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HNO 2. September 2009

Allergie – ein diagnostischer Abriss

Gerd Rasp, Salzburg

Hauttests, Provokationstests und Blutuntersuchungen zeigen, auf welche Stoffe der Patient reagiert

Allergische Erkrankungen sind mit Inzidenzen bis 20% der jungen erwachsenen Bevölkerung sehr häufige Erkrankungen. Die Epidemiologie zeigt, dass die überwiegende Mehrzahl der Erkrankungen (75 %) als mäßig bis schwer zu bezeichnen sind und damit die Lebensqualität des Patienten in erheblicher Weise beeinträch-tigen.

Anamnese als erstes Mittel in der Diagnosefindung

Um nun die Diagnose der Erkrankung zu sichern, ist zunächst die Anamnese der wesentliche Bestandteil. Saisonale allergische Rhinitiden mit der typischen Sofortreaktion sind auch ohne medizinische Kenntnisse einfach zu erkennen, die Patienten können dies oftmals zusammen mit Polleninformationsdiensten aus den Medien sehr einfach mit ihrer Erkrankung korrelieren. So ist bei einer klassischen Heuschnupfen-Symptomatik die Frage nach dem Expositionszeitraum und der Heftigkeit der Beschwerden oftmals schon zielführend für die Eingrenzung der möglichen Allergene. Praktische Beispiele sind die akute Rhinitis in den Monaten März oder April als Zeichen einer Birkenpollenallergie. Gerade bei Pollenallergien ist die Frage nach eventuellen Kreuzreaktionen sehr wichtig, diese können Hinweis geben auf Sensibilisierung gegen relevante Hauptallergene, z. B. Bet V 2 (Profilin). Bei diesen Sensibilisierungen sind oft Nahrungsmittel mitbeteiligt, und diese führen dann wiederum zu einem oralen Allergie Syndrom.

Abgrenzung ist leider nicht immer einfach

Schwieriger ist die Anamnese bei perennialen Allergenen oder bei der Differenzierung von saisonalen Pilzen vs. Pollen. Sehr viele Patienten können die herbstliche „Entzündungssaison“ nicht von der stärkeren Exposition gegenüber Hausstaubmilben unterscheiden. Hier kann oft die Frage bei gezielten häuslichen Expositionen so z. B. aufschütteln der Betten oder leeren des Staubsaugerbeutels hilfreich sein. Noch schwieriger wird die Situation dadurch, dass gerade bei Milbenallergien nicht immer die Sofortreaktion im Vordergrund stehen muss, sondern oft die Spätreaktion das eigentlich Krankmachende ist und diese durch die Latenz von etwa 6 bis 8 Stunden dann in typischer Weise nicht mehr mit der allergischen Erkrankung in Zusammenhang gebracht wird. Ein weiterer wesentlicher Aspekt sind neue Sensibilisierungen, im österreichischen Raum ist hier vor allem Ragweed zu erwähnen, das für eine Verlängerung der Saison und intensive Erkrankungen im August und September verantwortlich ist. Die wesentlichen Leitsymptome sind in der Tabelle 1 zusammengefasst.

 

Grundsätzlich richtet sich die Indikation zur Allergietestung auch nach der Komorbidität. Im Hals-Nasen-Ohrenbereich sind dies vor allem der chronische Husten und die chronische Sinusitis. Je nach Studienlage ist hier mit Koinzidenzen von bis zu 50 % zu berichten, bei einem allergischen Asthma sogar bis zu 80 % und daher ist bei den Entitäten chronischer Husten, chronische Sinusitis, chronische Rhinitis und allergisches Asthma eine eingehende Allergiediagnostik indiziert. Dies gilt natürlich ebenso für andere in Richtung Al-lergie verdächtige Erkrankungen.

Allergietests

Neben der oben genannten Anamnese fußt die Diagnostik vor allem auf dem Hauttest. Hier ist der Pricktest inzwischen internationaler Standard, und er bietet neben dem Vorteil der Delegierbarkeit auch den großen Vorteil der parallelen Untersuchung mehrerer Allergene. Üblicherweise wird er am Unterarm volarseitig durchgeführt und ermöglicht die Untersuchung von etwa 40 Allergenen an beiden Unterarmen, einbezogen werden Negativ- und Positivkontrollen. Der Pricktest ist ein sehr sensitiver Test, d. h. also die Rate falsch Positiver überwiegt bei weitem die Rate falsch Negativer. Ergänzt oder ersetzt werden kann der Pricktest durch die systemische IgE-Bestimmung (spezifisches IgE gegen das jeweilige Allergen, historische Bezeichnung RAST, derzeitiger Standardtest CAP-FEIA). Damit lassen sich direkt allergenspezifische Antikörper im Serum nachweisen.

Provokationstests

Bestehen noch weitere Unklarheiten oder ist es auch aus didaktischen Gründen sinnvoll, so kann noch ein Provokationstest angeschlossen werden. Beim nasalen Provokationstest wird Allergenlösung in die Nase eingesprüht, hierdurch kommt es zur allergischen Sofortreaktion mit Niesattacken, Augentränen und Rhinorrhoe. Dies ist eine für Ausbildungszwecke und auch für den Patienten eine sehr eindrucksvolle Erfahrung. Eine Alternative hierzu kann der konjunktivale Provokationstest sein. Beiden Provokationstests ist eigen, dass an einem Tage typischerweise nur ein positives Allergen getestet werden kann. Die Diagnose einer allergischen Erkrankung und die demzufolge notwendige therapeutische Konsequenz werden also in Zusammenschau aus der Anamnese, dem Hauttest, gegebenenfalls der Immunglobulin-E-Bestimmung und fakultativen Provokationstests gestellt. Besonders zu betonen ist hier, dass die Anamnese der entscheidende Punkt ist. Positive Hautreaktionen oder Labortests ohne Beschwerden des Patienten sind nicht relevant und sollten dementsprechend auch nicht therapiert werden, da ohne Beschwerden auch kein Benefit zu erwarten ist.

Keine Spontanheilung zu erwarten

Wichtig ist noch der spontane Verlauf allergischer Erkrankung, gerade ältere Mitbürger sind der Meinung, das wächst sich aus oder man verliert die Beschwerden. Hierzu ist zu erwähnen, dass allergische Erkrankungen in großen Studien eine Selbstheilungsrate unter 1 % besitzen. Daher ist das Warten auf die Selbstheilung nicht als adäquater therapeutischer Ansatz zu empfehlen.

Zur Person
Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerd Rasp
Universitätsklinik für Hals-, Nasen-Ohrenkrankheiten
Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Müllner Hauptstraße 48
5020 Salzburg
Fax: ++43/662/4482-57410
E-Mail:
Tabelle 1 Wesentliche Leitsymptome
Hinweisend auf AllergieFakultative Begleitsymptome
Niesattacken rezidivierende Infekte
Nasenjucken Erschöpfung
saisonale Rhinitis Kopfschmerzen
Augenjucken Schlafstörung
seröse Rhinorrhoe Staubempfindlichkeit
positive Familenanamnese  
Ekzemanamnese  
Nahrungsmittelallergie  

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