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Jedes Kind merkt es – mit beiden Ohren hört man besser und gerichtet, als mit nur einem Ohr. Foto: photos.com
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Dr. Thorsten Ropposch Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinik MedUni Graz

 
HNO 6. Oktober 2010

Hightech für besseres Sprachverständnis

Fünf Jahre Cochlearimplantation an der Grazer HNO-Universitätsklinik.

Seit 2005 werden an der Grazer HNO-Klinik Cochlearimplantate (CI) eingesetzt. Im Rahmen des 54. Österreichischen HNO-Kongresses wurden nun die ersten Ergebnisse präsentiert. Ziel der Versorgung mit einem Cochlearimplantat ist, ertaubten Patienten wieder ein Sprachverständnis und prälingual ertaubten Kindern eine normale Sprachentwicklung zu ermöglichen.

Früher galt bei Erwachsenen die totale Ertaubung als alleinige Indikation für die Implantation eines Cochlearimplantats. Das hat sich mittlerweile geändert. Heute ist man dazu übergegangen, auch Patienten mit einseitiger Ertaubung mit einem Implantat zu versorgen, ebenso wie Patienten mit Resthörvermögen und schlechtem Sprachverständnis trotz optimaler Hörgeräteversorgung, weil hier die Versorgung mit einem Cochlearimplantat der Hörgeräteversorgung überlegen ist. Auch eine kombinierte Versorgung (bimodale Versorgung, das bedeutet die Versorgung von einer Seite mit einem Hörgerät, von der anderen Seite mit einem Cochlearimplantat) kann von Vorteil sein.

Indikation bei den Kleinen

Bei Kindern stellen angeborene Hörstörungen mit fehlend einsetzender Sprachentwicklung sowie das Fehlen des Einsetzens der Sprachentwicklung beziehungsweise keine erkennbare Verbesserung der Sprachentwicklung während eines Versuchs mit einem Hörgerät die Indikationen zur CI-Implantation dar.

Zufriedene Patienten

Im Zeitraum von 2005 bis zur ersten Jahreshälfte 2010 wurden 24 CI´s implantiert. Insgesamt wurden vier Kinder mit CI´s versorgt, das jüngste war sechs Monate alt. Drei Patienten wurden beidseits implantiert. Nur bei einer Patientin mit Diabetes mellitus Typ 1 kam es trotz antibiotischer Abschirmung zu einer Infektion des Implantatbettes. Sonst gab es keine perioperativen Komplikationen.

Im Rahmen dieser Studie wurden die subjektive Patientenzufriedenheit sowie die objektive Hörleistung und das Sprachverständnis überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass 69 Prozent der Patienten mit dem Implantat „sehr zufrieden“ bzw. „zufrieden“ sind und im Alltag sehr vom Implantat profitieren. Nur in 15 Prozent deckten sich die Erwartungen der Patienten nicht mit dem postoperativen Ergebnis.

Unerwünschte Wirkung

Bei einem Patienten musste nach sechs Monaten das Implantat aufgrund eines unerträglichen Tinnitus sowie heftiger Kopfschmerzen explantiert werden. Bei diesem Patienten stellte sich postoperativ heraus, dass er eine schwere behandlungspflichtige psychische Anpassungsstörung entwickelt hatte, die ihm empfohlene medikamentöse Behandlung jedoch ablehnte. Auf Wunsch des Patienten musste nach neun Monaten das CI explantiert werden. Auch nach Explantation kam es zu keiner Besserung der Beschwerden.

Audiologisch konnte gezeigt werden, dass nahezu alle Patienten in der Reintonaudiometrie eine Hörkurve zwischen 30 und 40 Dezibel erreichen, was einem nur leicht eingeschränkten Hörvermögen entspricht. Auch die Verständlichkeit von Zahlen und einsilbigen Wörtern, die mittels Freiburger Sprachtest überprüft wurde, konnte deutlich verbessert werden. So war ein Fortschritt beim Verstehen von Zahlen um durchschnittlich 40 Prozent und für einsilbige Wörter um 30 Prozent zu verzeichnen. Einzelne Patienten erreichten eine Sprachverständlichkeit von nahezu 100 Prozent für Zahlen und Wörter. Dies stellt ein exzellentes Ergebnis dar.

Zusammenfassend zeigen diese Ergebnisse, dass die Cochlearimplantation eine sichere und komplikationsarme Operation ist, die bei richtiger Indikationsstellung dem Patienten einen hohen Gewinn an Lebensqualität ermöglicht.

Von Dr. Thorsten Ropposch, Ärzte Woche 40 /2010

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