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Bei Kindern mit Otitis media kann ein Blick auf die Mandeln Aufschluss bringen.
 
HNO 12. November 2013

Risikofaktoren für Otitis media

Bei Kleinkindern können dicke Mandeln Ursache für Rezidive sein.

Geschwollene Rachenmandeln sind offenbar der größte Risikofaktor für eine häufig wiederkehrende Otitis media bei Kleinkindern. Aber auch der Schnuller scheint das Rezidivrisiko zu erhöhen, haben HNO-Ärzte aus Kairo herausgefunden.

Eine Mittelohrentzündung ist bei Kleinkindern keine Seltenheit, ein Teil der Kinder wird jedoch von mehreren Episoden pro Jahr geplagt, etwa jedes zehnte Kind erkrankt sogar viermal pro Jahr oder noch häufiger. Welche Risikofaktoren ein rasches Wiederaufflammen der Entzündung begünstigen, haben jetzt Ärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) aus Kairo, Ägypten, untersucht.

Die Ägypter um Mohamed Salah analysierten dazu Daten von 340 Kindern, die innerhalb eines Jahres in der HNO-Uniklinik aufgrund häufig wiederkehrender Mittelohrentzündungen vorstellig wurden. Alle waren jünger als zwei Jahre und hatten mindestens drei Infektionsepisoden innerhalb von sechs Monaten erlitten, alle waren mit Antibiotika (Amoxicillin/Clavulanat) zehn Tage lang behandelt worden.

Fünf bis sechs Episoden pro Jahr

Die Mediziner schauten nun, welche Eigenschaften die Kinder mit einer hohen Rezidivrate zeigten. Im Schnitt wurden bei den Kleinen im Untersuchungszeitraum zwischen fünf und sechs Mittelohrentzündungen festgestellt.

Als größter Risikofaktor erwies sich eine obstruktive Rachenmandel: Bei Kindern mit hypertrophen Mandeln kam es im Schnitt zu 6,5 Episoden, bei den übrigen zu 5,0 Entzündungen. Signifikant häufiger traten Rezidive auch bei Kindern im Alter von mehr als sechs Monaten auf (5,6 versus 4,6 bei jüngeren), bei Kindern mit Atemwegsinfekten (5,8 versus 5,1), bei Kindern, die weniger als drei Monate gestillt worden waren (5,7 versus 5,1), und bei Kindern mit Schnuller (5,8 versus 5,1 Episoden).

Antibiose versagt bei geschwollenen Polypen

Obstruktive Polypen zählten auch zu den häufigsten Gründen für das Versagen der Antibiotikatherapie: so sprachen 88 Prozent der Kinder mit dicken Mandeln auf die Therapie nicht an, sodass in der Regel eine Adenoidektomie nötig war. Bei Kindern ohne obstruktive Polypen lag die Rate der Therapieversager bei lediglich 21 Prozent. Signifikant häufiger scheiterte die Therapie auch bei Kindern im Alter von mehr als sechs Monaten (31 % versus 19 % bei jüngeren) sowie bei Kindern, die weniger als drei Monate gestillt worden waren (36 % versus 24 % bei längerem Stillen).

Keine signifikanten Zusammenhänge mit der Zahl der Rezidive und dem Therapieversagen gab es für Faktoren wie Frühgeburt, Geschlecht, Passivrauchen, Zahl der Geschwister, Allergien und kraniofaziale Fehlbildungen.

Für einige der Risiko- und Schutzfaktoren nennen Salah und Mitarbeiter folgende plausible Erklärungen: So könne eine Obstruktion der Eustachischen Röhre (Verbindung zwischen dem Mittelohr/ Paukenhöhle und dem Nasenrachen) durch geschwollene Rachenmandeln zu einem Sekretstau führen, der das Bakterienwachstum begünstigt. Langes Stillen könne die Säuglinge hingegen mit maternalen Antikörpern gegen die Erreger versorgen und sie vor einer Otitis media schützen.

 

Originalpublikation: Salah M et al. Recurrent acute otitis media in infants: Analysis of risk factors. Int J Pediatr Otorhinolaryngol 2013; 77:1665–9

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 46/2013

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