zur Navigation zum Inhalt
 
HNO 30. Juni 2005

Eine bakterielle Sinusitis ist bei jungen Menschen ernst zu nehmen

Die bakterielle Sinusitis bei Kindern und Jugendlichen ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die bei inadäquater Therapie zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.

Die akute Sinusitis entsteht fortgeleitet über die Ostien aus akuter Rhinitis. Auslöser dafür können eine Schleimhautdisposition, Verschwellung der Nebenhöhlenausführungsgänge, Eindringen von Wasser beim Schwimmen (so genannte Badesinusitis), eine erhöhte Virulenz der Erreger oder eine allgemeine Abwehrschwäche sein. Seltener entwickelt sich eine Sinusitis odontogen, und wenn, dann nimmt sie fast immer einen chronischen Verlauf. Es handelt sich dabei um eine ödematöse Schleimhautschwellung der Nebenhöhlen erst mit schleimiger, später bei bakterieler Infektion mit einer rein eitrigen Absonderung. Vor der Verwendung von Antibiotika sind abschwellende Maßnahmen wie Nasentropfen und Inhalationen sowie Schleimlöser erforderlich. Die Anwendung von Wärme führt zu einer verbesserten Durchblutung, somit zu einer schnelleren Abheilung der Entzündung. Erst danach, allenfalls gleichzeitig, könne mit Antibiotika therapiert werden, berichtet Professor Heidrun Müller, HNO-Ärztin an der Universitätsklinik Leipzig.

Antibiotika bei hohem Fieber

Häufig reichten die physikalischen Maßnahmen zur Beschwerdelinderung und zur Ausheilung, wenn zusätzlich stark abschwellende Substanzen mit einem Spitztupfer direkt in den mittleren Nasengang eingegeben und Paracetamol oder Ibuprofen verwendet werden. Liegt eine bakterielle Infektion mit hohem Fieber vor, müsse die antibiotische Therapie nach dem häufigsten Keimspektrum breitbandig und ausreichend lange für mindestens zehn Tage gemacht werden. Größte Bedeutung als Erreger haben Pneumokokken, Hämophilus influenza und Moraxella catarrhalis. Seltener, aber nicht zu vernachlässigen sind Staphylococcus aureus, Streptokokken sowie natürlich auch Anaerobier.
Geeignete Antibiotika sind nach Aussage der HNO-Ärztin Aminopenicilline plus Beta-Laktamase-Hemmer und Cephalosporine der zweiten Generation. Die oralen Cephalosporine der dritten Generation haben eine Staphylokokkenlücke. Sie könnten damit nicht als Mittel der ersten Wahl bei Sinusitiden gelten, berichtet Müller. Die in Deutschland sehr beliebten Makrolide hätten zunehmend Resistenzen gegen Staphylococcus pneumoniae, einem der Leitkeime der Sinusitis. Da Clindamycin nicht gut gegen Hämophilus influenzae wirke, könne es ebenfalls nicht Mittel der ersten Wahl sein.Ist die Therapie inadäquat, besteht die Gefahr der Selektionierung von Problemkeimen. Gravierende Komplikationen können dann die Folge sein. Zu diesen Komplikationen gehören: Orbita-Ödem, Orbitalphlegmone, Stirnbeinosteomyelitis, Meningitis, Hirnabszess und Mukozelen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben