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Persilschein für die Impfung

Am Donnerstag der Vorwoche gab die europäische Arzneimittelagentur EMEA Entwarnung: Die HPV-Impfung wird weiterhin als sicher eingestuft. Bekanntlich war in den vergangenen Wochen in Österreich der Verdacht aufgetaucht, dass der Tod einer 19-jährigen Oberösterreicherin im Zusammenhang mit der Impfung stehe, die sie drei Wochen vor ihrem überraschenden Tod bekommen hatte.

Was tatsächlich zur tödlichen Atemlähmung der jungen Frau führte, darüber wird derzeit spekuliert. Eine Möglichkeit wäre laut APA das sogenannte Long QT-Syndrom (LQT), eine genetisch bedingte krankhafte Veränderung von Ionen-Kanälen der Herzmuskelzellen, die zu plötzlich auftretenden tödlichen Arrhythmien führen kann. Nur ein DNA-Test kann klären, ob bei der jungen Oberösterreicherin eine entsprechende Veranlagung bestand. Das könnte aber für die Familie wichtig werden, weil sie noch eine zweite Tochter hat. Personen mit einem solchen Risiko können durch Implantierung eines Defibrillators geschützt werden.

Ungeklärte Todesfälle

Insgesamt sind laut Statistik Austria im Jahr 2006 in Österreich von den 239.767 jungen Frauen in der Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen drei aus ungeklärter Ursache gestorben. „Wenn auch die Todesursachenstatistik wegen ihrer Ungenauigkeiten, z. B. in der Verschlüsselung, in diesem Fall nur begrenzt zu Untersuchungen von Häufigkeiten herangezogen werden kann, so sagt sie doch aus, dass derartige ungeklärte plötzliche Todesfälle auftreten“, heißt es dazu von Seiten des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen.
Allerdings appelliert die AGES an alle Ärzte, ihrer Meldepflicht nachzukommen und sämtliche Ereignisse, die im Zusammenhang mit der HPV-Impfung stehen könnten, zu melden. Bisher war das in Österreich bei sechs Patientinnen der Fall. Auch ein Todesfall in Deutschland wurde mit der Vakzine in Verbindung gebracht.

Schulterschluss der Experten

Ungefähr zeitgleich kamen in der Vorwoche Stellungnahmen von den Gesellschaften für Dermatologie, für Kinder- und Jugendheilkunde und für Gynäkologie. Tenor: Derzeit sehen die Fachgesellschaften keinen Grund für eine Änderung in der Nutzen-Risiko-Bewertung der Impfung, zumal es laut internationaler Pharmakovigilanzübersicht bisher keinen Hinweis auf schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen nach der HPV-Impfung gibt. Auch ein aktueller Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC) kam zu dem Schluss, dass die Impfung gegen das Papillomvirus HPV eine effektive Vorbeugung gegen Gebärmutterhalskrebs darstelle. Und schließlich folgte das Statement der Expertengruppe der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA, der auch der Obduktionsbericht der verstorbenen Österreicherin vorgelegen war: In beiden Fällen konnte die Todesursache zwar nicht festgestellt werden. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Tod der beiden jungen Frauen und der Verabreichung des Vierfachimpfstoffes könne jedoch nicht hergestellt werden. Nichtsdestotrotz werde die EMEA weiterhin die Sicherheit der Vakzine beobachten, und, sollte es notwendig werden, entsprechende Maßnahmen setzen.
Schätzungen zufolge wurden in Europa bereits 1,5 Millionen Menschen geimpft, weltweit dürften an die 22 Millionen Dosen der Vakzine (drei werden für eine Immunisierung empfohlen) verwendet worden sein.
Von Anfang an fürchteten Kritiker der Impfung, dass immunisierte Frauen keinen Grund mehr sehen könnten, regelmäßig zum Krebsabstrich zu gehen. Eine möglicherweise fatale Entscheidung, da die Impfung nicht gegen alle Hochrisiko-Typen des Virus schützt. Im Zuge der durch die Ereignisse neu aufgeflammten Diskussion um die Impfung wird die Wichtigkeit des regelmäßigen Pap-Abstrichs nun neuerlich betont.

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 5/2008

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