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HNO 30. Mai 2012

Warnsignal für Alzheimer und Parkinson

Störungen des Geruchssinns treten schon vier bis sechs Jahre vor den ersten klassischen Symptomen auf.

Dauerhafte Riechstörungen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Sie können unter anderem ein frühes Symptom für degenerative Erkrankungen des Nervensystems sein.

 

Meist stecken hinter Riechstörungen harmlose Ursachen, ein Infekt der Nase oder der Nasennebenhöhlen. Viele Störungen des Geruchssinns heilen spontan wieder aus. „Die Tatsache, dass sich Riechsinneszellen konstant erneuern und regenerieren, erklärt, warum häufig eine Erholung ohne ärztliches Zutun möglich ist“, erklärt Prof. Dr. Karl Hörmann, Universitäts-HNO-Klinik, Klinikum Mannheim.

Ursachen für persistierende Störungen

Gelegentlich bleiben Riechstörungen aber bestehen, auch wenn die entzündliche Erkrankung abgeklungen ist – es tritt eine postinfektiöse Riechstörung auf. „Gut bekannt sind auch Riechstörungen nach einer Schädel-Hirn-Verletzung“, so Hörmann. Sehr selten sind neben nicht weiter erklärbaren Riechstörungen auch Frühsymptome einer degenerativen Erkrankung des Nervensystems, wie zum Beispiel der Parkinsonschen oder der Alzheimer-Erkrankung. „Bei diesen Patienten tritt die Riechstörung regelhaft Jahre vor den klassischen Symptomen der Erkrankung auf.“

Sofern alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen werden können, müssten bei länger anhaltenden Riechstörungen daher auch neurodegenerative Erkrankungen in Betracht gezogen werden. „Riechdefizite sind ein wichtiges Frühsymptom für Parkinson oder Alzheimer-Demenz: Über 95 Prozent der Parkinson-Patienten leiden unter olfaktorischen Störungen“, betont Hörmann. „Wir sprechen hier von einem Leitsymptom, das zur Diagnosefindung beiträgt.“

Sniffin Sticks und Therapien

Bei länger anhaltenden Beschwerden sollten Betroffene daher dringend einen HNO-Arzt aufsuchen und sich einem Test unterziehen, rät Hörmann.„Ein Kurztest mit zwölf Düften, den so genannten Sniffin’ Sticks, nimmt nur wenige Minuten in Anspruch.“

Liegt die Ursache für das Riechdefizit in einer entzündlichen oder allergischen Erkrankung, helfen die entsprechenden medikamentösen Therapien. Sind anatomische Fehlstellungen der Grund für schlechte Atmung und Geruchsaufnahme, sind eventuell operative Maßnahmen wie die Begradigung der Nasenscheidewand oder die Verkleinerung der Nasenmuscheln nötig. In allen anderen Fällen, wie z.B. bei postinfektiösen Riechstörungen, sind die therapeutischen Maßnahmen derzeit stark limitiert. Hörmann: „Hier steht die Aufklärung über die Folgen der Erkrankung und mögliche Hilfestellungen (Rauchmelder in der Wohnung, spezifische Empfehlungen für bestimmte Berufsgruppen) im Vordergrund.“ Empfohlen werden häufig ein Riechtraining und gelegentlich Akupunktur, auch wenn „eine abschließende Beurteilung der Wirksamkeit dieser Verfahren noch aussteht“, so Hörmann.

 

Quelle: Presseaussendung zur 83. Jahresversammlung der DGHNO KHC, 16.-20. Mai 2012, Mainz

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