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Foto: Hemera Technologies / photos.com
 
HNO 13. April 2011

Musik aus dem Chaos filtern

Eine CD hilft Trägern von Cochlea-Implantaten bei der Schulung ihrer Musikwahrnehmung.

Musik als solche wahrzunehmen, ist für Träger einer Innenohrprothese Cochlea-Implantat (CI) nicht selbstverständlich: Häufig entsteht erst nach langjähriger Gewöhnung an die Hörhilfe aus dem Durcheinander an Geräuschen wieder ein Musikeindruck. Um diese Zeit zu verkürzen, hat die Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik Heidelberg nun erstmals ein spezielles Übungsprogramm auf CD herausgegeben. Mit der „Heidelberger CI-Musik-Trainings-CD“ können Träger von Cochlea-Implantaten ihre Musikwahrnehmung gezielt schulen.

 

„Auch wenn der Weg zum Musikhören langes Üben und viel Geduld von Cochlea-Implantat-Trägern fordert, ist es fraglos ein lohnenswertes Ziel“, so Prof. Dr. Peter K. Plinkert, Ärztlicher Direktor der Heidelberger HNO-Klinik. „Es ist uns daher umso wichtiger, Betroffenen dabei zu helfen, dieses Ziel zu erreichen.“

Schon die dritte Übungs-CD

Das neue Übungsmedium ist bereits die dritte Trainings-CD der Heidelberger Klinik: Mit den ersten beiden Ausgaben können hörgeschädigte Menschen mit CI ihr Sprachverständnis verbessern. Denn anders als bei Hörgeräten muss das Hören mit dem Implantat, das Töne in elektrische Signale umwandelt und an das Innenohr weitergibt, erst wieder erlernt werden.

Den Anstoß zu den Selbstübungsprogrammen gaben viele ungelöste Fragen der Patienten: Wie kann ich zu Hause mit meinem neuen Cochlea-Implantat am besten üben? Welche Hörbücher sind für das Verstehen mit dem CI besonders gut geeignet? Können Sie mir spezielle Hör-CDs zum Trainieren mit meinem CI empfehlen?

Aus diesen Wünschen heraus entstand die Projektidee, ein umfangreiches Übungsmedium zum eigenständigen Trainieren für CI-Träger zu konzipieren. Für das Rehabilitationsprogramm am HNO-Universitätsklinikum Heidelberg ist vorerst eine Trainings-CD (Lauflänge 64 Minuten) mit Sprechern umgesetzt worden, die mit drei abgestuften Sprechgeschwindigkeiten – langsam, mittel, schnell – speziell für die Bedürfnisse von CI-Trägern ausgelegt sind.

Teil 2 des Übungsprogramms ist eine Set von vier Tonträgern mit Märchen und Kurzgeschichten. Wobei Märchen auch gerne von Erwachsenen gehört werden. Bei der Aufbereitung des Lehrmaterials wurde auch auf fortgeschrittene CI-Träger Bedacht genommen.

„Sah ein Knab‘ ein Röslein stehn“

Das Gerüst des nun neu erschienenen Musik-Übungsprogramms bilden die beiden Volkslieder „Der Mond ist aufgegangen“ und „Sah ein Knab‘ ein Röslein stehn“. Beide Stücke werden Schritt für Schritt musikalisch erschlossen: Den Einstieg erleichtern ein langsam gesprochener Text, Sologesänge in den Tonlagen Bass und Sopran sowie Instrumentalversionen mit Cello, Querflöte, Klavier oder Geige. Daraus ergeben sich im weiteren Verlauf verschiedene Kombinationen, bis beide Lieder schließlich zweistimmig und begleitet von mehreren Instrumenten vorgetragen werden. „Auf diese Weise können sich CI-Träger langsam wieder an das Musikhören herantasten oder je nach eigenem Können in das Programm einsteigen“, erklärt Sascha Roder, Leiter der CI-Rehabilitation an der HNO-Klinik Heidelberg, der die Trainings-CDs konzipierte.

 

Die CD ist für therapeutische Einrichtungen, Fachkliniken und Selbsthilfegruppen kostenlos erhältlich. Sie kann angefordert werden unter .

 

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg.

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