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Illustration: © Piero Lercher aus dem Buch: Thurnher, Grasl, Erovic, Lercher. HNO-Heilkunde. Springer-Verlag 2011
Foto: © Thurnher, Grasl, Erovic, Lercher. HNO-Heilkunde. Springer-Verlag 2011

Abb. 1: Offene Nasenbeinfraktur durch Fahrradunfall vor der Reposition und Wundversorgung. Der Patient ist intubiert.

Foto: Privat

Abb. 2: Posttraumatische Schiefnase

Foto: Privat

Prof. Dr. Matthäus Ch. Grasl HNO-Universitätsklinik, Medizinische Universität Wien

HNO-Heilkunde: Ein symptomorientiertes Lehrbuch Dietmar Thurnher, Matthäus Ch. Grasl, Boban M. Erovic, Piero Lercher 399 Seiten, € 49,95 Springer Verlag, Wien 2010 ISBN 9783211889848

 
HNO 22. September 2011

Die Nasenbeinfraktur – Spätfolgen verhindern

Eine adäquate Versorgung verhindert funktionelle Spätfolgen.

Die Nase steht aus dem Gesichtsprofil deutlich hervor und ist daher für Frakturen prädestiniert. Raufereien und Sportunfälle sind die häufigsten Ursachen für solche Verletzungen. Ein Helm alleine bietet oftmals nicht ausreichend Schutz.

 

Die Nasenbeine sind Teil des Gesichtsschädels, der als Knautschzone zum Schutz des nachgeordneten Gehirnschädels dient. Die Nasenpyramide, gebildet aus den beiden Ossa nasalia, hat cranial eine Verbindung zum Os frontale und Os ethmoidale und caudal zum Processus frontalis des Os maxillaris. Caudal davon schließt sich das knorpelige Nasengerüst an, das aus den beiden seitlichen Dreiecksknorpeln gebildet wird. Sie verstärken die Nasenseitenwand. Die distalen Nasenflügelknorpel formen den Naseneingang und dienen dem medianen Nasenseptum als Stütze für den mittleren Teil (siehe auch Cartoon oben). Eine Fraktur der Nasenpyramide erfolgt durch direkte Gewalteinwirkung. Neben Raufhändel sind Sportunfälle die häufigsten Ursachen (Tabelle 1).

Symptome

Das Hauptsymptom einer Nasenbeinfraktur ist die Formveränderung, wobei neben einer Schwellung als allgemeinem Zeichen ein Schiefstand oder/und Einsinken des Nasenrückens vorliegt. Weitere Symptome und Veränderungen können sein: lokale Schwellung, abnorme Beweglichkeit der gesamten Nase, Schmerzen, Weichteilverletzungen (offene Fraktur), Nasenbluten, Nasenatmungsbehinderung, Riechverminderung und ein Brillen- bzw. Monokelhämatom.

Diagnose

Die Diagnose stützt sich vor allem auf die Anamnese, wobei für eine Verletzungsanzeige detailliert befragt und dokumentiert werden soll.

Die Inspektion von außen beurteilt die Formveränderungen (Schief-, Sattelnase) beziehungsweise gegebenenfalls eine offene Wunde und ein Hautemphysem.

Die Palpation und Krepitation ist sehr schmerzhaft und daher zu unterlassen.

Eine vordere Rhinoskopie dient dem Ausschluss eines Septumhämatoms und der Abklärung von Knorpelfrakturen und von Nasenbluten. Die Inspektion des Rachens soll eine nach dorsal abrinnende Blutung feststellen.

Röntgen: Schädel seitlich mit besonderer Berücksichtigung der Nasenbeine (Fraktur mit und ohne Dislokation – sonst Prellung).

Therapie

Als allgemeine Maßnahmen werden Analgetika, kalte Umschläge und α-sympathomimetische Tropfen oder Sprays zur Abschwellung der Nasenschleimhaut empfohlen. Geschlossene, nicht dislozierte Frakturen bedürfen keiner besonderen Therapie. Eine unkomplizierte Nasenbeinfraktur ohne Fehlstellung heilt in etwa 14 Tagen.

