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HNO 11. April 2006

Akute Laryngitis und ihre Sonderformen

  • Eine akute Laryngitis (siehe Abb. 1) tritt häufig im Rahmen einer viralen Entzündung des oberen Respirationstraktes auf und heilt meist nach 10 bis 14 Tagen aus. Eine bakterielle Superinfektion ist möglich. 
    Neben einer Heiserkeit werden Husten, Halsschmerzen und Fieber beobachtet. 
    Die Stimmlippen imponieren gerötet, geschwollen und sind von zähem Schleim, Fibrinbelägen und eventuell purulentem Sekret bedeckt.
    Es wird eine symptomatische Therapie empfohlen: Stimmschonung (nur wenig mit leiser Stimme sprechen; keinesfalls flüstern; stimmliche Überforderung kann zu Dauerschäden mit verminderter stimmlicher Belastbarkeit führen!), Vermeidung von Noxen (Alkohol- und Nikotinkarenz), Vermeidung heißer, kalter und scharfer Speisen bzw. Getränke, körperliche Schonung. Weiters kommen Antiphlogistika, Antitussiva, gegebenenfalls Sekretolytika sowie Inhalationen mit Eibischtee, Solelösung oder Dexpanthenol zum Einsatz. Bei bakterieller Superinfektion sind Antibiotika (zum Beispiel Aminopenicillin) indiziert.
    Sonderformen der akuten Laryngitis stellen die subglottische Laryngitis (Pseudokrupp) und die Epiglottitis dar.
       
  • Subglottische Laryngitis (Pseudokrupp)
    Bei einer subglottischen Laryngitis (Pseudokrupp) kann es im Kindesalter durch eine viral ausgelöste Entzündung der Subglottis zu einer bedrohlichen, die Atmung behindernden Schleimhautschwellung kommen. Differenzialdiagnostisch ist an eine Epiglottitis zu denken. Charakteristisch sind ein inspiratorischer Stridor sowie bellender Husten. Eine Untersuchung des Kehlkopfes und Rachens sollte nur in Reanimationsbereitschaft (Intubations-, Koniotomie- / Tracheotomiebereitschaft) erfolgen. Zumeist kann durch eine Oropharynxinspektion die bei Kindern hochstehende Epiglottis zum Ausschluss einer Epiglottitis inspiziert werden. Falls es die Situation erlaubt, führt man eine transnasale flexible Laryngoskopie durch. Beobachtet werden eine meist polsterförmige Schwellung und Rötung der Subglottis.  Als therapeutische Notfallmaßnahme dient die intravenöse Applikation von Kortikosteroiden in ausreichender Dosierung. Wichtig ist die Beruhigung des Kindes durch die Bezugsperson, ein feuchtes Raumklima (Inhalation, eventuell mit Adrenalinzusatz, feuchtes Zelt) sowie Überwachung der Atemsituation (Pulsoxymeter). 
        
  • Epiglottitis
    Diese vor allem im Kindesalter häufige perakute Entzündung der Epiglottitis, meist durch Haemophilus influenzae Typ B hervorgerufen, kann durch eine massive Verschwellung der Atemwege lebensbedrohlich sein (siehe Abb. 2). Leitsymptom ist ein sich rasch entwickelnder inspiratorischer Stridor. Weiters bestehen Fieber, massive Schluckschmerzen mit Schluckhemmung und Speichelfluss aus der Mundhöhle sowie ein kloßiger Sprechklang.Bei der Kehlkopfuntersuchung (Vorgangsweise wie bei der subglottischen Laryngitis) zeigt sich eine hochrote, ballonartig aufgetriebene Epiglottitis, meist auch ödematöse Verschwellung der aryepiglottischen Falten und Aryhöcker.  Neben intravenöser Gabe von Antibiotika (Amoxicillin und Clavulansäure) und Kortikoiden ist eine engmaschige, gegebenenfalls intensivmedizinische Überwachung (O2-Monitoring, Intubations-, Koniotomie- / Tracheotomiebereitschaft) erforderlich.

Larynx-Mykosen

Pilzinfektionen des Kehlkopfes, vor allem eine laryngeale Candidose, werden bei Patienten mit lokaler Dauertherapie mit Kortison-Aerosolen, bei immunsupprimierten Patienten und im Rahmen von AIDS beobachtet. Bei einer laryngealen Candidose müssen die charakteristischen weißgrauen abwischbaren Beläge nicht vorhanden sein. Als Therapie erhalten die Patienten systemisch Antimykotika (Ketokonazol, Fluconazol). In manchen Fällen kann das Absetzen des Cortison-Aerosols sinnvoll sein.

Chronische Laryngitis

  • Unspezifische chronische Laryngitis
    Als ursächliche Faktoren einer unspezifischen chronischen Laryngitis spielen exogene Noxen (Nikotinabusus, Staub, schlechtes Raumklima), endogene Faktoren (Mundatmung bei behinderter Nasenatmung, chronische Sinusitis, gastroösophagealer Reflux) oder falscher Stimmgebrauch eine Rolle. Die Patienten berichten über Heiserkeit, verminderte stimmliche Belastbarkeit, Husten, Räuspern oder/und Fremdkörpergefühl im Hals. Die Stimmlippen sind gerötet, plump, walzenförmig verdickt, eventuell finden sich leukoplakische Areale (siehe Abb.3).Die Therapie ist oft langwierig und unbefriedigend; regelmäßige HNO-ärztliche/ phoniatrische Kontrollen sollen die Entstehung von malignen Kehlkopferkrankungen rechtzeitig erkennen lassen. Wesentlich ist eine Elimination der exogenen und endogenen Noxen, eine symptomatische Therapie und eventuell eine logopädische Behandlung. Bei hyperplastischen und leukoplakischen Stimmlippenarealen ist eine Mikrolaryngoskopie mit (Exzisions-)Biopsie zum Ausschluss eines Malignoms erforderlich. 
       
  • Laryngitis gastrica
    Bei gastroösophagealer (-pharyngealer) Refluxerkrankung kann eine Kehlkopfentzündung enstehen, wobei vor allem, aber nicht nur, das hintere Drittel der Larynxschleimhaut betroffen ist (Laryngitis posterior). Sodbrennen als klassisches Symptom kann fehlen. Die Larynxveränderungen reichen von einer Schleimhautrötung, -hyperplasie bis zur Ausbildung von Kontaktgranulomen. Als Therapie werden nach gastroenterologischer Abklärung neben diätetischen Maßnahmen Protonenpumpenblocker über Wochen verabreicht.
     
  • Granulomatöse Entzündungen
    Im Rahmen von granulomatösen Entzündungen kann ein laryngealer Befall bei Tuberkulose, Sarkoidose oder Syphilis beobachtet werden. Wesentlich für die Diagnosestellung ist der histologische Befund.

Perichondritis

Ursachen einer Perichondritis sind meist Strahlentherapie, operative Eingriffe oder Larynxtraumen. Die Patienten klagen über Druckschmerzhaftigkeit des Kehlkopfes, Dysphonie und Schluckschmerzen. In der Laryngoskopie findet sich eine ödematöse Schleimhautschwellung. Die Therapie besteht in einer Antibiotikagabe nach Antibiogramm, im Falle einer Nekrose in einer chirurgischen Intervention und Entfernung des Sequesters. Bei bedrohlicher Atemnot muss eine Tracheotomie vorgenommen werden.

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