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Abb. 1: Eortc QLQ-C30: Allgemeiner Gesundheitszustand und Lebensqualität

Abb. 2: Eortc QLQ-C30: Mittlere Scores der Skala „Allgemeiner Gesundheitszustand/Lebensqualität“ und der „Funktionsskalen“ im Vergleich

Abb. 3: Eortc QLQ-C30: Mittlere Scores der Symptomskalen im Vergleich

Abb. 4: Eortc QLQ-H&N35: mittlerer Wert der Symptomskalen im Vergleich

Abb. 5: Vergleich der Funktionsskalen des eigenen Patientenkollektivs (My Data) mit denen der deutschen Normalbevölkerung (Ref A) und der norwegischen Allgemeinbevölkerung (Ref B)

Abb. 6: Vergleich der Symptomskalen des eigenen Patientenkollektivs (My Data) mit denen der deutschen (Ref A) und der norwegischen Allgemeinbevölkerung (Ref B)

 
HNO 2. September 2009

Evaluierung der Lebensqualität von HNO-Tumorpatienten im Krankheitsverlauf

Bei einer langdauernden Erkrankung wie dem HNO-Tumor ist eine Erfassung der Einschränkung der Lebensqualität des Patienten notwendig

Die Tatsache mit der Diagnose „Krebs“ und der darauffolgenden tumorspezifischen Therapie konfrontiert zu werden, nimmt einen sehr großen Einfluss auf das psychische, physische, soziale, familiäre und berufliche Wohlergehen jedes Patienten. Eine Tumorerkrankung ist ein sehr persönliches und komplexes Geschehen. Unser oberstes Therapieziel ist die Erhaltung der Lebensqualität aller unserer Tumorpatienten, vor allem aber derer mit einer fortgeschrittenen Erkrankung.

 

Lebensqualität wird oft assoziiert mit Wohlbefinden, Glück, Freiheit, Zufriedenheit und Wohlstand. Zunehmend spielt dieser Begriff auch in der Medizin, vor allem in der Onkologie, eine wichtige Rolle. So wird beispielsweise bei Entscheidungen über Behandlungsmaßnahmen immer stärker darauf Rücksicht genommen, wie sehr dadurch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten beeinflusst wird. Onkologische Behandlungen zielen darauf ab, die Krankheit und die damit einhergehenden Symptome zu beseitigen oder zu lindern. Die Lebensqualitätsforschung beschäftigt sich mit dem Einfluss der Krankheit und deren Behandlung auf das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden einer Person.

Erfassung der Lebensqualität

Der in Europa am weitesten entwickelte Ansatz zur Erfassung der Lebensqualität stammt aus der EORTC Study Group on Quality of Life. Die 1986 gegründete Arbeitsgruppe setzte sich zum Ziel, einen Lebensqualitätsfragebogen parallel in mehreren Ländern bzw. Sprachen zu entwickeln. Der EORTC QLQ-C30 ist diagnoseunabhängig und umfasst fünf funktionale Skalen (körperliche Funktion, Rollenfunktion, kognitive Funktion, emotionale Funktion und Sozialfunktion), drei Symptomskalen (Müdigkeit, Schmerz, Übelkeit/Erbrechen), zwei Globalbeurteilungen (Lebensqualität und allgemeiner Gesundheitszustand) sowie einige Einzel-items für Symptome, die von Karzinompatienten häufig berichtet werden (Aaronson et al. 1993). Der EORTC QLQ-C30 gilt mittlerweile in Europa als Standardinstrument und wird vor allem in onkologischen Therapiestudien häufig eingesetzt.

Der QLQ-H&N35 ist ein krankheitsspezifischer Fragebogen für den HNO-Bereich, und beinhaltet 35 symptomspezifische Fragen.

Methoden und Ergebnisse der Befragung der HNO-Tumorpatienten

Das Patientenkollektiv bestand aus 42 Personen. Davon waren 32 Personen (76 %) männlich und 10 Personen (24 %) weiblich. Das durchschnittliche Alter lag zum Zeitpunkt der Erhebung bei 58 Jahren. Bei allen Probanden lag ein Karzinom des oberen Aerodigestivtraktes vor, welches zum ersten Mal zwischen dem 16.01.2008 und dem 11.12.2008 diagnostiziert wurde. Alle Probanden wurden zum Zeitpunkt der Datenerhebung an der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik des Universitätsklinikums Graz stationär betreut. Die Befragung der Personen dieser Studie fand zum Zeitpunkt der Diagnosestellung statt. Zielsetzung dieser Arbeit war im Wesentlichen eine Auswertung des allgemeinen Gesundheitsstatus und der Lebensqualität des festgelegten Patienten- kollektives ausgehend von den Eortc QLQ-C30- bzw. QLQ-H&N35-Fragebögen.

Die Auswertungen des EORTC QLQ-C30 Fragebogens finden Sie in den Abbildungen 1-4.

Vergleich der einzelnen Dimensionen der Lebensqualität mit denen der „Normalbevölkerung“

Weiters wurde ein Vergleich der Daten des Eortc-QLQ-C30-Fragebogens mit denen der Normalbevölkerung, das heißt „gesunden“ Probanden vorgenommen. Als Hauptreferenz dient hierbei eine deutsche Studie von Schwarz et al. aus dem Jahr 2001, an der 2028 in Deutschland lebende Personen teilnahmen. Als weitere Referenz wurde eine norwegische Studie von Hjermstad et al. verwendet, die aus dem Jahr 1998 stammt, und an der 1965 Personen aus der norwegischen „Normalbevölkerung“ teilnahmen. Beide Studien wurden von der EORTC als Teststudie konzipiert, um den Eortc-QLQ-C30-Fragebogen auf Validität und Reliabilität zu testen (Abb. 5 und 6).

Ergebnisse unserer Untersuchung

Die Norm der Patienten gab an, hinsichtlich ihres allgemeinen Gesundheitszustandes und der subjektiven Einschätzung der Lebensqualität nur wenig beeinträchtigt zu sein. Mäßig bis stark beeinträchtigt fühlten sich 5 % der Patienten und nur ein Patient (2 %) gab an, starke Beschwerden bezüglich seines allgemeinen Gesundheitszustandes zu haben. Jedoch besteht im Vergleich zur „gesunden“ deutschen Normalbevölkerung ein signifikanter Unterschied, somit beurteilte das eigene Patientengut seinen allgemeinen Gesundheitszustand und seine Lebensqualität signifikant schlechter als das Normalkollektiv. Hinsichtlich des Geschlechts ergab sich kein signifikanter Unterschied, Männer sowie Frauen schätzten ihren Gesundheitszustand und die Lebensqualität ähnlich ein.

Bezüglich der Funktionsskalen wurde in jeder Kategorie ein hoher Skalenpunktwert erreicht, das Patientenkollektiv fühlte sich hinsichtlich der Skalen „Körperliche und Berufliche Leistung“, „Emotionales Empfinden“, „Kognitive Leistung“ und „Soziales Eingebundensein“ nur wenig bis geringfügig belastet bzw. beeinträchtigt.

In den Symptomskalen des Eortc QLQ-C30 war jede Kategorie durch einen niedrigen mittleren Score, das heißt ein niedriges Ausmaß an Symptomatik und körperlichen Beschwerden gekennzeichnet. Die Norm der Patienten war damit laut ihren Angaben nur wenigen bis geringfügigen Beschwerden hinsichtlich einer krankheitsbedingten Symptomatik ausgesetzt.

In den Symptomskalen des Eortc QLQ-H&N35 zeigten sich in allen Kategorien niedrige Skalenpunktwerte. Somit war die Norm des Patientenkollektivs laut ihren Angaben nur wenigen bis geringfügigen Beschwerden hinsichtlich einer tumorspezifischen Symptomatik ausgesetzt.

 

Das eigene Patientenkollektiv hatte in allen Funktionsskalen niedrigere Skalenpunktwerte (hoher Wert = hohes Maß an allgemeiner Gesundheit und Lebensqualität) aufzuweisen, als die „gesunde“ Allgemeinbevölkerung der deutschen Studie von Schwarz und Hinz. Signifikante Unterschiede ergaben sich in der Einschätzung der allgemeinen Gesundheit und der Lebensqualität sowie in den Funktionsskalen „Berufliche Leistung“, „Emotionales Empfinden“ und „Soziales Eingebundensein“.

Schlussfolgerung

Lebensqualität ist ein komplexes und mehrdimensionales Konstrukt, das in erster Linie auf subjektiven und individuellen Eindrücken beruht. Zu deren Erfassung wurde in der vorliegenden Arbeit der Eortc-QLQ-C30-Fragebogen und sein tumorspezifisches Zusatzmodul Eortc QLQ-H&N35 verwendet. Diese können zur Bewertung unterschiedlicher Behandlungs- methoden, zur Verlaufsbeobachtung, und als Hilfestellung bei Therapieentscheidungen eingesetzt werden.

 

Anmerkung: Diese Arbeit enthält Material und Daten aus der Diplomarbeit von David Darius Kerschbaumer.
Zur Person
OA Dr. Michaela Salzwimmer
Abteilung für allgemeine HNO
HNO-Universitätsklinik
Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 20
8036 Graz
Fax: ++43/316/385-3425
E-Mail:

Michaela Salzwimmer, Martin Ecker und David-Darius Kerschbaumer, Graz, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 9/2009

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