Bei Dislokation der Frakturelemente soll die Reposition (im Allgemeinen in Intubationsnarkose) mit einem Elevatorium innerhalb von sieben Tagen erfolgen, denn bis dahin hat die Kallusbildung die Fraktur noch nicht gefestigt. Eine Nasentamponade verhindert ein Absinken der frakturierten Knochenteile. Außen wird ein Nasenstützverband aus Gips oder Kunststoff für etwa sieben bis zehn Tage angelegt.

Eine Nasenbeinprellung ist ohne Röntgen kaum von einer Nasenbeinfraktur ohne Dislokation des Bruchstückes zu unterscheiden. Daher sollte bei Verdacht immer der HNO-Arzt aufgesucht werden. Nur er kann ein gefährliches Nasenseptumhämatom ausschließen beziehungsweise adäquat behandeln.

Einen Schiefstand der Nase ohne vorherige genaue HNO-ärztliche Untersuchung einfach durch Fingerdruck zu begradigen ist aus genannten Gründen fahrlässig.

Nicht korrigierte Formveränderungen nach Nasentrauma (Abbildung 2) führen zu einer erheblichen Dauerbeeinträchtigung der Nasenatmung, des Riechens, des Schmeckens und des Schlafens.

Wie lassen sich Nasenbeinfrakturen bei Sportausübung verhindern? Ein Helm alleine bietet oftmals nicht ausreichend Schutz; nur eine Gesichtsmaske schützt auch die Nase.

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist erschienen im Magazin Sport- und Präventivmedizin 1/2011.

© Springer-Verlag, Wien

Tabelle
Sportarten als Ursache für eine Nasenbeinfraktur (Beispiele)
Kampfsport      
unbewaffnet • Boxen
• Kickboxen
• Thai Boxen
• Karate
• Taekwondo
• Ringen
• Sumo-Ringen
• Turnen
bewaffnet • Fechten • Aikido • Schwertkunst
Mannschaftssport • Fußball
• Handball
• Rugby
• Basketball
• Eishockey
• Volleyball (Faustball)
• Hockey
Fahrradfahren • Mountainbike    
Skifahren      
Rodeln      
Reiten      
Kasten 1
Beachte
Jeder Patient mit manifester Nasenbeinfraktur oder auch nur bei Verdacht darauf oder auch nur bei einer Nasenbeinprellung muss vom HNO-Arzt angesehen werden, da der ein Nasenseptumhämatom ausschließen beziehungsweise fachgerecht behandeln muss. Diese Blutung zwischen Septumknorpel und Perichondrium verhindert die Diffussion der Nährstoffe; die Folge ist, dass der gefäßlose Knorpel atrophiert. Zudem kann ein Septumabszess entstehen. Wegen einer möglichen endokraniellen Fortleitung stellt dies eine den Patienten bedrohende Situation dar. Selbst nach adäquater hochdosierter Antibiotika-Therapie und Abszessdrainage wird eine bleibende Formveränderung (Sattelnase) als Folge bleiben. Klinisch erhärtet sich der Verdacht, wenn nach dem Nasentrauma eine hochgradige Behinderung der Nasenatmung angegeben wird.
Kasten 2
Beachte
Es ist bereits bei Verdacht auf eine Nasenbeinfraktur ein Schnäuzverbot zu erteilen. Denn durch das Schnäuzen wird ein hoher intranasaler Luftdruck aufgebaut, der sich über eine durchaus mögliche, gleichzeitig bestehende Fraktur der Lamina papyracea in die Orbita fortsetzen kann und dort dann ein Orbitaemphysem verursacht. Dieses kann leicht durch Palpation – es entsteht ein Knistern – diagnostiziert werden und birgt die Gefahr einer Infizierung und damit einer Orbitalphlegmone.

Von M. Ch. Grasl , Ärzte Woche 38 /2011

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