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Foto: Privat
Prim. Prof. Dr. Gerd Rasp Universitätsklinik für HNO- Krankheiten, LKH Salzburg
 
HNO 1. September 2010

Interview: Von Beidohrigkeit bis zu HPV-Tumoren

Die HNO-Spezialisten haben auf dem HNO-Kongress in Salzburg dieses Jahr„runde Tische“. Im Ärzte-Woche-Interview erzählt der Vorstand der Österreichischen HNO-Fachgesellschaft, Prim. Prof. Dr. Gerd Rasp, welche Themenbereiche besonders interessante Diskurse darstellen.

 

Herr Prof. Rasp, welche Schwerpunkte gibt es beim HNO-Kongress?

Rasp: Das Mozarteum als Veranstaltungsort ist schön, weil der Komponist seine Anhänger über die Ohren erfreute – die HNO fühlt sich da zu Hause. Die Stimme gehört bei uns auch dazu. Insofern ist das gerade recht. Das Programm bietet neben den wissenschaftlichen Vorträgen insgesamt 14 Round-table-Gespräche. Praktiker wie Wissenschaftler werden angesprochen. Zu unseren prominentesten ausländischen Gästen zählt Prof. Dr. Elisabeth Hultcrantz aus Linköping, Schweden. Sie wird zum Thema Tonsillektomie/Tonsillotomie sprechen. Wir werden zudem eine nationale Mandel-Studie vorstellen. Wir haben auch einige Gäste aus Deutschland, unter anderem den Präsidenten der Deutschen HNO-Gesellschaft, Prof. Dr. Gerhard Rettinger von der Universitäts-HNO-Klinik in Ulm.

 

Kommen wir gleich zur Präsentation der nationalen Mandelstudie …

RASP: Wir haben die prospektive Tonsillenstudie 2009/2010 durchgeführt, die Probleme bei Mandeloperationen bei Kindern und Erwachsenen beleuchtet. Am 17. September werden die Ergebnisse vorgestellt.

Was wurde untersucht? Ich kann mich erinnern, es gab vor einigen Jahren ein Problem mit einer erhöhten Sterblichkeit bei Kindern nach Mandeloperationen.

RASP: 2005 hat es in Österreich fünf Todesfälle gegeben – eine abnorme Häufung. Daraufhin sind mehrere Dinge passiert: Erstens wurde gemeinsam mit den Kinderärzten ein Konsens erarbeitet, wann und wie welcher Eingriff gemacht werden soll. Das ist zeitnah passiert, das Konsensuspapier findet sich auf der Website der Gesellschaft. Es wurde gemeinsam von der Österreichischen Gesellschaft für Pädiatrie und den österreichischen HNO-Ärzten erstellt. Es ist eine gute Sache, dass zwei Fachgesellschaften mit völlig verschiedenen Ansätzen zu einem gemeinsamen Konsens kommen: die Kinderärzte sind konservativ, die HNO-Ärzte operativ. Auf Betreiben von Prof. Dr. Heinz Stammberger in Graz wurde dann die Studie initiiert, bei der über knapp ein Jahr von fast allen großen Kliniken die Daten der Tonsillektomien und Adenotomien erfasst und bezüglich Komplikationen und Nachblutungen überprüft wurden. Die Ergebnisse werden nun erstmals im größeren Kreis vorgestellt.

 

Es wird zum HNO-Kongress ein Kongressjournal der Wiener Medizinischen Wochenschrift erscheinen. Die Schlafmedizin ist ein großes Thema.

RASP: Am Skriptum fällt auf, dass sich viele zur Schlafmedizin geäußert haben, die Schlafmedizin ist sicher auch ein Highlight des diesjährigen Kongresses. Der Schlaf ist für den Menschen etwas Wesentliches, die Rate der Störungen des Schlafs ist relativ hoch und viele Leute leiden darunter. Die HNO ist ein innovatives Fach und von Anfang an dabei, den Schlaf zu erforschen.

 

Welche neuen Entwicklungen bei den Cochlea-Implantaten werden Thema beim HNO-Kongress sein?

RASP: Ein wesentliches Thema ist der Hörerhalt bei Restgehör. Erste Ergebnisse gibt es zum Einsatz von Cochlea Implantaten (CI) bei einseitiger Taubheit.

 

Da hat man es nicht für nötig gefunden, ein Implantat zu setzen?

RASP: Ja, etwa so: „Hört am anderen Ohr, passt schon.“ Aber Richtungshören ist nur mit zwei Ohren möglich, auch das Verstehen im Störgeräusch ist eine wesentliche Funktion der Beidohrigkeit. Da gibt es einige Studien und Prof. Dr. Antje Aschendorff aus Freiburg wird über eine der größten bestehenden Studien zur Indikation der einseitigen Taubheit für Cochlea Implantat berichten. Auch aus St. Pölten wird es einen wissenschaftlichen Vortrag zum Thema geben. Eine Arbeitsgruppe hat CI bei Patienten implantiert, die eine einseitige Taubheit haben und einen quälenden Ohrton. Das ist für die Leute besonders bitter: Sie hören nichts mehr und haben das startende Flugzeug im Ohr. Man kann mit dem CI die Ohrgeräusche zum Teil dämpfen.

 

Ein Thema ist auch die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren.

Rasp: Der wesentliche Aspekt bei unseren Malignomen ist, es gibt am Horizont die Möglichkeit, ihn zu verhindern. Durch Impfung gegen das humane Papilloma-Virus, HPV. Es ist interessant, wenn man sich die Tumordaten in Österreich ansieht. Die HPV-Impfung ist zugelassen für das Zervix-Karzinom, da gibt es ungefähr 400 Malignome. Im Kopfbereich gibt es ungefähr 800, die Rate der Positiven liegt je nach Tumorart zwischen 20 und 80 Prozent.

 

Kopf-Hals-Tumoren sind also häufig vom Papillomavirus verursacht?

Rasp: Die Tonsillenkarzinome fast alle. Da gibt es Möglichkeit, sie zu verhindern. Die Behandlung interdisziplinär, stadiengerecht, dem Patienten angemessen, und Kombination von Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie.

 

Mit der HPV-Impfung könnte ein Teil dieser Tumoren verhindert werden?

RASP: Das ist etwas, worüber man ernsthaft nachdenken muss: Ob man die 400 Zervixkarzinome isoliert sieht oder nicht und ob man auch über die 800 Kopf-Hals-Tumoren nachdenkt.

 

Welche Ziele verfolgen Sie mit der HNO-Gesellschaft?

Rasp: Der Vorstand der HNO-Gesellschaft besteht aus 18 Mitgliedern, ich mache das nicht alleine. Wir haben uns neue Statuten gegeben: Erstmals werden heuer Vertreter der Assistenten und der Oberärzte in den Vorstand gewählt. Das ist eine positive Entwicklung, wir gehen damit auf die Belange des Nachwuchses ein.

 

Das Gespräch führte Inge Smolek.

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