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HNO 18. Juni 2013

Morbus Meniere: Hilfe für Gleichgewichtssinn

Studie führt erste Tests mit einer vestibuläre Prothese durch, um den Gleichgewichtssinn bei Morbus-Menière-Patienten wiederherzustellen.

 
Verschiedene Erkrankungen des Innenohres können sowohl das Hörvermögen als auch den Gleichgewichtssinn massiv beeinträchtigen – die meisten dieser Erkrankungen sind bis heute unheilbar. Seit vielen Jahren werden Cochlea-Implantate eingesetzt, um das Hörvermögen bei Innenohrschäden wiederherzustellen. Allerdings gibt es bis heute kein analoges Behandlungsverfahren für Gleichgewichtsstörungen, die aus Innenohrerkrankungen resultieren. Eine implantierbare vestibuläre Prothese bietet ein potentielles neues Behandlungsverfahren, bei dem der Vestibularisnerv direkt durch elektrische Stimulation aktiviert wird.

 

Diese prothetische Behandlung wird in einer neuen Studie von Christopher Phillips und seinen Kollegen von der University of Washington in Seattle, USA, getestet. Ihre Ergebnisse erscheinen in der Springer-Fachzeitschrift Experimental Brain Research.

Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohres, die das Gehör und den Gleichgewichtssinn in unterschiedlichem Ausmaß beeinträchtigen kann. Charakteristische Symptome der Erkrankung sind Schwindel, Tinnitus, Druckgefühl im Ohr und Gehörverlust, der sich mit der Zeit tendenziell verschlimmert. Obwohl es Medikamente zur Behandlung akuter Anfälle gibt, existiert noch kein Langzeittherapieverfahren, mit dem die Krankheit vollständig geheilt werden kann.

Vestibuläre Prothese

Phillips und seine Kollegen entwickelten eine vestibuläre Prothese, die elektrische Impulse direkt an die Flüssigkeit in den Bogengängen des Ohrs abgibt. Durch die Stimulation der Flüssigkeit geht das Gehirn davon aus, dass der Körper sich bewegt oder dass er sich in eine bestimmte Richtung neigt. Dadurch reagiert der Körper mit einem ausgleichenden posturalen Reflex, um die Haltung zu stabilisieren, und der Patient findet wieder leichter sein Gleichgewicht.

Studie

Für ihre Studie wurden die Prothesen in die Ohren von vier Langzeit-Patienten mit Morbus Menière eingesetzt. Bei den Patienten war der Hörverlust unterschiedlich ausgeprägt und durch andere Behandlungsstrategien nicht beeinflussbar. Zunächst wurde die vestibuläre Funktion jedes einzelnen Patienten vollständig untersucht. Dann wurde ihre Augenfunktion in Bezug auf die elektrische Stimulation gemessen sowie die körperliche Ausgleichsreaktion bei geöffneten und geschlossenen Augen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Stimulation der Flüssigkeit in den Bogengängen des betroffenen Ohrs zu einer Änderung der Körperhaltung führte, wobei die Richtungsänderung davon abhing, welches Ohr stimuliert wurde. Allerdings reagierte jeder Patient mit einer unterschiedlichen Körperneigung als Reaktion auf die Stimulation. Die Autoren gehen davon aus, dass die Ursache hierfür in kleinen Unterschieden der Elektrodenposition bei den Patienten liegen könnte. Folglich wäre für den erfolgversprechenden Ansatz eine Feinabstimmung und eine individuelle Kalibrierung jedes Elektrodenimplantats erforderlich.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass diese Art von Prothese einmal eine mögliche Behandlungsmethode bei Gleichgewichtsstörungen aufgrund des Morbus Menière sein könnte. Allerdings müssen zunächst eine Reihe von Problemen gelöst werden, bevor die Prothese wirklich einsatzfähig ist. Die fehlende Einheitlichkeit bei Richtung und Ausprägung der Neigung erfordert weitere Forschung, um sicherzustellen, dass die Entwicklung einer Prothese zu zuverlässigen Ergebnissen bei jedem Patienten führt.

Positive Ergebnisse

Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung: „Insgesamt zeigen unsere Ergebnisse, dass vestibuläre Prothesen zur Steuerung des Gleichgewichts realisiert werden können. Zudem wurden neue Herausforderungen für die Entwicklung dieser Technologie eröffnet. Die Studie ist der erste Schritt in diese Richtung.“

Quelle:

Phillips, C. et al. (2013). Postural responses to electrical stimulation of the vestibular end organs in human subjects. Experimental Brain Research; DOI 10.1007/s00221-013-3604-3

Springer Verlag, springermedizin.at

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