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Statine in der Menopause

Zur kardiovaskulären Prävention werden bei Frauen in der Postmenopause und mit vorbestehenden Herzerkrankungen Statine empfohlen. Es gibt jedoch keine Studien, die eine gleich hohe Effizienz bei Frauen wie bei Männern beweisen. Der Einsatz einer Hormontherapie gilt laut Studienlage als kontraindiziert.

Das kardiovaskuläre Risiko von Frauen wurde lange Zeit unterschätzt. Mittlerweile ist bekannt, dass etwa zehnmal so viele Frauen an den Folgen von Herz-Kreislauf­erkrankungen versterben wie an Brustkrebs. Besonders stark steigt die Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen nach der Menopause an. „Für den auf dieses Gebiet spezialisierten Gynäkologen ergibt sich daraus eine neue wichtige Aufgabe im Rahmen der Therapie der Menopause. So müssen die Erfassung von kardiovaskulären Risikofaktoren und die Prävention von Herzkreislauferkrankungen zu einem zentralen Teil der Behandlung werden“, sagte Prof. Dr. Martin Birkhäuser von der Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Universitäts-Frauenklinik Bern bei einem Kongress über Anti-Aging-Medizin in Wien.

Jüngere Frauen nicht erfasst

Bis zum Jahr 2002 war die zentrale Rolle der Hormonersatztherapie in der primären Prävention von Herzkreislauferkrankungen anerkannt. HERS und WHI, zwei placebokontrollierte prospektive randomisierte Studien, gingen der Frage nach, ob eine Hormonersatztherapie auch tatsächlich zur Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen geeignet ist. Im Rahmen von HERS wurden 2.763 postmenopausale Frauen mit dokumentierter koronarer Herzkrankheit untersucht. Das mittlere Alter war 67 Jahre. Da sich in einer Analyse ein Hinweis auf ein höheres Risiko von koronaren Ereignissen im ersten Jahr, aber ein vermindertes in den Jahren drei bis fünf ergab, wurde die Studie offen fortgesetzt. Bei WHI war das mittlere Alter mit 63,2 ebenfalls eher hoch. Über ein Viertel der Patientinnen nahm bei Studienbeginn entweder Statine oder Aspirin ein. Der Spezialist: „Keine der beiden Studien untersuchte perimenopausale Frauen oder Frauen mit früher, im Alter von 40 bis 50 Jahren, oder vorzeitiger Menopause, bereits vor dem 40. Lebensjahr. Die Randomisierung der Mehrzahl der Teilnehmerinnen fand erst zehn Jahre nach der Menopause statt.

Genderspezifische Aktivität

Aus den Resultaten folgt, dass eine Hormontherapie zur kardiovaskulären Prävention kontraindiziert ist. Qualitativ solide Beobachtungsstudien weisen darauf hin, dass eine Hormontherapie bei Frauen mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko, die Östrogene zur Behandlung des klimakterischen Syndroms erhalten, das Risiko längerfristig senken könnte. Um eine kardiovaskuläre Primärprävention durch Hormontherapie zu empfehlen, sind jedoch weiterführende Studien und deren Ergebnisse erforderlich.“ Statine sind bei der kardiovaskulären Prävention bei Hochrisikopatientinnen die wesentliche Alternative zur Hormontherapie. Auch die American Heart Association empfiehlt deren Einsatz als first-line-Therapeutikum bei Patientinnen mit bestehenden Herzerkrankungen. Ebenso wichtig ist der Rat zu einer an Cholesterin und gesättigten Fetten armen Diät, zu Gewichtskontrolle und zu regelmäßigem Sport. „Wir haben bisher keinen Beweis dafür, dass die Einnahme von Statinen bei Frauen ebenso effizient ist wie bei Männern. Der Großteil der diesbezüglichen Studien wurde in der männlichen Population durchgeführt und die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf Frauen umlegen. So gibt es deutliche Hinweise für eine genderspezifische Aktivität von Statinen. Für klare Empfehlungen benötigen wir weitere Studien, die besonders Frauen im Alter von 40 bis 55 Jahre untersuchen“, schließt Birkhäuser. Bis dahin gelten auch für ihn die Empfehlungen der American Heart Association.

Dr. Isabella Presch, Ärzte Woche 26/2007

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