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HNO 17. November 2009

Weniger Antibiotika nach Tonsillektomie

Studie: Drei Tage reichen, jedenfalls was die Schmerzen anbelangt.

US-amerikanische Forscher empfehlen, Antibiotika nach einer Tonsillektomie oder Tonsillotomie bereits nach drei Tagen abzusetzen. In ihrer Studie zeigte sich, dass Kinder durch die Kurzzeittherapie nicht mehr Schmerzen als nach einer Sieben-Tage-Therapie haben und ebenso schnell wieder normal essen können.

 

Nach einer Mandelentfernung besiedelt die normale orale Bakterienflora die freiliegende Mandelhöhle. Dabei werden Entzündungsmediatoren freigesetzt, was Schmerzen verursacht. Die Gabe eines Antibiotikums nach einer Tonsillektomie kann den Bakteriengehalt quantitativ drosseln und dadurch die Schmerzen reduzieren. Doch wie lange sollten Kinder postoperativ das Medikament schlucken? Angesichts von Resistenzentwicklung und Nebenwirkungen haben US-Forscher nun eine Kurzzeitbehandlung von drei Tagen ausprobiert.

Die Wissenschaftler untersuchten 49 Kinder, die zu einer Tonsillektomie eingetragen waren – mit oder ohne Adenoidektomie. Insgesamt 26 davon erhielten postoperativ sieben Tage lang ein Antibiotikum, 23 bekamen nur drei Tage lang ein Antibiotikum und danach vier Tage Placebo. Die Eltern sollten aufzeichnen, wieviel Medikation die Schmerzen des Kindes in der Woche nach dem Eingriff erforderten, wann das Kind wieder normale Kost schlucken konnte und wann es wieder seinen normalen Aktivitätsgrad erlangte. Auch die Behandlung von Blutungen oder Dehydratation sollten die Eltern festhalten.

Insgesamt konnten die Daten von 47 Patienten ausgewertet werden. Die Forscher sahen keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen, wenn es um postoperative Schmerzen oder die Zeitspanne ging, nach der das Kind wieder normal aß oder aktiv war. In jeder Studiengruppe wurde ein Fall von Antibiotika-induzierter Diarrhö beschrieben. Aufgrund dieser Ergebnisse halten die Forscher eine dreitägige Antibiotika-Behandlung für ebenso wirksam wie eine siebentägige Therapie. Durch die Verkürzung der Behandlung sollen die Nebenwirkungen der Medikamente gemindert, bakterielle Resistenzen vermieden und Kosten eingespart werden. Als möglichen Nachteil können sich die Wissenschaftler ein erhöhtes postoperatives Fieber und Infektionen vorstellen, dies war aber nicht Gegenstand der Untersuchung.

 

 

Quelle: Johnson P. E. et al.: Archives of Otolaryngology – Head and Neck Surgery 2009; 135: 984–7 .

medizin-online.de/PH, Ärzte Woche 47 /2009

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