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HNO 2. Februar 2010

Neues Behandlungskonzept bei HNO-Karzinomen

Interdisziplinäre Studie zeigt erfolgversprechende kombinierte Therapie.

In den vergangenen Jahren hat die medikamentöse Therapie bei HNO-Tumoren zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose geführt. Wesentliche rezente Erkenntnisse umfassen die Optimierung der Induktionschemotherapie, welche zunehmend bei inoperablen Tumoren als Standard angesehen wird, sowie die Zulassung des monoklonalen Antikörpers Cetuximab in der Behandlung von Rezidiv- und inoperablen Tumoren.

 

Unter der Leitung von Prof. Dr. Felix Keil, Leiter des Departments für Hämato-Onkologie am Landeskrankenhaus Leoben, befasst sich eine multizentrische Studie, an der die Universitätsklinik Graz und das LKH Leoben beteiligt sind, mit einer neuen Therapie, die aus einer Kombination von Chemotherapie, Strahlentherapie und der Gabe des monoklonalen Antikörpers Cetuximab besteht. An der Studie sind Experten aus den Bereichen Radiologie, internistische Onkologie, HNO und Molekularbiologie beteiligt.

Im Rahmen der Untersuchung erhielten insgesamt 50 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom erst drei Zyklen einer Induktionschemotherapie und anschließend eine Radioimmuntherapie mit Cetuximab. 40 von 50 Patienten erreichten daraufhin eine komplette oder teilweise Heilung.

Während die Heilungschancen bei HNO-Tumoren im Frühstadium durch eine operative Therapie seit jeher hoch waren, gibt es heute auch bei lokal fortgeschrittenen Tumoren bessere Prognosen ohne – teilweise funktionszerstörende – chirurgische Eingriffe. Die neuen Therapiemöglichkeiten bestehen aus einer Strahlentherapie mit Chemotherapie bzw. gleichzeitiger Gabe von Cetuximab. Moderne Strahlentherapieplanungstechniken, bestehend aus einer Kombination von Computertomografie und Positronen-Emissions-Tomografie, ermöglichen eine noch exaktere Darstellung des Bestrahlungsvolumens. Eine solche wurde im Rahmen dieser Studie am Universitätsklinikum Graz eingesetzt.

Die medikamentöse Therapie von Kopf- und Halstumoren hat in den vergangenen 15 Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. „Früher kam die Chemotherapie lediglich bei inoperablen Rezidivtumoren oder bei Vorliegen von Organmetastasen zum Einsatz“, erklärt der Onkologe Prof. Dr. Hellmut Samonigg von der MedUni Graz. Im Gegensatz dazu ist die Chemotherapie heutzutage nicht mehr nur in der palliativen Situation, sondern auch im Rahmen multimodaler Therapiekonzepte etabliert.

 

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