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Auf Eis gelegt

Schwangerschaften und Geburten nach Kryokonservierung von Ovarialgewebe und autologer Transplantation geben jungen Patientinnen Hoffnung, nach Überstehen einer Krebserkrankung doch noch Kinder gebären zu können. Die Methode steckt erst in den Kinderschuhen und erfordert noch intensive Forschung.

Fortschritte in Diagnose und Therapie von Karzinomen schenken Frauen mit Krebs eine erhöhte Lebenserwartung nach malignen Erkrankungen im Kindes-, Jugendlichen oder Erwachsenenalter. Chemo- und Strahlentherapie bewirken aber meist eine nachhaltige Schädigung der Ovarien. Daraus ergibt sich eine Zunahme von Langzeitüberlebenden nach Malignomen in der Kindheit, die aufgrund eines vorzeitigen Ausfalls der Ovarialfunktionen unfruchtbar geworden sind.

Kinderlos durch Krebs

„Verfahren wie Embryonen-, Eizell- oder Ovarialgewebe-Kryokonservierung bieten Betroffenen die Chance, nach dem Überstehen der Krebserkrankung doch noch Kinder zu bekommen. Die Wahl des geeigneten Verfahrens ergibt sich nach der Art und dem Zeitpunkt der Chemotherapie, dem Patientenalter, dem Partnerstatus und natürlich der Krebserkrankung“, erklärt Prof. Dr. Jacques Donnez, leitender Arzt an der Abteilung für Gynäkologie der Université Catholique de Louvain in Brüssel, Belgien. Die Embryonen-Kryokonservierung ist mittlerweile in allen IVF- Zentren zur Routinetechnik geworden und führt zu guten Ergebnissen. Vor allem auch bei jungen Krebspatientinnen eingesetzt, hat auch sie ihre Limits. Der Spezialist: „Die Patientin muss die Pubertät bereits erreicht haben, um eine Stimulation der Ovarien durchführen zu können. Bei Kindern kann das Verfahren nicht angewendet werden. Weiters muss ein Partner vorhanden sein oder es wird Spendersamen verwendet.“ Medizinische Gründe können eine ovarielle Stimulation vor der Therapie unmöglich machen, etwa wenn eine Verzögerung des Behandlungsbeginns nicht vertretbar erscheint oder hormonsensitive Tumoren vorliegen. Die Embryonen-Kryokonservierung ist eine erfolgversprechende Vorgangsweise, welche aber nur bei Patientinnen mit reifen Eizellen und Partner bzw. Samenspender eine Option darstellt.

Eizellen konservieren

Bei der Kryokonservierung von Eizellen kann zwischen der Aufbewahrung reifer und unreifer Zellen – welche in vitro nachreifen müssen – unterschieden werden. Das Verfahren eignet sich für Frauen, die zum Entnahmezeitpunkt keinen Partner haben und für die Spendersamen keine Alternative sind. Sonst gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei der Embryonen-Kryokonservierung. Die Erfolgsquote des Verfahrens ist jedoch deutlich geringer mit einer Schwangerschaftsrate von unter fünf Prozent. Die Kryokonservierung von Ovarialgewebe stellt die einzige Option für präpubertäre Mädchen dar, bei denen die Chemotherapie unverzüglich begonnen werden muss. Dabei können entweder Fragmente des Cortex, das ganze Ovar mit dem Gefäßstil oder isolierte Follikel eingefroren werden. Mit dem Erfolg einer Schwangerschaft wurden bisher nur Fragmente des Cortex transplantiert. Donnez: „Wir konnten erstmals eine erfolgreiche Transplantation von kryokonserviertem Ovarialgewebe durchführen, die dann zur Schwangerschaft und Geburt eines Kindes führte. Bei einer 25-jährigen Patientin mit Morbus Hodgkin entnahmen wir laparoskopisch fünf Biopsien aus dem Cortexbereich des linken Ovar. Anschließend wurden Chemotherapie und Radiotherapie durchgeführt. Sechs Jahre nach Entnahme und nach vollständiger Heilung der Krebserkrankung transplantierten wir das kryokonservierte Ovarialgewebe auf das rechte Ovar.

Erfolgreich transplantiert

Bereits nach fünf Monaten bewiesen die FSH-, Östrogen- und Progesteronwerte einen ovulatorischen Zyklus. Nach elf Monaten wurde die Patientin schwanger und gebar in Folge einen gesunden Jungen.“ Diese Verfahren geben den betroffenen Frauen Grund zur Hoffnung, sind zum Teil aber noch in einem experimentellen Stadium und erfordern weitere intensive Entwicklung und Optimierung. „Wir hoffen, eines Tages für jede Patientin individuell ein Verfahren mit hoher Effizienz anbieten zu können, sei es die Kryokonservierung von Embryonen oder Eizellen. Die Kryokonservierung von Ovarialgewebe kann womöglich bei allen Patientinnen ernsthaft ins Auge gefasst werden, wenn eine Therapie mit potenzieller Schädigung der Fertilität erforderlich scheint“, sieht Donnez positiv in die Zukunft.

Dr. Isabella Presch, Ärzte Woche 20/2007

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