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Wer das Handy zu oft und zu lang am Ohr hat, könnte vom intensiven Telefonieren einen Tinnitus davontragen.
Foto: Dujmic

Doz. DI Dr. Hans-Peter Hutter Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien

 
HNO 6. Oktober 2010

Tinnitus durchs Handy?

Eine Studie österreichischer Wissenschaftler ging dem Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und quälenden Ohrgeräuschen nach. Die Tinnitus-Häufigkeit hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Mobiltelefone könnten dafür mitverantwortlich sein.

Neun von zehn Menschen nehmen Ohrgeräusche wahr, wenn sie sich in einem stillen Raum darauf konzentrieren. Etwa zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung leiden zumindest gelegentlich explizit unter einem Tinnitus. Bei etwa zwei Prozent ist die Lebensqualität durch die Störgeräusche im Ohr erheblich eingeschränkt.

Das Phänomen ist nicht neu: Bereits Martin Luther beklagte die Qual, die durch „das Klingeln und Sausen der Ohren verursacht“ wird. Schon etwa 1.500 v. Christus beschäftigen sich Schriften aus Babylonien mit dem „Singen im Ohr“. Auch Hippokrates berichtete über offensichtlich an Tinnitus Erkrankte. In den vergangenen Jahren ist die Tinnitus-Erkrankung deutlich häufiger geworden.

Die Suche nach den Ursachen

Manche Patienten machen für ihren Tinnitus Handys oder Mobilfunk-Basisstationen verantwortlich. Ob hier tatsächlich ein Zusammenhang existiert, wurde bisher praktisch nicht untersucht. Kürzlich veröffentlichten nun Wissenschaftler des Instituts für Umwelthygiene und der HNO-Abteilung der Medizinischen Universität Wien eine Studie zu diesem Thema im britischen Topjournal Occupational and Environmental Medicine.

Unterscheidet sich die Handynutzung?

In einer Fall-Kontroll-Studie wurden 100 Patienten mit Tinnitus, für den bei sorgfältiger Untersuchung keine Ursachen ermittelt werden konnten, und (als Kontrollen) 100 Patienten der HNO-Ambulanz des Wiener AKH ohne Tinnitus eingeschlossen. Den Studienteilnehmern wurde ein der großen Interphone-Studie der WHO angeglichener Fragebogen zur Handynutzung vorgelegt. Störfaktoren wie Schulbildung und Wohnort der Studienteilnehmer (Stadt/Land) wurden bei der statistischen Analyse berücksichtigt.

Studienleiter Doz. DI Dr. Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien: „Unsere Untersuchung ergab, dass eine intensivere Mobiltelefonnutzung das Risiko für einen Tinnitus erhöhte. Diese Ergebnisse waren jedoch statistisch nicht signifikant. Weiters zeigte sich ein signifikanter Anstieg des Tinnitusrisikos mit zunehmender Dauer der Mobiltelefonnutzung. Eine Nutzung von vier Jahren oder länger (vor Einsetzen des Tinnitus) verdoppelte das Risiko.“

Die Studie sei zwar relativ klein, so Hutter, aber auf Grund ihrer sorgfältigen methodischen Durchführung durchaus aussagekräftig. Als eine mögliche Erklärung für die Ergebnisse sehen die Forscher die von Mobiltelefonen ausgehende hochfrequente elektromagnetische Strahlung, die von der Schnecke sowie dem Gehörgang absorbiert wird und dort das Gleichgewicht des Kalziumhaushalts im Nervengewebe negativ beeinflussen könnte.

Quelle:

Hutter H-P, Moshammer H, Wallner P et al. (2010): Tinnitus and mobile phone use. Occupational and Environmental Medicine. doi: 10.1136/oem.2009.048116

 

http://oem.bmj.com/content/early/2010/06/30/oem.2009.048116.abstract

Von Dr. Peter Wallner , Ärzte Woche 40 /2010

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