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HNO 31. März 2010

Wenn die Wange schwillt

Schuld können Speichelsteine sein.

„Im Durchschnitt hat etwa jeder 200. Mensch irgendwann in seinem Leben Speichelsteine“, sagt Claudius Fauser, Hals-Nasen-Ohren-Arzt am Klinikum rechts der Isar in München. „Damit sind Speichelsteine ein relativ häufiges Krankheitsbild.“

Treffen kann es prinzipiell jeden. Der Speichel wird von zahlreichen Drüsen im Mund produziert, bis zu zwei Liter können so pro Tag zusammenkommen. Bei der Entstehung von Speichelsteinen sind laut Fauser vor allem die beiden Ohrspeicheldrüsen, die beiden Unterkiefer- sowie die beiden unter der Zunge liegenden Drüsen beteiligt. Die Unterkieferspeicheldrüse ist dabei am häufigsten betroffen. „Rund 60 Prozent der Speichelsteine sitzen im Übergang von einer Drüse zum Ausführungsgang“, sagt er. Etwa 30 Prozent der Steine kommen in einem der Gänge vor, und nur rund zehn Prozent sitzen direkt in einer Drüse.

„Warum sich Speichelsteine bilden, ist noch nicht völlig geklärt“, erläutert der Experte. Möglicherweise liegt es unter anderem daran, dass der Speichel etwas schleimiger als normal ist. Dann kann der Speichel in den Drüsen oder den Ausführungsgängen zum Mund gewissermaßen hängenbleiben, und Salze oder andere Bestandteile lagern sich dort ab, sodass sich ein Stein bildet.

Wenn sich der Speichel staut

Oft wächst der Stein über Monate oder Jahre hinweg zwiebelschalenartig um etwa zwei Millimeter pro Jahr. Das schmerzt nicht immer. „Problematisch wird es aber spätestens dann, wenn sich der Gang oder die Drüse entzündet“, sagt Fauser. Denn wenn zu wenig Speichel fließt, können Keime vom Mund aus dorthin wandern und Entzündungen hervorrufen.

„Viele Patienten bemerken den Speichelstein kurz vor den Mahlzeiten“, erläutert Anvari. Die Erklärung ist einfach: „Wenn sie Essen sehen oder manchmal auch nur daran denken, wird der Speichelfluss angeregt.“ Wenn ein Stein den Speichel am Weiterfließen behindert, staut sich dieser – und in der Regel schwillt die Wange an. Das kann sehr schmerzhaft sein.

Möglichkeiten der Therapie

„Manchmal hilft es schon, mehr zu trinken oder speichelfördernde Lebensmittel wie saure Drops zu essen“, sagt Dieter Hellner, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie am Städtischen Klinikum Braunschweig. Dadurch wird der Speichelfluss verstärkt. „Ist der Stein noch klein genug, wird er auf diese Weise einfach herausgespült.“ Reicht das nicht aus, kann der Stein auch mit Stoßwellen zerkleinert werden. Das tut zwar meist nicht weh, doch sind mehrere Behandlungen notwendig, bis der gewünschte Erfolg eintritt.

 

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