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HNO 8. Juli 2012

Ohrmuschel und Gehör rekonstruiert

Ohne Ohrmuschel und ohne Gehör kam ein mittlerweile junger Mann zur Welt. In einer in Österreich erstmals durchgeführten Operation implantierte nun Sasan Hamzavi an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni Wien im AKH Wien ein Hörgerät und rekonstruierte gleichzeitig eine Ohrmuschel. Betroffenen gibt die innovative Operationsmethode ganz neue Perspektiven.

Vor der Operation hatte der junge Patient weder Ohrmuschel noch Gehörgang. Zusätzlich litt er unter einer Fehlbildung im Gesichtsschädel und des Mittelohrs. Neben dem schwer wiegenden ästhetischen Aspekt der fehlenden Ohrmuschel konnte der Patient auch nicht hören. Sasan Hamzavi, der die neue Operationsmethode entwickelte und erstmals einsetzte: „Durch das neue Implantat wird unser Patient zum ersten Mal in seinem Leben normal hören können. Zusätzlich wurde durch die Ohrmuschelrekonstruktion auch der ästhetische Aspekt korrigiert, was dem jungen Patienten ebenfalls sehr wichtig war.“ 

Auch für Unfallopfer

Die innovative Operationsmethode besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil erfolgt die ästhetische Rekonstruktion der Ohrmuschel. Danach wird das Gehörimplantat gesetzt. Der komplizierte Kombinationseingriff führt die Rekonstruktion der Ohrmuschel und die Implantation eines elektronischen Hörgeräts erstmals zusammen. Neben dem ästhetischen und funktionellen Nutzen durch nur eine Operation profitieren Patientnen von der nur einmal nötigen Anästhesie. Die neue Operationsmethode eignet sich für alle Menschen, deren Ohrmuschel von Geburt an missgebildet ist oder die einen Unfall – z.B. durch Hundebiss, Verbrennung oder Abriss – erlitten haben.

Patient kann hören

Nach der Im Juni 2012 erfolgten Operation geht es laut Hamzavi seinem jungen Patienten sehr gut: „Er kann bereits hören und er muss seine Fehlbildung nicht mehr mit den Haaren verdecken.“ Die rekonstruierte Ohrmuschel wird den jungen Patienten sein Leben lang begleiten können. Auch das Hörimplantat wurde für eine möglichst hohe Lebensdauer entwickelt. Allenfalls kann das Gerät auch durch eine weitere Operation ausgetauscht werden.   

Poröses Polyethylen

Ausschlaggebend für die Operation waren die exakte Planung und chirurgische Übersicht und Erfahrung des behandelnden Arztes sowie die Entwicklung des neuen Hörimplantats, das seit Mai 2012 einsatzbereit ist. Beim für die Ohrmuschelrekonstruktion verwendeten Material Medpore handelt es sich um „poröses Polyethylen“. Dieses wird seit rund 20 Jahren eingesetzt und bringt gegenüber einem Transplantat mit körpereigenem Knorpelmaterial zahlreiche Vorteile: Es ist für Patienten zu 100 Prozent verträglich und wächst gut mit dem Körpergewebe zusammen. Meist kann mit einer einzigen Operation das gewünschte Ergebnis erreicht werden (im Gegensatz zu mindestens vier Operationen bei körpereigenem Knorpel). Zudem behält Medpore seine Form und schrumpft im Gegensatz zum Knorpel nicht. Somit sind auch die ästhetischen Ergebnisse eindeutig überlegen.

MedUni Wien, springermedizin.at

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