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HNO 30. Juni 2005

Der Hörsturz - ein medizinischer Notfall

Beim Hörsturz kommt es innerhalb von wenigen Sekunden oder Minuten aus völligem Wohlbefinden zu einem meist einseitigen Hörverlust. Als Begleitsymptom ist Tinnitus häufig vorhanden, Schwindel relativ selten; oft klagen die Betroffenen auch über ein Druckgefühl im Ohr.  Der Funktionsverlust des Innenohres kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und bis zur völligen Ertaubung führen. Die Erkrankung hat eine Morbidität von 1:5.000 pro Jahr.

Pathogenetische Mechanismen unklar

Als Ursache des Hörsturzes werden verschiedene pathogene Mechanismen diskutiert. Obwohl die schlagartige Entstehung eine vaskuläre Ätiologie (zum Beispiel Embolie, Thrombose oder Hämorrhagie) analog zu ähnlichen Geschehen im ZNS nahelegt, deuten die Hinweise in den meisten Fällen auf eine Viruserkrankung. 

Die histopathologischen Befunde des Os temporale unterscheiden sich von den Bildern, die man bei tierexperimentellen Gefäßverengungen oder -embolien sieht; sie ähneln aber denen, die man bei menschlichen Virusinfektionen des Innenohres mit plötzlicher Ertaubung, zum Beispiel Mumps und Masern (virale endolympathische Labyrinthitis) vorfindet.  Eine Störung (mikromechanisch, elektrophysiologisch, biochemisch) der Homöostase des Innenohres wird auch als eine mögliche Ursache des Hörsturzes diskutiert. Plötzliche Druckschwankungen oder plötzliche, starke körperliche Belastungen (zum Beispiel Gewichtheben) können gelegentlich zu Perilymphfisteln zwischen Innen- und Mittelohr führen. 

Fisteln im ovalen und runden Fenster verursachen einen plötzlichen oder fluktuierenden cochleoneuralen Hörverlust mit Schwindel. Gelegentlich kann der Patient auf dem erkrankten Ohr bei der Fistelentstehung sogar das Platzen hören. Zur Therapie einer akuten idiopathischen Innenohrschwerhörigkeit werden Steroide, Antioxidantien, Kalziumantagonisten und durchblutungsverbessernde Medikamente verabreicht. Bei Verdacht auf eine Perilymphfistel sollte das Mittelohr chirurgisch exploriert werden. Die Abdeckung der Fistel erfolgt mit einem autologen Gewebstransplantat wie Fettgewebe oder Faszie.  Eine spontane Besserung bis Heilung kommt in etwa 50 Prozent der Fälle vor, vorwiegend in der ersten Woche. Je ausgeprägter und je länger der Hörsturz jedoch besteht, desto geringer sind die Chancen einer Restitution.

Prof. Dr. Peter Franz, Ärzte Woche 6/2002

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