zur Navigation zum Inhalt
© iStock
In fast 90 Prozent der Fälle liegt die Ursache für Mundgeruch in der Mundhöhle.
 
HNO 3. Juni 2014

Halitosis

In weniger als 0,1 Prozent der Fälle liegt eine gastrointestinale Ursache vor.

Die Abklärung von Mundgeruch ist eine schwierige und zugleich undankbare Aufgabe für den Gastroenterologen. Denn in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle liegt die Ursache im Mundbereich und nicht im Magen-Darm-Trakt.

„Eine echte Halitosis liegt dann vor, wenn die Intensität deutlich über der sozial verträglichen Akzeptanz liegt“, so Dr. Almuth Trebst von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln, Deutschland. Wenn ein vermeintlicher Mundgeruch von anderen gar nicht wahrgenommen werde, spreche man von einer Pseudo-Halitosis, die in Einzelfällen sogar zu einer Halitophobie ausarten könne. Jeder Vierte leide zumindest gelegentlich unter sozial inkompatiblem Mundgeruch, was jedoch meist noch physiologisch sei.

Verantwortlich für den störenden Mundgeruch sind vorrangig flüchtige Schwefelverbindungen in der Ausatemluft, die wie faule Eier riechen. Sehr viel seltener sind andere Gase, die einen Geruch wie bei Fleischfäulnis oder Verwesung bedingen. Kofaktoren sind Stress, reduzierter Speichelfluss, Mundatmung, Zungenpiercing, einseitige Ernährung, insbesondere stark vermehrter Fleischkonsum und Rauchen, Alkohol bzw. hoher Kaffeekonsum.

In fast 90 Prozent der Fälle liegt die Ursache in der Mundhöhle, das heißt der Mundgeruch entsteht durch die bakterielle Zersetzung organischer Materialien in der Mundhöhle, vor allem durch Anaerobier. „Am häufigsten sind Beläge am Zungenrücken die Auslöser“, berichtete Trebst auf der 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE). Andere Ursachen seien Karies, Parodontitis, mangelhafte Mundhygiene, Infektionen und Tumoren im Mundbereich. Mit einer Häufigkeit von 5–8 Prozent folgen Erkrankungen aus dem HNO-Bereich wie Tonsillitis, Tonsillolithen, Sinusitis, Fremdkörper und Polypen.

Keine Indikation für Gastroskopie

Nur in weniger als 0,1 Prozent der Fälle liegt eine gastrointestinale Ursache vor. Dazu gehören die Kardiainsuffizienz, der gastroösophageale Reflux und Ösophagusdivertikel.

„Die Bedeutung des Heliobacter pylori ist umstritten, bisher gibt es keine eindeutigen Belege dafür, dass er beim Mundgeruch eine Rolle spielt“, so Trebst. Es sei deshalb nicht sinnvoll, dann, wenn keine anderen Symptome vorlägen, nach ihm zu fahnden bzw. eine Eradikation vorzunehmen. „Mundgeruch allein ist auch keine Indikation für eine Ösophago-Gastro-Duodenoskopie“. Patienten, bei denen H.pyloris eradiziert wurden, zeigten langfristig nämlich keine Verbesserung bezüglich des Mundgeruchs, das heißt nach Beendigung der Antibiose kam der Mundgeruch sofort wieder. Dies spricht dafür, dass nur die antibiotische Wirkung auf die Bakterien in der Mundhöhle den Mundgeruch beeinflusst.

Zu den seltenen systemischen Ursachen gehören der Diabetes mellitus, hepatische und renale Erkrankungen. Aber auch Medikamente wie Eisenpräparate, Antihypertensiva, Antidepressiva und Antipsychotika können Mundgeruch hervorrufen.

Welche Therapie?

Was kann man gegen den störenden Mundgeruch machen? Entscheidend ist eine intensive Zahnpflege und Mundhygiene, wozu auch der tägliche Einsatz von Zahnseide und die tägliche Zungenreinigung gehören. Sinnvoll sind auch Mundspüllösungen mit Gurgeln, zuckerfreie Kaugummis, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ein Ballaststoff reiches Frühstück und weniger Alkohol und Kaffee.

 

Quelle: 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE), 26.–29. März 2014, Dortmund

springermedizin.de, Ärzte Woche 23/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben