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© Klaus Rose
Hörgerät kann kognitiven Abbau nur wenig verhindern.
 
HNO 18. Februar 2013

Hörverlust geht mit geistigem Abbau einher

Vermutlich sind gemeinsame neuropathologische Prozesse verantwortlich.

Ältere Menschen, die schlecht hören, weisen laut einer US-Studie oft Zeichen eines beschleunigten kognitiven Abbaus auf. Unbeantwortet bleibt aber die Frage, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.

Bei Senioren mit eingeschränktem Hörvermögen ist den Ergebnissen der Untersuchung zufolge der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit um 30 bis 40 Prozent beschleunigt. Das Risiko, das sich innerhalb von sechs Jahren eine kognitive Beeinträchtigung nachweisen lässt, ist um 24 Prozent erhöht.

Frank Lin von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore und seine Mitarbeiter hatten für ihre prospektive Beobachtungsstudie knapp 2.000 Probanden im mittleren Alter von 77 Jahren untersucht. Im modifizierten Mini Mental State Test (3MS) zeigten sie keine kognitive Beeinträchtigung, ihre Punktzahlen lagen bei mindestens 80 von maximal 100 Punkten. Zugleich wurden sie einem Hörtest unterzogen, wobei die durchschnittliche Hörschwelle für Reintöne im Bereich von 500 bis 4000 Hz (Hertz) berechnet wurde. Als Hörminderung war das Überschreiten eines Schalldruckpegels von 25 dB (Dezibel) definiert, eine Schwelle, von der ab die Kommunikation im Alltag erschwert ist.

Die Probanden wurden sechs Jahre lang nachbeobachtet. In den Jahren drei, fünf und sechs testeten die Forscher erneut die kognitive Leistung, und zwar mit dem 3MS- sowie dem „Digit Symbol Substitution“-Test (DSS), bei dem in 90 Sekunden möglichst viele Zahlen (z. B. von 1 bis 9) durch festgelegte Symbole ersetzt werden müssen. 1.162 Probanden hatten zu Beginn eine Gehörminderung aufgewiesen. Die Rate des Abfalls im 3MS-Test betrug bei ihnen 0,65 Punkte pro Jahr. Bei den normal Hörenden waren es jährlich nur 0,46 Punkte. Im DSS betrug der Verlust für die Probanden mit Hörverlust pro Jahr 0,83 Punkte gegenüber 0,63 Punkten bei Studienteilnehmern mit erhaltener Hörfähigkeit. Für einen Abfall um fünf Punkte im 3MS würden Senioren, die schlecht hören, rechnerisch 7,7 Jahre benötigen. Bei erhaltenem Gehör wären es hingegen 10,9 Jahre.

Was vermögen Hörgeräte?

Wie die Hörminderung mit dem mentalen Verfall kausal zusammenhängt, lässt sich unter den Bedingungen dieser Studie nicht erklären. Denkbar sind laut Lin und Kollegen eine Reihe von Mechanismen, die auch zusammenwirken könnten – etwa gemeinsame neuropathologische Prozesse, aufgrund des Hörverlusts abnehmende geistige Anregungen oder zunehmende soziale Isolation. Unklar bleibt auch, ob auf den Hörverlust gerichtete Interventionen dem kognitiven Abbau gegensteuern würden. Studienteilnehmer, die Hörgeräte trugen, zeigten zwar einen leicht geringeren Abfall ihrer geistigen Leistungen, signifikant war der Unterschied aber nicht.

Originalpublikation: Lin FR et al. doi:10.1001/jamainternmed.2013.1868

www.springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 7/2013

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