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Zervixkarzinom: Jede 100. Frau erkrankt

Etwa 500 Frauen erkranken in Österreich jedes Jahr an einem Karzinom des Gebärmutterhalses. Knapp die Hälfte davon stirbt jährlich an dieser Erkrankung.

Im Gespräch mit der Ärzte Woche berichtet der Gynäkologe Prof. Dr. Elmar Joura von der Frauenklinik am Wiener AKH über Häufigkeit, Auftreten und Behandlung des Zervixkarzinoms sowie den Stellenwert der Impfung gegen HP-Viren, die den Hauptauslöser für das Karzinom bilden.

Wie häufig ist das Zervixkarzinom in Österreich?
JOURA: Die Erkrankungszahlen in Österreich haben sich – nach Einführung des PAP-Abstriches – in den vergangenen 20 Jahren von etwa 1.000 auf rund 500 Fälle halbiert. Das Erkrankungsrisiko liegt bei uns kumulativ bis zum 75. Lebensjahr bei knapp einem Prozent. Das heißt, jede 100. Frau erkrankt in Österreich an einem Zervixkarzinom.

Welche Früherkennungsmöglichkeiten bestehen in Österreich?
JOURA: Im Moment ist der Standardtest der jährliche PAP-Abstrich. Der Nachteil dieses Tests ist einerseits seine niedrige Sensitivität, die nur bei 70 Prozent liegt, andererseits werden auch harmlose Erkrankungen erfasst, die weitere Untersuchungen notwendig machen und eine psychische Belastung der betroffenen Frauen sowie Kosten verursachen. Liegt ein positiver Befund vor, wird eine Kolposkopie durchgeführt. Dieses Früh­erkennungs­system ist insgesamt sehr wirksam. Da das Screening allerdings nur opportunistisch durchgeführt wird, die Frauen also nicht regelmäßig aktiv zum Screening eingeladen werden, gehen auch nur 40 bis 50 Prozent aller Frauen mehr oder weniger regelmäßig zu dieser Vorsorgeuntersuchung. Der Test auf HP-Viren wäre zur Früherkennung möglich, hat aber in unserem Sys­tem derzeit nur dann Platz, wenn der PAP-Befund unklar ist. Nur eine Einführung im Rahmen eines Gesamtkonzeptes wäre sinnvoll.

Beschreiben Sie bitte die Stadieneinteilung des Zervixkarzinoms.
JOURA: Unmittelbare Vorstufe ist das Oberflächenkarzinom (CIN 2/3). Ist die Erkrankung auf den Gebärmutterhals beschränkt, liegt das Stadium I vor. Wird die Erkrankung in diesem Stadium entdeckt, sind die Heilungschancen sehr gut. Im Stadium II wächst der Tumor bereits in die Umgebung, Stadium III bedeutet, der Tumor wächst in die Nachbarorgane ein und kann das gesamte Becken ausfüllen. Im Stadium IV liegen Fernmetastasen vor.

Wie wird die Erkrankung in den einzelnen Stadien behandelt?
JOURA: Bei einem Oberflächenkarzinom oder einem sehr kleinen Karzinom unter drei Millimeter wird eine Konisation durchgeführt. Im Stadium I wird eine radikale Hysterektomie durchgeführt, auch bekannt als Wertheim-Operation. Dabei werden die Gebärmutter plus das Bindegewebe neben der Gebärmutter, die Parametrien, und die Beckenlymphknoten entfernt. Bereits im Stadium II wird nicht mehr operiert, sondern es wird eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie zur Behandlung des Tumors eingesetzt. Auch im Stadium III und IV werden Strahlen- und Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors eingesetzt.

Wie sind die Heilungschancen?
JOURA: Wird die Erkrankung im Stadium I entdeckt, liegen die Heilungschancen zwischen 80 und 100 Prozent. Im Stadium II liegen sie bei 70 Prozent, im Stadium III zwischen 40 und 50 Prozent und im Stadium IV unter 20 Prozent.

Welchen Stellenwert nimmt die Impfung gegen HP-Viren im Kampf gegen das Zervixkarzinom ein?
JOURA: Der momentane Benefit der Impfung liegt vor allem in einem Rückgang der Krebsvorstufen, pro Jahr gibt es in Österreich fünf- bis sechstausend Konisationen. Bis die invasiven Karzinome zurückgehen, wird das sicherlich 20 bis 30 Jahre dauern, denn wenn ich jetzt zwölfjährige Mädchen impfe, verhindere ich damit Karzinome, die in 20 bis 30 Jahren auftreten. Durch die Impfung können 70 bis 80 Prozent der krebserregenden HPV-Stämme abgedeckt werden. Ein Restrisiko bleibt also, die Früherkennungsuntersuchung mittels PAP-Abstrich muss unbedingt weiter durchgeführt werden.

Wer soll sich impfen lassen?
JOURA: Der Oberste Sanitätsrat hat die Empfehlung abgegeben, dass die Impfung bei Mädchen und Jungen im Alter zwischen neun und 15 Jahren durchgeführt werden soll, aber auch allen Frauen bis 26 anzuraten ist.

Das Gespräch führte Sabine Fisch.

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