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HNO 11. April 2006

Tumoren im HNO-Bereich

Die Tumoren des oberen Aerodigestivtraktes sind in den meisten Fällen Plattenepithelkarzinome. Als wichtigste Risikofaktoren sind hoher Tabak- und Alkoholkonsum zu nennen. Einen weiteren Risikofaktor stellt die ungenügende oder fehlende Mundpflege, vor allem in Kombination mit überhöhtem Zigarettenkonsum, dar. 

Die Symptome hängen stark von der Lokalisation des Primärtumors ab. Hier sind vor allem Schmerzen, Foetor ex ore, Schluckbeschwerden, Heiserkeit und Hämophtysis zu nennen. Nicht selten ist aber auch eine Halslymphknotenschwellung das erste Symptom, das den Patienten zum Arzt führt. Daher: Vor jeder Biopsie suspekter Halslymphknoten muss stets ein exakter HNO-Status erfolgen! Während Karzinome der Mundhöhle und des Oropharynx oft vom Patienten selbst bemerkt und daher eher früher entdeckt werden, können Hypopharynxkarzinome lange symptomarm bleiben und haben, auch aufgrund der späten Diagnostik, eine schlechte Prognose. 

Generell ist zu sagen, dass jede Schleimhautveränderung, die länger als zwei Wochen besteht und auf eine adäquate Therapie nicht zurückgeht, als suspekt zu werten ist und histologisch abgeklärt werden sollte. Die Diagnostik sollte eine klinische HNO-Untersuchung, die Pan -endoskopie (mit Biopsie), bildgebende Verfahren (US, CT oder MRI) und eine internistische Durchuntersuchung beinhalten. Aus der Summe dieser Befunde kann dann das therapeutische Vorgehen festgelegt werden.

Wandel in der Behandlung

Die Behandlung der HNO-Karzinome hat sich in den vergangenen zehn Jahren etwas gewandelt. Die für den Patienten mitunter gewaltigen Funktionseinbußen durch eine Operation haben die Suche nach funktionserhaltenden Therapieformen vorangetrieben. Die Verwendung des CO2-Lasers in der Behandlung von Larynx- und Hypopharynxkarzinomen hat eine funktionsschonendere Chirurgie ermöglicht. Weiters hat sich die Rolle der Chemotherapie, die anfänglich nur in der Palliativtherapie zum Einsatz gekommen ist, geändert. So ist heute der konkomitanten Radiochemotherapie in Fällen von inoperablen Tumoren (Abb. 1) der alleinigen Strahlentherapie der Vorzug zu geben. Durch geeignete Therapieprotokolle (Induktionschemotherapie) kann bei manchen Larynxkarzinomen sogar auf die Kehlkopfresektion verzichtet werden. Änderungen in der Bestrahlungsmodalität haben zusätzlich eine Verbesserung der Lokalkontrolle gebracht. Ist trotz allem eine Resektion bei ausgedehnten Karzinomen nötig, so ist durch die Möglichkeit des Gewebstransfers (Lappenplastiken, Dünndarmtransplantate) zur Rekonstruktion großer Defekte eine verbesserte Funktionswiederherstellung erreichbar. 

Die Gesamtüberlebensraten von Patienten mit HNO-Tumoren konnten trotz der Fortschritte nicht maßgeblich verbessert werden. Die Früherkennung ist daher nach wie vor besonders wichtig - denn für die meisten dieser Karzinome gilt: je früher der Therapiebeginn, desto funktionsschonender und aussichtsreicher die Behandlung.

Prof. Dr. Martin Burian, Ärzte Woche 6/2002

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