zur Navigation zum Inhalt
 
HNO 25. November 2012

Mit Hip-Hop zum Hörschaden

In Abhängigkeit des Kopfhörertyps kann die Schallbelastung mehr oder weniger Schäden im Ohr verursachen.

Mit Kopfhörer voll aufgedrehter Musik wird das Hörorgan stark belastet. Wird bei lauter Umgebung laut Musik gehört, können Kopfhörer den Umgebungsschall dämpfen und Hörschäden sind weniger wahrscheinlich.

Wenn Jugendliche etwa in der Straßenbahn ihren MP3-Player auf volle Leistung drehen, dann zeigen chilenische HNO-Ärzte etwas Verständnis für dieses Verhalten: Denn wenn die Umgebung laut ist, dann wird der MP3-Player so laut aufgedreht, bis es wieder ein gutes Signal-Rausch-Verhältnis gibt. Der Umgebungslärm kann in einem öffentlichen Verkehrsmittel schon mal Spitzenwerte von 90 Dezibel (dB) erreichen, berichten Dr. Hayo Breinbauer und Mitarbeiter von der HNO-Klinik der Universität in Santiago de Chile. Entsprechend weit wird am Lautstärkeregler gedreht. Allerdings: Gesund ist die Dauerbeschallung jenseits der 90 dB nicht. Das Team von Breinbauer hat in einer Studie mit diversen tragbaren MP3-Geräten und Kopfhörern untersucht, welche Lärmbelastungen mit den jeweiligen Gerätekombinationen möglich sind und welche Schalldruckpegel in bestimmten Situationen von Probanden tatsächlich bevorzugt wurden. Zunächst bestimmten sie den maximal erreichbaren Schalldruckpegel von iPod, unterschiedlichen MP3-Playern und Handys mit MP3-Funktion. Angeschlossen wurden Im-Ohr-Kopfhörer, die in den Gehörgang eingeführt werden, Ohrhörer (Earbuds), die man in die Ohrmuschel setzt, sowie klassische Muschelhörer, die das Ohr samt Muschel bedecken. Gespielt wurden Musikstile von Klassik bis Rock.

Der höchste Schalldruckpegel wurde mit einer Kombination von iPod, intra-auralem Hörer und einem Hip-Hop-Stück erreicht: 126,5 dB. Damit überschreitet man die maximal tolerierbare tägliche Lärmdosis (definiert als 85 dB über eine Zeit von acht Stunden) bereits nach 2,5 Minuten. Beim Earbud waren es knapp fünf Minuten, und mit einem Muschelkopfhörer konnte man eine Stunde lang bei voller Lautstärke gefahrlos Musik hören.

Gute Abschirmung, leisere Musik

Weiters sollten die Probanden Musikstücke aus zehn verschiedenen Stilrichtungen anhören und wurden gebeten, das Gerät so laut zu stellen, dass sie die Musik als angenehm empfanden. Bei stiller Umgebung drehten nur 17 Prozent über das als kritisch betrachtete Niveau von 85 dB auf. Vor einem Lärmhintergrund von 90 dB waren es schon 75 Prozent. In dieser Situation wählten 40 Prozent sogar eine Lautstärke von über 95 dB.

Unterschiede gab es bei den Kopfhörertypen. Mit Muschelkopfhörern, die den Umgebungslärm am besten abschirmten, wählten die Testpersonen eine deutlich geringere Lautstärke als bei Earbuds mit der schlechtesten Abschirmung. Der Unterschied lag, unabhängig vom Umgebungslärm, bei etwa 15 dB. Kleine Unterschiede gab es auch bei den Gerätetypen. Zwar ließen sich mit einem iPod die höchsten Schalldruckpegel erzielen, doch wählten die Testpersonen hier meistens eine niedrigere Lautstärke als mit anderen Geräten. Die Studienautoren begründen dies mit anderen MP3-Kompressionsalgorithmen, die für einen klareren und voluminöseren Klang sorgen und somit ein besseres Signal-Rausch-Verhältnis ermöglichen. Allerdings lag der Unterschied bei weniger als 10 dB. Einen größeren Einfluss hatte dagegen der Musikstil: Bei Hip-Hop war der Schalldruckpegel im Schnitt 17 dB höher als bei Klassik.

Fazit: Wer keinen Muschelkopfhörer tragen möchte, sollte einen Im-Ohr-Kopfhörer erwägen, weil damit die Abschirmung besser ist als mit Earbuds. Allerdings darf man mit einem Im-Ohr-Kopfhörer die Musik nie voll aufdrehen, denn dann ist die Gefahr von Hörschäden wiederum am größten.

Quelle: springermedizin.de

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben