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HNO 27. Oktober 2005

Magnetfeld-Stimulation bei Ohrensausen

Nach einer Behandlung mit transkranieller Magnetfeld-Stimulation fühlt sich ein Großteil der Tinnitus-Patienten bis zu einem halben Jahr deutlich besser.

Bei der transkraniellen Magnetfeld-Stimulation werden mit einer über der Schädelkalotte platzierten Spule magnetische Impulse erzeugt, die je nach Frequenz einen hemmenden oder erregenden Effekt auf die darunter liegenden Neuronen haben. Das Verfahren wird bisher vor allem bei Depression genutzt. Über seine ersten Erfahrungen mit einer Anwendung bei Tinnituspatienten berichtete Dr. Peter Eichhammer von der Universität Regensburg auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psy­chiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin.

Fünftägige Behandlung

Die Regensburger arbeiten mit einer Impulsfrequenz von einem Hertz. Die Behandlung, bei der die Spule direkt über dem auditorischen Kortex liegt, dauert fünf Tage: Pro Tag werden bis zu 2000 Impulse erzeugt. „Bisher liegen Erfahrungen von knapp 100 Patienten vor“, so Eichhammer in Berlin. Sechs von zehn Patienten berichteten über eine deutliche Linderung, die gemäß der aktuellsten Nachuntersuchung auch sechs Monate nach dem Behandlungszyklus noch besteht. Der psychiatrische Tinnitus-Score nach Goebel & Hiller verbessere sich ebenfalls signifikant, so Eichhammer. Spannend finden die Regensburger aber vor allem die Verlaufsbefunde mit funktioneller Positronenemissionstomographie und Magnetresonanztomographie. So nimmt die bei Tinnitus-Patienten im auditorischen Kortex nachweisbare Hyperaktivität durch die Stimulation ab. Außerdem lasse sich eine selektive Augmentation an grauer Substanz im auditorischen Kortex sowie im dorsolateralen Thalamus nachweisen. Ein Hinweis darauf, dass sich der beim Tinnitus gestörte Regelkreis zwischen Thalamus, Kortex und limbischem System dauerhaft modulieren lasse, so Eichhammer.

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