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Abb. 1: Reintonaudiogramme und Indikationsfeld der VSB (gestrichelte Linie)

Abb. 2: Einsilberverstehen in % bei DDS-Simulation und postoperativ

Abb. 3: Lebensalter in Korrelation zum Einsilberverstehen mit VSB (80 dB SPL)

 
HNO 2. September 2009

Rehabilitation bei Innenohrschwerhörigkeit mit aktiven Mittelohrimplantaten

Gibt es prognostische Faktoren für das erzielte Sprachverstehen?

Der Einsatz von aktiven Mittelohrimplantaten wie etwa der semi-implantierbaren Vibrant Soundbridge (VSB) kann in folgenden Indikationen erwogen werden:

  • medizinische Indikation: z. B. chronische Otitis externa, Fehlbildungen des Mittelohres oder äußeren Ohres, schwere Psoriasis, Radikalhöhlen, Unverträglichkeit von Hörgeräten (HG), etc.,
  • audiologische Indikation: reine sensorineurale Schwerhörigkeit, aber unzureichende Hörergebnisse trotz bestmöglicher Hörgeräte-Versorgung.

In letzterer Gruppe werden ein stabiler sensorineuraler Hörverlust innerhalb des empfohlenen reintonaudiometrischen Indikationsfeldes der VSB und ein Einsilberverstehen von ca. 50 % als Voraussetzung im Rahmen der Patientenselektion angesehen.

Direct Drive Simulator (DDS) ermöglicht Prognose des Hörerfolges

Im Rahmen einer Voruntersuchung liefert der Direct Drive Simulator (DDS) einen ersten Höreindruck. Dabei werden die Klangeigenschaften des Implantates mittels eines direkt auf das Trommelfell aufgesetzten FMT-Schallwandlers simuliert. Anhand retrospektiver Analyse der prä- und postoperativen Hörergebnisse von 54 VSB-Trägern, welche zwischen 2000 und 2008 aus audiologischer Indikation an der HNO-Abteilung St. Pölten implantiert wurden (Abb. 1), wurden potentiell prognostische Faktoren wie DDS-Ergebnis, Lebensalter, Geschlecht und vorbestehender gemittelter Hörverlust hinsichtlich ihres möglichen Einflusses auf das postoperative Sprachverstehen mit dem aktivierten Implantat untersucht. Das Einsilberverstehen im präoperativ bei einem Großteil der Patienten durchgeführten DDS-Test (n = 36) zeigte eine gute Annäherung zu den postoperativen erzielten Ergebnissen bei aktivierter VSB. Alle bis auf einen Patienten erreichten mit der VSB bei 80 dB(SPL) ein etwas höheres Einsilberverstehen als in der Simulation (MCL = most comfortable level), (Abb. 2).

Lebensalter ist kein prognostischer Faktor

Weder das Geschlecht noch das Lebensalter zum Zeitpunkt der Implantation zeigten eine Korrelation mit dem postoperativen Einsilberverstehen (Abb. 3). Je ausgeprägter der vorbestehende gemittelte Hörverlust (PTA 0,25–8 kHz) und insbesondere der Hörverlust bei 1 kHz waren, desto größer war auch der Diskriminationsverlust im Einsilbertest. Dies wurde in allen Testkonditionen beobachtet – ohne HG, mit HG bzw. VSB.

Mit der VSB konnten selbst bei Hörverlusten im Grenzbereich des Indikationsfeldes (PTA = 60–80) noch durchschnittlich 71 % Einsilber mit dem aktiven Mittelohrimplantat diskriminiert werden (ohne HG: 35 %, mit HG: 53 %).

Höheres Einsilberverstehen mit VSB verglichen mit Hörgerät

In allen Fällen (inklusive bei pantonalen Hörminderungen sowie bei Hochton-Steilabfällen, welche in einzelnen Frequenzen bereits außerhalb des empfohlenen Indikationsfeldes lagen) erreichten die Patienten mit der VSB das jeweils höchste Einsilberverstehen.

 

Aktive Mittelohrimplantate wie zum Beispiel die VSB (Vibrant Soundbridge) können unabhängig von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Ausmaß des – innerhalb des Indikationsfeldes liegenden – Hörverlustes eine Alternative für bisher unbefriedigend versorgte Patienten darstellen.

Zur Person
Prim. Univ.-Prof. Dr. Klaus Böheim
Abteilung für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde
Landesklinikum St. Pölten
Propst-Führer-Straße 4
3100 St. Pölten
Fax: ++43/2742/300-12919
E-Mail:
E-Mail:

Stefan-Marcel Pok und Klaus Böheim, St. Pölten, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 9/2009

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