war allerdings nur dann erfolgreich, wenn sie in einem Klinik-Setting stattfand und von HNO-Ärzten überwacht wurde.

Das Kunststoffgefäß (NeilMed®) wurde nach jedem Gebrauch ausgespült und kam dann für 1,5 bis zwei Minuten samt Kappe in die Mikrowelle. Danach wurde eine Kontaminationsrate von 0 Prozent gemessen. An diesem Studienarm hatten allerdings nur zehn CRS-Patienten nach endoskopischer Nasennebenhöhlen-OP teilgenommen. Eine Gruppe aus 20 Patienten, die nach der Operation die Dekontamination zu Hause vorgenommen hatte, war dabei offenbar zu wenig konsequent gewesen: 40 Prozent der eingesammelten Flaschen waren besiedelt.

Ausspülen und trocknen reicht nicht

Lane und Shargorodsky nahmen noch drei weitere Methoden unter die Lupe: In einer Studie mit 20 postoperativen HNO-Patienten wurden die Kännchen regelmäßig mit heißem Wasser und Spülmittel gereinigt und danach trocken geföhnt. Das Ergebnis: 40 Prozent der Flaschen und 31 Prozent der Flüssigkeitsproben aus der Flasche waren kontaminiert. Das Keimspektrum umfasste Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus, Proteus mirabilis und Serratia marcescens. In Proben der Spülflüssigkeit selbst wurde in 30 Prozent der Fälle eine Keimbelastung festgestellt.

2011 hatte man ein spezielles System mit Einwegventil (NasalCarTM) an acht Patienten nach OP getestet. Nach einer Woche Anwendung war die Hälfte der Flaschen mikrobiell besiedelt; dies hatte eine Abstrichuntersuchung ergeben. Die Forscher hatten zusätzlich die Ventile mit dem Elektronenmikroskop untersucht: Hier fand sich eine Besiedelungsrate von 37,5 Prozent an der Nasenseite der Ventile und von 62,5 Prozent an deren Innenseite. Nach zwei Wochen hatten die Kontaminationsraten deutlich zugenommen, sie lagen jetzt bei 80 Prozent auf beiden Ventilseiten.

Zusätzliches Ausspülen mit abgekochtem Wasser und antibakterieller Lösung sowie eine anschließende Mikrowellensterilisation brachte in der Alltagssituation offenbar keinen Zusatznutzen. Dies wiederum hatte eine australische Studie mit 20 CRS-Patienten gezeigt, die ebenfalls das NasalCare-System angewendet hatten.

Keine klinischen Infektionen

Wie die Fallserien nahelegen, kann weder häufiges Wechseln der Flasche noch sorgfältiges Spülen eine bakterielle Besiedelung verhindern, resümieren Lane und Shargorodsky. Die gute Nachricht: In keiner der Untersuchungen fanden sich Hinweise auf eine klinische Infektion als Folge der Anwendung von Nasenduschen. Angesichts der „starken Evidenz für deren klinischen Nutzen bei CRS-Patienten“, so die Forscher, bleiben die Gießkännchen für die Nase also ein „wichtiger Bestandteil des CRS-Managements“.

Es bleibt darauf hinzuweisen, dass die Dekontamination in der Mikrowelle nicht den Herstellerangaben zur Reinigung von Nasenduschen entspricht. Bei zu hohen Temperaturen oder zu langen Verweildauern können Plastikflaschen schmelzen und möglicherweise Schadstoffe entsenden.

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