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HNO 28. März 2006

Nasenbluten: Nicht immer harmlos!

Meistens ist die Ursache harmlos, der Verlauf unkompliziert und kurz. Dennoch sollte man Nasenbluten nicht auf die leichte Schulter nehmen: Manchmal kann es auch Symptom einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder per se sogar lebensgefährlich sein.

Unterschieden wird zwischen örtlich bedingtem Nasenbluten, das heißt, die Ursache ist in der Nase selbst lokalisiert, und dem symptomatischen Nasenbluten als Ausdruck einer Allgemeinerkrankung. „Am häufigsten betroffen sind Kinder und Jugendliche sowie Menschen über 60 Jahren, Männer bevorzugt“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Andreas Leunig, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die häufigste Blutungsquelle (bei ungefähr 80 bis 90 Prozent) ist der Locus Kiesselbachii der Nasenscheidewand (Abb. 1). In diesem Bereich ist die Schleimhaut sehr fest mit der knorpeligen Unterlage verbunden und entsprechend wenig anpassungsfähig an mechanische oder funktionelle Belastungen.

Fälle für den Hausarzt

• Das idiopathische oder spontane Nasenbluten ist häufig bei Kindern und Jugendlichen. Es ist meist leicht und einseitig. Eine Ursache ist oft nicht erkennbar, nicht selten findet man jedoch Mikrotraumen der Nasenschleimhaut, die zum Beispiel durch „Nasenbohren“ oder beim Schneuzen entstehen. Die Blutungsquelle ist in der Regel mit dem Rhinoskop (Abb. 2) zu lokalisieren. Bei leichteren Blutungen kann zunächst mit Dexpanthenol-Nasensalben die Schleimhaut gepflegt werden. Ist die Blutung stärker, wird lokal mit Silbernitrat das Blutungsareal gezielt geätzt. • Rhinitis sicca anterior: Eine sehr trockene Nasenschleimhaut, etwa bedingt durch klimatisierte Räume, führt leicht zu Nasenbluten. Auch hier kommt man mit Nasensalben meist gut zurecht. • Defekte im Bereich der Nasenscheidewand (Perforationen) können ebenfalls rezidivierend bluten. Ist die Problematik trotz konservativer Maßnahmen (Nasensalbe) nicht in den Griff zu bekommen, sollte der HNO-Arzt herangezogen werden und den Defekt mit einer Septumperforationsverschlussplastik beheben.• Intranasale Fremdkörper: Besonders bei kleinen Kindern können diese zu rezidivierendem Nasenbluten führen. Nach dem Entfernen des Fremdkörpers ist eine Nasenpflege mit Nasensalbe zu empfehlen.

Symptomatisches Nasenbluten

Nasenbluten tritt oft als Initialsymptom bei zahlreichen Infektionskrankheiten auf. Auch im Verlauf bedrohlicher generalisierter Infektionen, wie zum Beispiel einer Sepsis, kann es zu Nasenbluten kommen. Ursache ist die starke Austrocknung der Nasenschleimhaut und die erhöhte Verletzlichkeit der Schleimhautgefäße, unter Umständen bedingt durch den gestörten Blutungs- und Gerinnungsstatus. Auch andere internistische Grunderkrankungen verursachen Nasenbluten als Begleit- und zum Teil sogar als Leitsymptom: Dies betrifft besonders die Hypertonie, die hypertone Krise sowie die Arteriosklerose. In der Regel sind Patienten über 60 Jahren betroffen. Ebenso ist in diesem Zusammenhang das Phäochromozytom zu nennen. Endokrinbedingtes Nasenbluten kann während der Schwangerschaft auftreten. Häufig ist auch Nasenbluten bei Blutgerinnungsstörungen. Nicht zu vergessen sind Stoffwechselerkrankungen wie etwa Nieren- oder Leberinsuffizienz als Ursachen für Nasenbluten. Bestimmte Antibiotika können die Blutgerinnung über die Thrombozyten-Funktionseinschränkung hemmen, eine Thrombozytopenie induzieren oder die Vitamin-K-Produktion beeinflussen.

Fälle für den HNO-Arzt

• Blutender Septumpolyp: Ursache für rezidivierendes, einseitiges Nasenbluten können Septumpolypen (Granuloma pyogenicum) sein. Therapie der Wahl ist die vollständige Abtragung.
• Viele gutartige, aber vor allem bösartige Tumoren der Nase und der Nasennebenhöhlen verursachen zum Teil hochgradiges Nasenbluten. Die Begleitsymptomatik entspricht der Lokalisation, Art und Ausbildung des jeweiligen Tumors. In jedem Fall sollte hier eine endoskopische Inspektion der Nasenhaupthöhle und des Nasenrachens erfolgen. Die Therapie richtet sich nach der histologisch gesicherten Diagnose.
• Tumoren im Nasenrachenraum: Hier ist vor allem das juvenile Nasenrachenfibrom oder auch An­giofibrom zu nennen. Dieses tritt bevorzugt bei männlichen Jugendlichen unter 20 Jahren auf. Charakteristisch für diesen Tumor sind spontane Blutungen aus Nase und Nasenrachen, behinderte Nasenatmung sowie ein geschlossenes Näseln. Typisch ist die rot-weißliche Zeichnung des Tumors, der palpatorisch sehr derb imponiert. In jedem Fall sollte hier eine endoskopische Inspektion der Nasenhaupthöhle und des Nasenrachens erfolgen. Je nach Ausdehnung des Tumors ist die Therapie der Wahl die chirurgische Entfernung des Angiofibroms nach präoperativer Embolisation.
• Morbus Rendu-Osler: Typisch ist eine rot gesprenkelte Nasenschleimhaut mit stecknadel- bis hanfkorngroßen Kapillarkonvoluten, die über das Schleimhautniveau erhaben sein können und mit krustigen Auflagerungen überzogen sind. Rezidivierendes, teilweise heftiges Nasenbluten ist typisch. Die Therapie besteht aus einer intensiven Nasenpflege mit zum Beispiel Dexpanthenol-Nasensalbe, Lebertransalbe, Neomycin-Salbe sowie aus einer dem Ausmaß der Erkrankung angepassten chirurgischen Therapie.

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