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Mit Licht, Lupe und Mikroskop

Bereits lange sind Ärzte bei der Diagnose von gynäkologischen Erkrankungen nicht mehr allein auf ihre Augen angewiesen. Immer feiner und genauer werden die optischen Instrumente, mit deren Hilfe auch kleinste Strukturen dargestellt werden können.

Der deutsche Gynäkologe Hans Hinselmann arbeitete 1925 erstmals mit der Kolposkopie zur Feststellung von Präkanzerosen am Cervix uteri. Noch heute gilt das Verfahren als Standard zur Feststellung von frühen Formen des Gebärmutterhalskarzinoms, „zumindest in der Hand eines versierten Arztes für Frauenheilkunde“, wie die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, OA Dr. Sylvia Artner vom Wiener Hanusch-Krankenhaus, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE präzisierte.

Tu felix Austria

In Österreich wird die Kolposkopie, also die Untersuchung von Gebärmutterhals und Muttermund zur Feststellung früher Karzinome bzw. CIN (cervikale intraepitheliale Neoplasien), von den Krankenkassen weiterhin getragen. Nicht so bei unseren deutschen Nachbarn, wie Prof. Dr. Martin Löning von der Klinik für Frauenheilkunde am Campus Lübeck im Rahmen der 39. Fortbildungstagung für Fachärzte der Gynäkologie und Geburtshilfe im Februar im Tiroler Obergurgl monierte: „In Westdeutschland spielt die Kolposkopie daher kaum noch eine Rolle, da sie von den Krankenkassen nur noch selten bezahlt wird.“ Löning befindet das für „schade“, da die Methode wichtig sei, etwa als Ergänzung zur Abklärung eines positiven PAP-Abstriches (ab PAP IIID).

Guter Zugang und gutes Licht

Die Feststellung von Gewebsveränderungen an Vulva, Vagina, Zervix uteri, Cavum uteri, Adnexen und kleinem Becken mit optischen Hilfsmitteln gilt heute als State of the Art in der Gynäkologie. „Voraussetzungen für eine exakte Diagnostik sind allerdings ein guter Zugang, gute Lichtquellen, eine gute Übersicht sowie eine hohe Auflösung“, erläuterte Löning. Das Angebot an optischen Hilfsmitteln in der Diagnostik und Therapie gynäkologischer Erkrankungen ist breit. Neben der Kolokoskopie gilt die Laparoskopie, die seit Anfang der 60-iger Jahre angewendet wird, als eines der wichtigsten therapeutischen Hilfsmittel, etwa bei der Entfernung von Endometrioseherden im kleinen Becken. Neue optische Technologien in Kombination mit bewährten Verfahren wie Laparoskopie und Kolokoskopie sind etwa die ­ (Auto)Fluoreszenzdiagnostik, die optische Kohärenztomographie und die Multiphotonenspektrographie. „Besonders die topische oder systemische Applikation von 5-Aminolaevulinsäure – ALA – in Kombination mit der Laparoskopie hat sich in der Tumordiagnostik als Methode mit hoher Sensitivität und Spezifität erwiesen“, berichtete Löning.

Zweiter Blick lohnt sich

Eine Studie, in die 37 Patientinnen zur Second-Look-Laparoskopie eingeschlossen wurden, prüfte diese Methode. Die Studienteilnehmerinnen wiesen die Verdachtsdiagnose Ovarialkarzinom auf. Nach einer Gabe von ALA und einer laparoskopischen Untersuchung zeigte sich bei 13 von 29 Patientinnen ein Tumornachweis – zwölf Patientinnen wiesen tatsächlich Metastasen auf. Zu wesentlichen Nebenwirkungen kam es nicht. „Die Sensitivität in dieser Studie lag bei 92 Prozent, die Spezifität bei 98 Prozent. Dies macht das Verfahren zu einer ausgezeichneten Second-Look-Methode“, hielt Löning fest und zog eine positive Bilanz: „Die optische Diagnostik eröffnet neue Wege. Sie ist wenig invasiv und einfach in der Handhabung.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 20/2007

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