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Weibliche sexuelle Dysfunktion unbeachtet

Erektile Dysfunktion des Mannes ist das Schlagwort, wenn es um sexuelle Funktionsstörungen geht. Den Frauen wird in dieser Hinsicht weniger Wahrnehmung beigemessen. Dabei treten, insbesondere unter antihypertensiver Behandlung, sexuelle Dysfunktionen auf.

Sexuelle Funktionsstörungen sind bei männlichen Hypertonikern – auch als Begleiterscheinung der antihypertensiven Therapie – seit Jahren bekannt und vielfach wissenschaftlich untersucht. Bis dato nahezu unbekannt ist die Tatsache, dass es auch bei Frauen zu sexuellen Funktionsstörungen unter Behandlung mit Antihypertensiva kommen kann. Allerdings wird eine bestehende sexuelle Dysfunktion generell nur von einem Viertel der betroffenen Frauen als solche wahrgenommen, zumal die Diagnosestellung wesentlich schwieriger ist als bei Männern.
Sexuelle Funktionsstörungen der Frau stellen ein multikausales, multidimensionales medizinisches Problem mit hoher Prävalenz dar. In den USA liegt die Prävalenz bei 30 bis 50 Prozent. An der Entstehung sexueller Funktionsstörungen sind biologische und psychosoziale Komponenten beteiligt, sie verlaufen häufig progressiv und sind abhängig vom Lebensalter. Aber auch jüngere, unverheiratete Frauen und Frauen mit niedrigem Bildungsabschluss können vermehrt betroffen sein. Wie bei Männern belastet eine länger andauernde sexuelle Dysfunktion auch bei der Frau Psyche und Partnerschaft schwer.
Aus wissenschaftlichen Untersuchungen bei Männern ist bekannt, dass Antihypertensiva wie nicht-selektive Betablocker oder zentral wirksame Antihypertensiva wie Clonidin, aber auch Diuretika neurogene, vaskuläre und hormonelle Parameter beeinflussen (z.B. Zunahme vasokonstriktorischer Hormone wie Angiotensin II, Endothelin) und dadurch Erektionsprobleme hervorrufen können.
Bei Frauen gibt es bis dato wenig repräsentative Daten, die den Einfluss antihypertensiver Medikamente auf die sexuelle Funktion untersuchen. Dieser Frage ging eine Studie von Fogari et al. (Am J Hypertens; 2004) nach. Verglichen wurde der Effekt eines AT-II-Rezeptorantagonisten (Valsartan) mit jenem eines Betablockers (Atenolol) bei postmenopausalen Frauen mit milder bis moderater arterieller Hypertonie nicht nur auf den Blutdruck, sondern speziell auf die sexuelle Funktion. Eingeschlossen waren 120 postmenopausale Frauen, die bereits sechs Monate vor Studienbeginn mit Hormonersatztherapie behandelt worden waren.

Valsartan bessert Funktion

Die sexuelle Funktion wurde vor Studienbeginn und -ende mittels eines speziellen Fragebogens für postmenopausale Frauen evaluiert. Weniger überraschend war, dass es nach 16 Wochen in beiden Gruppen zu einer zufrieden stellenden Blutdrucksenkung kam. Bemerkenswerter sind die Ergebnisse zur sexuelle Funktion bzw. Dysfunktion. So zeigte sich etwa, dass die sexuelle Befindlichkeit sich in der Val­sartan-Gruppe signifikant besserte während es in der Atenololgruppe zu einer signifikanten Abnahme des sexuellen Verlangens und der sexuellen Fantasien kam. Als mögliche Erklärung wird die Beeinflussung der Plasmatestosteronspiegel gewertet. Denn es ist erwiesen, dass es unter Betablockertherapie zu einer signifikanten Absenkung der Testosteronspiegel sowohl bei Männern als auch bei Frauen kam. Im Gegensatz dazu hatte Valsartan keinen entsprechenden Einfluss. Testosteron gilt als wichtiges Steuerungshormon für die Libido.

Dr. Jeanette Strametz-Juranek, Ärzte Woche 14/2007

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