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HNO 30. Juni 2005

Schwindel und vestibuläre Störungen

In der täglichen Praxis ist Schwindel ein sehr häufiges Symptom. Trotz modernster apparativer Diagnostik gelten Gleichgewichtsstörungen noch immer als interessantes interdisziplinäres Problem für den Arzt.     

  • Der Ausfall eines Gleichgewichtorgans führt neben akut einsetzendem Dauerdrehschwindel auch zu heftiger Übelkeit und Erbrechen. Über den Reflexbogen zu den Augenmuskelkernen wird ein Spontannystagmus  generiert. Es besteht Fallneigung zur betroffenen Seite, da es zu einer Tonusminderung der gleichseitigen Streckmuskulatur kommt. Die zentrale Kompensation führt innerhalb von einigen Tagen zur vollkommenen Rückbildung der Schwindelbeschwerden. Zur Beurteilung des Ausmaßes einer vestibulären Störung dienen Beobachtung des Gangbildes, der Romberg und Unterberger-Tretversuch. Bei der thermischen Gleichgewichtsprüfung wird durch Spülung des Gehörganges mit warmem (44°C) und kaltem (30°C) Wasser ein Gleichgewichtsorgan isoliert geprüft. Der dabei auftretende Nystagmus dient zur genauen Bestimmung der Erregbarkeit eines Labyrinths. 
       
  • Morbus Ménière: (siehe Beitrag Morbus Ménière - die berüchtigten Attacken)
       
  • Der gutartige paroxysmale Lagerungsschwindel wird relativ häufig beobachtet. Es können Menschen aller Altersgruppen betroffen sein. Der Patient klagt über wenige Sekunden dauernde Schwindelanfälle. Bei genauerem Nachfragen handelt es sich dabei um einen heftigen Drehschwindel in Zusammenhang mit Lagewechsel im Bett. 
    Oft wacht der Patient mitten in der Nacht durch das Erstauftreten der Beschwerden auf und glaubt, er hätte einen Schlaganfall. Bei Seitenlage und Aufrichten beschreibt der Betroffene einen nach kurzer Latenz auftretenden zunehmenden und danach abnehmenden heftigen Drehschwindel. 
    Die gleichzeitige Beobachtung eines rotatorischen Nystagmus zum betroffenen Ohr mittels Frenzelbrille beweist das Vorliegen eines gutartigen paroxysmalen Lagerungsschwindels. Meist verschwinden die Beschwerden nach einigen Wochen von selbst. Es kann jedoch vorkommen, dass Monate oder Jahre später der Drehschwindel für geraume Zeit wieder auftritt. Eine Behandlung mit Medikamenten ist nicht indiziert. Sinnvoll ist es jedoch, durch mehrmaliges, absichtliches Auslösen des Schwindels den Reflex zu ermüden, um dann z.B. ungestört einschlafen zu können. 
    Man nimmt an, dass der Lagerungsschwindel durch ein abgesprengtes Kristallteilchen der Macula ausgelöst wird, welches bei entsprechenden Kopfbewegungen im Innenohr sein Unwesen treibt. 
    Warum es zum Loslösen eines Kriställchens kommt, ist in den meisten Fällen nicht zu ermitteln. Gelegentlich jedoch tritt der Lagerungsschwindel nach Unfällen auf, die zu einer Erschütterung des Kopfes geführt haben. 
    Es handelt sich um eine harmlose, wenn auch zuweilen unangenehme Erkrankung.

Ass. Dr. Peter Ramberger, Ärzte Woche 6/2002

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