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HNO 30. Juni 2005

Schlafapnoiker leben nicht ungefährlich

Das heute zu Recht anerkannte Krankheitsbild der Schlafapnoe wurde lange Zeit als "Modekrankheit Schnarchen" abgetan. Dabei bietet sie mit Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Leistungsverlust, Depression bis zum Verlust des Arbeitsplatzes sowohl schwerwiegende körperliche, psychische als auch soziale Leidensformen.  Darüber hinaus muss man die schweren Formen mit letztlich nächtlichem Ableben als auch tödlichen Unfällen beim Sekundenschlaf als vital gefährdend ansehen. 5 Prozent der männlichen Bevölkerung über dem 40. Lebensjahr sind betroffen - eine häufige Krankheit. Frauen sind anfangs nur zirka halb so oft betroffen wie Männer, holen jedoch ab dem 60. Lebensjahr deutlich auf.

Man unterscheidet die zentrale Schlafapnoe mit fehlendem zentralem Atemantrieb (ohne Atembewegung der Atemhilfsmuskulatur) von der obstruktiven Schlaf-apnoe (OSA) mit temporärer Obstruktion der Atemwege (bei aktiver Atemhilfsmuskulatur). Mischformen sind häufig (40 bis 50 Prozent).  Allen Formen sind die gehäuften nächtlichen Atempausen von mehr als 10 Sekunden Dauer (mehr als 10/h) und das Absinken der Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut auf unter 90 Prozent eigen. Eine genauere diesbezügliche Untersuchung kann mit einem mobilen Schlafapnoe-Screeninggerät zu Hause oder nach Maßgabe mit einem Polysomnographen stationär erfolgen und wird von Schlaflabors durchgeführt.

Untersuchungsmethoden

Während im Schlaflabor die Form und der Schweregrad der Schlafapnoe festgestellt werden, beurteilt der HNO-Facharzt unter Zuhilfenahme eines flexiblen Laryngopharyngoskopes die hauptsächlich für eine Obstruktion verantwortlichen Engstellen (Gaumensegel, Zungengrund, Hypopharynx, Nase).  Im Zusammenhang mit dem Schlaflaborergebnis sind eine Prognose über die Wahrscheinlichkeit einer ausreichenden Verbesserung durch operative Maßnahmen abzugeben und eine allfällige Operationsindikation zu stellen. Dafür kommen vor allem leichte bis mittelgradige obstruktive Schlafapnoen mit hauptsächlicher Obstruktion im Gaumensegelbereich und/oder nasaler Enge in Frage. Patienten, bei denen operativ keine ausreichende Besserung zu erwarten ist oder eine hochgradige obstruktive Schlafapnoe vorliegt, sind mittels nächtlicher nasaler Überdruckmaske (nCPAP), in der Regel lebenslang, zu behandeln. Eine Anpassung des nCPAP-Gerätes erfolgt durch das Schlaflabor.

Angezeigte operative Maßnahmen werden vom HNO-Facharzt durchgeführt. Dazu zählen insbesondere die Gaumensegel-Rachenplastik (UPPP) und die Laser-Gaumensegelplastik (L-UPP), aber auch Eingriffe am Nasenseptum. In einzelnen Fällen kommt auch eine Zungengrundsuspension in Frage. Diese Eingriffe können in vielen Fällen bei reinen Schnarchern ohne Sauerstoffmangel zur Reduktion des Schnarchgeräusches angewendet werden. Hierbei beurteilt der HNO-Facharzt die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges, während der Patient entscheiden muss, ob er sich zur Reduktion des Schnarchgeräusches tatsächlich einer Operation unterziehen möchte. Denn es liegt hier keine medizinische Notwendigkeit, aber unter Umständen ein starker sozialer Druck vor.

Auch bei schwer therapierbarem Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen ist an eine OSA als (Mit-)Verursacher zu denken, und gegebenenfalls eine Schlaflaboruntersuchung durchzuführen.
Beim Verdacht auf ein (obstruktives) Schlafapnoesyndrom sind unbedingt eine Schlaflaboruntersuchung und eine spezielle HNO-Untersuchung durchzuführen und gegebenenfalls eine operative Therapie und/oder eine nCPAP-Anpassung zu veranlassen.  Dabei ist auch immer an die Reduktion des erschwerenden Faktors "Übergewicht" zu denken. Muskelrelaxierende Substanzen wie Alkohol und Schlafmittel sind von Schlafapnoe-Patienten grundsätzlich (nachts) zu meiden.

OA DI Dr.med. Martin Steurer, Ärzte Woche 6/2002

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