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MRSA in der Nasennebenhöhle: physiologische Besiedelung oder Krankheitserreger?
 
HNO 11. Oktober 2012

Sinusitis: MRSA im Vormarsch?

Prospektive Studien fehlen.

Zunehmend macht der Problemkeim MRSA auch unabhängig von Klinikaufenthalten Probleme. Vor allem bei ambulant erworbenen Haut- und Weichteilinfektionen ist er zu isolieren. Wie häufig der Erreger an Nasennebenhöhlenentzündungen beteiligt ist, recherchierten US-amerikanische HNO-Mediziner.

Im Probenmaterial von Sinusitis-Patienten lassen sich häufig Staphylokokken-Spezies isolieren. Die meisten sind Bestandteil der normalen Flora, nur Staphylococcus aureus kann auch pathogen sein. Kompliziert wird die Situation, wenn sich S. aureus als Methicillin-resistent herausstellt, zum einen weil nicht eindeutig klar ist, wann es sich lediglich um eine Kolonisation und wann um eine aktive Infektion handelt, und zum anderen weil es keine Therapieempfehlungen gibt.

Welche Bedeutung den MRSA bei Sinusitiden tatsächlich zukommt, versuchten HNO-Ärzte vom Weill Cornell Medical College, New York, zu beantworten und untersuchten in einem Review unter anderem deren Prävalenz. Die Ausbeute der Recherche war nicht sonderlich groß: Zwar wurden zwischen 1942 und März 2012 immerhin 409 Studien zu diesem Thema publiziert, aber nur zwölf erfüllten die erforderlichen Kriterien.

Starke Schwankungen

Vorab: Exakte Aussagen lassen diese Studien nicht zu. Die Angaben zur Prävalenz variierten zwischen 0 und 15,9 Prozent bei akuten Sinusitiden sowie 1,8 und 20,7 Prozent bei chronischen Verlaufsformen. Als Grund vermuten McCoul und seine Mitautoren die unterschiedlichen Studiendesigns, speziell die differierenden Diagnosekriterien.

Zur Therapie gab es noch weniger Material. Gerade mal sechs Studien berichteten über Therapie und Therapieerfolg, wobei deren einzige Gemeinsamkeit darin bestand, dass die antibiotische Therapie systemisch verabreicht wurde. Erfolgreich war die Behandlung bei 58 bis 100 Prozent der Patienten.

MRSA-Sinusitis oder nur MRSA- positiv?

Wie häufig MRSA-positive Sinusitiden tatsächlich vorkommen und wie sie am besten zu behandeln sind, lasse sich nur mithilfe prospektiver Studien beantworten. Die bislang fehlende standardisierte Definition der MRSA-Sinusitis kompliziere jedoch die Situation, so McCoul. Das Center of Disease Control in den USA beispielsweise beschreibt eine invasive MRSA-Infektion als „Erkrankung, bei der an einer normalerweise sterilen Körperregion MRSA isoliert werden können.“ Diese Definition gibt aber nach Meinung der Autoren Grund zur Diskussion, ob eine MRSA-positive Sinusitis als invasive Infektion angesehen werden kann. Schließlich seien die paranasalen Sinus an und für sich nicht steril.

Quelle: McCoul ED et al.: Laryngoscope 2012, 122 (10): 2125–31

springermedizin.de, Ärzte Woche 41/2012

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