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HNO 11. April 2006

Otitis externa und Otitis media

Bei Patienten mit akuten Ohrenschmerzen ohne Veränderungen an der Ohrmuschel handelt es sich meist um eine akute Otitis externa oder eine akute Otitis media. Diese Erkrankungen haben, obwohl sie einen unterschiedlichen Teil des Ohres befallen, zum Teil ähnliche Symptome. Akute starke Ohrenschmerzen treten bei beiden auf; Tragusdruckschmerz deutet auf eine Erkrankung des äußeren Gehörganges hin. 

Otitis media 

Bei der Otitis media leidet der Patient praktisch immer unter einer Hörverminderung im Sinne einer Schallleitungsschwerhörigkeit. Eine Otorrhoe tritt nur bei perforiertem Trommelfell auf.  Eine pulsierende Sekretion spricht für eine Beteiligung des Mittelohres. Auch eine Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes, insbesondere Fieber, weist auf eine Otitis media hin. 

Im Rahmen der akuten Otitis media findet man je nach Stadium und Verlauf der Erkrankung (siehe Abb.1):

  • verstärkte Injektion des Trommelfells mit Gefäßen
  • Entdifferenzierung mit Verwischung der Hammergriffkontur
  • Rötung und Vorwölbung des Trommelfells
  • Perforation mit meist pulsierender Sekretion bei entdifferenziertem Trommelfell
  • bei der Grippeotitis in Folge toxischer Kapillarschädigung Blutblasen, die auch auf den Gehörgang übergreifen können. 
  • Die Otitis media entsteht meist tubogen (Streptokokken, Pneumokokken, Haemophilus, Staphylokokken), als Superinfektion bei Virusinfekten, seltener hämatogen (Scharlach, Masern) oder über eine vorbestehende Trommelfellperforation. 

Ohrentropfen sind sinnlos, da sie den Erkrankungsort bei nicht perforiertem Trommelfell nicht erreichen.  Die Therapie einer komplikationslosen Otitis media beinhaltet abschwellende Nasentropfen (mit vasokonstriktorischen Substanzen), Schmerztherapie (NSAR mit entzündungshemmender Komponente) und orale Antibiotikagabe: Penicillinasefeste Penicilline sind die Mittel erster Wahl; auch Cephalosporine oder Makrolide können verabreicht werden. Für Ery -thromycin sind Resistenzen beschrieben. Fluorochinolone sollten nur bei Komplikationen oder Therapieversagern gegeben werden. Eine Schallleitungsschwerhörigkeit kann für einige Wochen bestehen bleiben. 

Bei Komplikationen wie Innenohrbeteiligung, Fazialisparese, Mastoiditis oder Meningitis sind operative Interventionen durch einen HNO-Facharzt erforderlich. Bei einer Fazialisparese oder Mastoiditis ist das Auftreten einer Komplikation meist offensichtlich. Schwere zentrale Komplikationen kündigen sich bei Patienten mit einer behandelten Otitis media oft 1-2 Wochen nach Therapiebeginn bei weitgehend unauffälligem Trommelfellbefund mit unspezifischen Symptomen wie erneuter Reduktion des Allgemeinbefindens, Kopfschmerzen oder Fieber an. Es kann lebensrettend sein, an eine solche Komplikation zu denken und rasch an eine HNO Abteilung einzuweisen.

Otitis externa

Eine Otitis externa ist häufig mit mäßigem Ohrfluss verbunden. Typisch ist eine starke Schwellung des Gehörganges mit Detritus, das Trommelfell ist oft nicht einsehbar.  Sie wird meist bakteriell bedingt (Staphylokokken) und entsteht oft durch Selbstreinigungsversuche oder Einsteckhörer, Verschmutzung durch Badewasser oder Staub oder auf dem Boden eines Gehörgangsekzemes. Fremdkörper im Gehörgang müssen natürlich ausgeschlossen werden.  Eine systemische Antibiotikagabe ist meist nicht erforderlich. Wichtig ist die intensive Lokaltherapie mit Reinigung, Abschwellung durch 70% Alkohol und die lokale Applikation von antibiotika- und steroidhältigen Ohrentropfen oder Salben sowie Schmerzmedikation. Bei der Gehörgangsmykose, die durch starken Juckreiz und oft otoskopisch erkennbare Pilzrasen gekennzeichnet ist, erfolgt die Therapie mit lokalen Antimykotika. 

Zu gefährlichen Verlaufsformen durch Infektion mit Pseudomonas aeruginosa im Sinne einer Otitis externa maligna (siehe Abb. 2) mit Komplikationen (Knochennekrose, Meningitis, Fazialisparese und Sinusthrombose) kann es bei Patienten mit Diabetes mellitus und Immunschwäche kommen. Ein Diabetes sollte bei nicht rasch auf Lokaltherapie ansprechender Otitis externa ausgeschlossen werden. Bei progredientem Verlauf muss durch einen HNO-Facharzt ein Cholesteatom, in seltenen Fällen auch ein Malignom ausgeschlossen werden.

Prof. Dr. Birgit Knerer, Ärzte Woche 6/2002

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