zur Navigation zum Inhalt
 

Bahnbrechende Entwicklungen in den letzten 20 Jahren

Das bevorstehende 20-jährige Jubiläum der ÄRZTE WOCHE veranlasste uns, Veränderungen und Entwicklungen in der Gynäkologie und Geburthilfe über diesen Zeitraum zu hinterfragen.

Ist die Gynäkologie nach zwanzig Jahren noch wiederzuerkennen? Wir fragten den amtierenden Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) Dr. Wolfgang Stummvoll, Gynäkologische Abteilung, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz, über den Wandel seines Fachgebietes in den vergangenen zwei Dekaden.

Wie hat sich Ihr Fachgebiet in den letzten 20 Jahre verändert?
Stummvoll: Erstmals gratuliere ich der ÄRZTE WOCHE zum 20-jährigen Bestehen. In unserem Fach muss man drei große Bereiche trennen: Einerseits die Gynäkologie und die Geburtshilfe, andererseits die Reproduktionsmedizin. Auf allen Gebieten haben sich in den vergangenen 20 Jahren bahnbrechende Entwicklungen ereignet.

Wo sehen Sie die bedeutendsten Entwicklungen auf geburtshilflichem Sektor?
Stummvoll: Die Geburtshilfe hat in den vergangenen 20 Jahren einen enormen Aufschwung erfahren. Neben der generellen Verbesserung geburtshilflicher Methoden, der Schwangerschaftsdiagnostik oder der sonografischen Techniken, lassen sich mittlerweile sogar intrauterine Fehlbildungen des Fetus antepartal therapieren. Zudem kann – auf geburtshilflich-operativem Sektor – der Kaiserschnitt mittlerweile als genauso sicher, wie die normale Entbindung betrachtet werden.

Die Reproduktionsmedizin hat sich in dieser Zeit eigentlich erst entwickelt…
Stummvoll: Tatsächlich ist dieser Zweig unseres Fachgebietes erst in den letzten 20 Jahren entstanden. Meilensteine wie die In-vitro-Fertilisation hat es damals de facto nicht gegeben. Mittlerweile besteht auch die Möglichkeit, eine Aussage über den Gesundheitszustand derart gezeugter Kinder zu machen.

Wie beurteilen Sie den Wandel, den die Gynäkologie vollzogen hat?
Stummvoll: Im Bereich der Gynäkologie sind es vor allem neue Operationstechniken, die das Fach in dieser Zeit revolutionierten. Es ist mittlerweile möglich, in gut zwei Drittel aller Fälle unter Erhalt der Gebärmutter zu operieren. Man findet heute meist mit weitaus kleineren Eingriffen das Auslangen. Zudem haben minimalinvasive Methoden die offene Chirurgie weitgehend verdrängt. Die Laparoskopie gehört heute zum Standard vieler gynäkologischer Eingriffe. Neue Operationsverfahren bei Harninkontinenz und Senkungsleiden bescheren Erfolgsraten, von denen man vor 20 Jahren nicht zu träumen wagte.

Ähnliches gilt für die onkologische Gynäkologie…
Stummvoll: Auch onkologisch sind dramatische Verbesserungen zu verzeichnen. Die Heilungsraten von Mamma- oder Ovarialkarzinomen sind heute so gut wie nie zuvor. Der Einsatz gezielter Antikörpern ist dabei ein ganz großes Thema. Mit der Entwicklung einer Impfung gegen HPV-Viren und damit gegen Gebärmutterhalskrebs steht uns erstmals eine Impfung gegen das weltweit häufigste Karzinom der Frau zur Verfügung. Auch die Möglichkeit der brusterhaltenden Chirurgie, von der in acht von zehn Fällen Gebrauch gemacht werden kann, darf als großer Fortschritt betrachtet werden.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 20/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben