zur Navigation zum Inhalt
 

Das Kreuz mit der Fettverschiebung

Viele Frauen haben nach dem Klimakterium mit einer Zunahme von viszeralem Fett zu kämpfen. Im Gesicht und an den Oberarmen dagegen nimmt das Fett nach dem Wechsel ab. Ähnliches gilt für die Melanozyten – eine Umverteilung im Alter führt zu Altersflecken.

„Der Verlust von Östrogen und Progesteron verändert die Fettverteilung im Organismus mit Beginn des Klimakteriums“, erklärte Prof. DDr. Johannes Huber, Leiter der klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am AKH Wien, anlässlich eines Vortrags bei der 39. Fortbildungstagung für Fachärzte der Gynäkologie und Geburtshilfe, die von 3. bis 10. Februar in Obergurgl/Tirol stattgefunden hat.
„Fettverschiebung heißt, das subkutane Fett wird reduziert, nimmt an Gesicht und Oberarmen ab und lagert sich im viszeralen Fettdepot rund um Bauch, Gesäß und Oberschenkel ab. Die Alterung des Gesichts ist nicht allein durch den Kollagenverlust ausgelöst, sondern wird maßgeblich auch von der Fettverschiebung determiniert“, hielt Huber fest. Ähnliches findet sich auch bei Melanozyten. Vereinfacht ausgedrückt gehen diese vom Haar weg und akkumulieren am Körper – Altersflecken sind die Folge.

Fett macht krank

Insbesondere die Fettverschiebung ist nicht allein ein kosmetisches Problem. Das viszerale Fett bildet eine Fülle proinflammatorischer Substanzen, die nicht nur eine Insulinresistenz begünstigen, sondern auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Hypertonie spielen. Das ist auch der Grund, warum eine Hormonersatztherapie, die zum Schutz des Gefäßsystems zur Anwendung kommt, nur zu Beginn des Klimakteriums indiziert ist. Hat sich die Fettverteilung bereits manifestiert, wirkt eine HRT kontraproduktiv: „Schon deshalb ist es so wichtig, die Fettverschiebung in der Menopause zu verhindern“, so Huber weiter.

Fat-Shifting induzieren

Fat-Shifting induzieren: das ist mittlerweile möglich. Bereits vier Medikamentengruppen werden eingesetzt, um die Fettverschiebung zu verhindern:
• Orphan-Steroidrezeptoren-Agonisten
• Somatotropin
• Sirtuine
• Dejodinase-Induktoren
Orphan-Steroidrezeptoren-Agonisten sorgen für eine Abnahme des CRP und Interleukin 6, beides Substanzen, die an der zentralen Adipositas wesentlich beteiligt sind. Auch führen diese Agonisten zu einer Auffüllung des subkutanen Fettdepots, verschieben also Fettgewebe aus dem viszeralen in den subkutanen Bereich, also in Gesicht und Oberarme.
Das Wachstumshormon Somatotropin wird nur kurzfristig eingesetzt, um das viszerale Fett zu reduzieren. Eine Anwendung ist nur dann sinnvoll, wenn die betroffene Patientin über ausreichend Androgene verfügt, nur dann entfaltet Somatotropin seine Wirkung. Ebenfalls fettreduzierend wirken Sirtuine, weil sie die Glukosesignaltransduktion in der Zelle reduzieren. Dejodinase-Induktoren schließlich können ebenfalls zur Fettreduzierung angewendet werden.
Das hochaktive viszerale Fett begünstigt die Entstehung des metabolischen Syndroms. Herz-Kreislauferkrankungen und Neoplasien können die Folge sein. „Das viszerale Fett setzt den nuklären Faktor Kappa-B (NF Kappa-B) frei, der beispielsweise für die Entstehung des Mammakarzinoms von großer Bedeutung ist“, erläuterte Huber. Dieser Faktor spielt auch eine wesentliche Rolle für den Knochenabbau, weil er zu einer Mobilisierung des Kalziums führt.
„Fällt der Östrogenspiegel ab, wird dieser Faktor freigesetzt und führt zur Osteoporose“, so Huber. „Das Verständnis der Vorgänge rund um Klimakterium und Alterungsprozess soll dazu führen, die zweite Lebenshälfte ähnlich gesund zu gestalten, wie die erste.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben