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HNO 30. Juni 2005

Die chronische Rhinosinusitis

Die Rhinosinusitis ist definiert als Entzündungsreaktion der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut. Die Symptome bestehen aus nasaler Obstruktion, Hypersekretion und Irritation, Niesreiz, Kopf- oder Gesichtsschmerzen und Geruchsstörungen. Sie variieren in ihrer Ausprägung und können von Nachbarschafts- (Konjunktivitis) oder Fernsymptomen (Lunge) begleitet werden. Eine chronische Rhinosinusitis kann mehrere Ursachen haben. In der Ätiologie wird zwischen allergischer, infektiöser und nichtallergischer/nichtinfektiöser Rhinosinusitis unterschieden. (Zur allergischen Rhinitis siehe unseren Beitrag "Therapie der allergischen Rhinitis")

Chronische infektiöse Rhinosinusitiden sind meist Folge einer Pilzinfektion mit Aspergillus, Candida oder Mucoraceae. Ebenso meist einseitig zeigen sich dentogene Ursachen. Als seltene nichtinfektiöse Ursache sind Erstmanifestationen von immunologischen Erkrankungen wie M.Wegener, SLE oder Sarkoidose anzutreffen.Änderungen im Hormonhaushalt ("Schwangerschaftsrhinitis") sowie medikamentöse Ursachen ("Privinismus" oder Nebenwirkungen, zum Beispiel von Kardiaka) müssen ebenso in Betracht gezogen werden.

Häufige Ursache: Nasenseptumdeviation

Mechanisch-anatomische Auslöser für rezidivierende Rhinosinusitiden sind meist Nasenseptumdeviationen, Conchae bullosae, enge NNH-Ostien oder Fremdkörper. Die Polyposis nasi wird nunmehr als eigenes Krankheitsbild verstanden. Leicht blutende Polypen mit unruhiger Oberfläche sind suspekt auf Neoplasien und dürfen trotz geringer Zahl (0,1-1% aller malignen Neoplasien) nicht vergessen werden. So genannte idiopathische oder hyperreflektorische Rhinosinusitiden können erst nach ausführlicher Ausschlussdiagnostik als solche bezeichnet werden. Einen Eckpfeiler der Diagnostik bei chronischen Rhinopathien stellt die sorgfältig und umfassend erhobene Anamnese dar: Genaue Erhebung nasaler (Dauer, Art und subjektive Gewichtung der Symptome) und nichtnasaler Symptome (Kopfschmerzen, Asthmoide Beschwerden) sowie Erhebung weiterer Erkrankungen und Medikamente des Patienten sind angezeigt. Hinweise auf Allergien, Berufsanamnese (Staub, Noxen) runden das Anamnesegespräch ab. Die Rhinoskopie ist vor allem bei chronischen Rhinosinusitiden durch eine Endoskopie und durch eine Computertomographie zu ergänzen. 

Bei chronischen Infekten wird nach Antibiogramm therapiert, bei Aspergillosen ist die operative Sanierung Therapie der Wahl. Im Falle einer Polyposis nasi werden initial topische und systemische Kortikoide verabreicht; meist ist danach eine operative Sanierung der Nasennebenhöhlen mit anschließender topischer Langzeit-Kortikoidtherapie notwendig.Für mechanisch-anatomische Ursachen ist deren operative Beseitigung (Septumkorrektur, FESS=Funktionelle Endoskopische Nasennebenhöhlen-Chirurgie) die Therapie der Wahl.

Dr. Josef Toth, Ärzte Woche 6/2002

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