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Sonographie: Monatszyklus beachten

Die Gebärmutterschleimhaut ist Veränderungen unterworfen, monatlich ebenso wie im Laufe des Lebens. Für die Abklärung von Krankheiten ist das Wissen um diese Veränderungen essenziell. Aber nicht nur Erkrankungen und physiologische Alterserscheinungen hinterlassen ihre Spuren an der Gebärmutterschleimhaut, sondern auch medikamentöse Therapien.

„Um Pathologien von Physiologien abzugrenzen, ist die Entwicklung von Schwellenwerten wichtig“, hielt Prof. Dr. Peter Schwärzler, Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Krankenhaus Feldkirch, anlässlich eines Vortrags im Rahmen der 39. Tagung für Gynäkologen und Geburtshelfer in Obergurgl, Tirol, fest. Das Endometrium wird von innen nach innen gemessen. Im Lauf des Zyklus verdickt sich die Gebärmutterschleimhaut bis zu einem Plateau in der zweiten Zyklushälfte.

Sehr genau abgrenzbar

„Wir unterscheiden verschiedene Endometriumtypen“, so Schwärzler, „beispielsweise den proliferativen Typ und den mitzyklischen Typ.“ In der Zyklusmitte beginnt die Gebärmutterschleimhaut sich in Richtung Ovar zu kontrahieren – dies wird Triple-Line Endometrium genannt: „Dabei ist im Ultraschall die dreilinige Ausführung des Endometriums sehr gut zu beobachten. Bis zum 20. Zyklustag wird das Endometrium immer echodichter, die Grenze zum Myometrium ist scharf und die drei Linien verschwunden. Die Gebärmutterschleimhaut bereitet sich auf die Einnistung vor. Im Ovarbereich kommt es zu einer massiven Zunahme der Vaskularisierung. Diese stellt sich regelmäßig als Ring dar, was die Abgrenzung zu malignen Neubildungen erleichtert, denn diese sind nicht so regelmäßig vaskularisiert.

Ein Bild sagt mehr …

In einem Fallbeispiel erläuterte der Gynäkologe das Ausbleiben der Blutung bis zum 38. Zyklustag: „Das Ultraschallbild zeigte uns eine scharfe Abgrenzung des Endometriums ohne Hinweise auf eine Schwangerschaft.“ Ein Blick in die Adnexe brachte aber die Lösung des Rätsels: Die Patientin litt an einer persistierenden Zyste, die über den Weg der hormonellen Veränderung zu einem Ausbleiben der Regel führte.

… als tausend Worte

Liegt dagegen nach einem regelrechten Zyklus eine Frühgravidität vor, so zeigt sich das Endometrium im Ultraschall mächtig. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Schwangerschaft im Harn noch nicht erkennbar, im Serum allerdings bereits positiv. Die Vaskularisierung der Schleimhaut imponiert spiralig. „Das Endometrium wird massiv unterstützt, um die Implantation möglichst effektiv ablaufen zu lassen“, erläuterte Schwärzler. „Das Corpus luteum in diesem Stadium ist persistierend, auch die ringförmige Durchblutung ist weiterhin zu beobachten.“
Mit Beginn der Postmenopause bildet sich die Gebärmutterschleimhaut zurück und imponiert strichförmig. „Der Grenzwert liegt bei fünf Millimetern, aber selbst bei dieser Dicke kann eine pathologische Struktur vorliegen“, warnte Schwärzler. Unter einer Hormonersatztherapie (HRT) zeigt sich das Endometrium dagegen wie bei einer prämenopausalen Frau.

Einfluss von Tamoxifen

Auch Tamoxifen, das bei Frauen adjuvant zur Therapie des Mammakarzinoms zum Einsatz kommt, zeigt Einflüsse auf die Gebärmutterschleimhaut. Seine partiell agonistische und antagonische Funktion im Hinblick auf die Östrogenfunktion führt zu einem submukösen Ödem unter der atrophen Schleimhaut. Sonographisch imponiert das Bild eines verdickten Endometriums. „Aufgrund dieser Strukturveränderung kann es schwierig sein, eine darunterliegende Pathologie korrekt zu diagnostizieren“, gab Schwärzler zu. „Es besteht ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko für endometriale Hyperplasien und ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für ein Karzinom in der Gebärmutterschleimhaut.“ Mit der Dauer der Tamoxifentherapie (derzeit fünf Jahre) wächst die Endometriumdicke auf 8,8 mm an. Nach Absetzen der Behandlung reduziert sich die Dicke wieder.
„Treten unter einer Tamoxifentherapie Blutungen auf, ist eine transvaginale Sonographie unbedingt indiziert“, hielt Schwärzler fest.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 22/2007

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