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Bei Kinderwunsch Folat

Folat und Vitamin B12 sind von eminenter Wichtigkeit für den Körper. Nicht nur deshalb, weil sie zusammen den Homo­cysteinspiegel senken, einen anerkannten Risikofaktor für kardio­vaskuläre Erkrankungen. Auch bei Kinderwunsch macht Folsäure Sinn, reduziert sie doch das Risiko für Missbildungen deutlich.

Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten Folsäure, und viele Lebensmittel enthalten reichlich Folate. Trotzdem leidet die Bevölkerung unter chronischer Folat-Unterversorgung.
Das liegt einerseits an der biochemischen Instabilität der Folate: 90 Prozent der Substanz gehen bei Lagerung und Zubereitung verloren. Tiefkühlkost und aufgewärmtes Kantinenessen tun ihr Übriges. Andererseits ist die chemisch stabile, mittels Nahrungsergänzungsmittel zugeführte Folsäure biologisch inaktiv. Die körpereigene Form heißt 5-Methyl-Tetrahydrofolat (THF) und wird mit Hilfe der 5,10-Methylen-THF-Reduktase aus Folsäure gebildet.
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung weisen homozygot eine genetische Polymorphie des Folat-Metabolismus auf, bei ihnen ist die Enzymaktivität um 70 Prozent reduziert. Bei heterozygoten Merkmalsträgern, fast 40 Prozent der Bevölkerung, ist die Enzymaktivität um 30 Prozent reduziert. Nicht jeder Mensch kann also Folsäure in gleichem Maß in die biologisch aktive Form überführen.

Missbildungen durch recht­zeitige Substitution vorbeugen

In der kritischen Phase der Neuralrohrschließung (22 bis 28 Tage nach der Empfängnis) kann ausreichende Folatversorgung das Risiko eines Neuralrohrdefektes um 70 bis 100 Prozent reduzieren. Auch kardiale Septumdefekte und Harnröhrenfehlbildungen treten mit ausreichender Folatversorgung signifikant seltener auf. Die Zufuhr kann bei ungestörtem Folat-Stoffwechsel über die Nahrung und herkömmliche Vitaminpräparate erfolgen, homo- und heterozygote Merkmalsträger können ihren Bedarf mit Calcium-L-Methylfolat decken. Diese Folatverbindung entspricht der biologisch wirksamen Vitaminform und kann auch von genetisch polymorphen Menschen problemlos verwertet werden – immerhin 50 Prozent der Bevölkerung.
Folsäure und Vitamin B12 spielen auch im späteren Leben eine wichtige Rolle. Die beiden Vitamine senken den Homocysteinspiegel, einen Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Potsdamer Zweig der EPIC-Studie hat diesbezüglich interessante Ergebnisse gebracht. (Stroke online Sep 07).
An der Studie nahmen 967 Personen teil, bei denen zu Beginn der Untersuchung keine Herz-Kreislauf-Erkrankung bekannt war. 106 der Teilnehmer litten im sechsjährigen Nachbeobachtungszeitraum der EPIC-Studie an zentralen Durchblutungsstörungen, 82 an ischämischen Insulten. Teilnehmer mit niedrigen Folatwerten hatten ein um mehr als das Zweifache höheres Risiko für Schlaganfälle und zentrale Ischämien. Ein niedriger B12-Spiegel alleine erhöhte das vaskuläre Risiko immer noch um 76 Prozent. Das Risiko stieg allerdings nicht an, wenn allein der Folatspiegel niedrig war. Die Studienautoren nehmen deshalb an, dass die Wirkung der beiden Vitamine zumindest teilweise über ihren Einfluss auf den Homocysteinspiegel erzielt wird.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 44/2007

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