zur Navigation zum Inhalt
 

Qualitätsmanagement in Gynäkologie und Geburtshilfe

Österreichweit sollte jede Patientin eine annähernd gleich hohe Qualität gynäkologischer und geburtshilflicher Medizin vorfinden können. Auch im Österreichischen Strukturplan Gesundheit 2006 ist die bundesweite Qualitätssicherung für das Fachgebiet vorgesehen. Neben der Perinatalerhebung werden Daten zur gynäkologischen Onkologie gesammelt und dienen als Grundlage für Verbesserungen. Auch ein Fehlermeldesystem ist bereits an zahlreichen Abteilungen etabliert und soll weiter ausgebaut werden.

Die ÄRZTE WOCHE sprach mit dem amtierenden Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) Dr. Wolfgang Stummvoll, Leiter der Gynäkologischen Abteilung, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz, über anstehende Aufgaben und Ziele sowie die Umsetzung der Qualitätssicherung.

Welches sind zurzeit die wesentlichen Aufgaben der OEGGG?
Stummvoll: Da wir eine rein wissenschaftliche Gesellschaft sind, besteht ein Großteil unserer Arbeit in der Organisation der verschiedenen Tagungen: Neben den Jahreskongressen, mit einer Teilnehmeranzahl um die 700 Personen, veranstalten wir eine Reihe von Fortbildungsveranstaltungen, etwa zu gynäkologisch-onkologischen oder operativen Themen oder den neuesten Trends in der Beckenbodenchirurgie. Die letzten drei Monate meiner Amtsperiode werden sicher durch die Vorbereitung der nächsten Jahrestagung, die gemeinsam mit der Bayerischen Gesellschaft in München stattfinden wird, geprägt sein. Auch eine Veranstaltung in Meran zur operativen Gynäkologie ist vorzubereiten. Darüber hinaus sind unsere Arbeitsgemeinschaften in zahlreichen Forschungsprojekten aktiv. Zudem bieten wir den in Ausbildung stehenden Kolleginnen und Kollegen Seminare für die Facharztprüfung an. Auf unserer Homepage (www.oeggg.at) kann man sich über die neuesten Trends informieren, die regelmäßig aktualisierten Leitlinien lassen sich für die Mitglieder abrufen.

Sie waren auch aktiv am Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG 2006) beteiligt…
Stummvoll: Man kann durchaus sagen, dass wir den Österreichischen Strukturplan für den Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe federführend mitgestaltet haben. Da wir aktiv an der Erstellung beteiligt waren, sind die Ergebnisse für uns zufrieden stellend.

Wurden die Wünsche der Gesellschaft auch umgesetzt?
Stummvoll: Will man Abteilungen in Größe und Anzahl reduzieren, so muss der Strukturplan derart gestaltet sein, dass die regionale Qualität aufrechterhalten werden kann. Im Konsens mit den kleinen Häusern konnte dies auch bewerkstelligt werden. Ein Teil des Österreichischen Strukturplanes trat mit Juni 2006 in Kraft. Inhaltlich haben wir den Plan mitgestaltet und Verbesserungen hinsichtlich der Infrastruktur angeregt. Ich denke, dass wir unsere wesentlichen Anliegen unterbringen konnten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt sicherlich auch im Qualitätsmanagement…
Stummvoll: Tatsächlich ist dies eine Thematik, der wir uns besonders annehmen. Im Strukturplan ist ­diese Qualitätssicherung auch festgehalten: Ziel sollte ein flächendeckendes, strukturiertes Qualitätsmanagement sein. Bereits jetzt wird eine Perinatalerhebung durchgeführt. Sämtliche Geburten werden hier österreichweit erfasst und dienen als Grundlage für künftige Strategien. Auch im Bereich der gynäkologischen Onkologie besteht, wie es der ÖSG vorsieht, eine entsprechende Erhebung, die in der nächsten Zeit weiter ausgebaut werden wird. Auch hier werden periodische Analysen vorgenommen.

Wann werden die ersten Ergebnisse bekannt sein?
Stummvoll: Die landesweite Evaluierung im Bereich der Geburtshilfe ist seit Beginn des vorigen Jahres am Laufen. Wir erwarten in den nächsten Monaten die ersten Ergebnisse. Die ausgewerteten Daten werden wir allen teilnehmenden Abteilungen zukommen lassen. Aufgrund des Datenschutzes sind die Patientendaten selbstverständlich anonymisiert. Anhand der Ergebnisse können die einzelnen Häuser beurteilen, wo sie sich im Österreichischen Schnitt befinden und, im Sinne eines Benchmarkings, Verbesserungen und Kurskorrekturen vornehmen.

Wie lässt sich die landesweite Qualität noch weiter steigern?
Stummvoll: Zusätzlich haben wir ein flächendeckendes Fehlermanagementsystem initiiert, bei dem Fehler anonym gemeldet werden können. Zahlreiche Abteilungen nehmen bereits teil. In Kooperation mit der Schweiz und Deutschland können wir so den deutschsprachigen Raum überblicken und durch Verknüpfung der Daten einen interdisziplinären Austausch vollziehen, Mängel aufzeigen und besonders auch Verbesserungen initiieren. Dieses System wird bereits in der Anästhesie in der Schweiz angewandt. Für die Gynäkologie stellt dies eine innovative Entwicklung dar, bei der wir international die Nase vorne haben und oft ins Ausland eingeladen werden, darüber zu referieren.

Wie sehen Sie die „Integrierte Gesundheitsversorgung“ der neuen Gesundheitsministerin für Ihr Fachgebiet?
Stummvoll: Mit der neuen Ministerin Dr. Andrea Kdolsky hoffen wir, dass die Schnittstellenproblematik nun endlich angegangen wird, um Versorgungslücken zu schließen. Wir erwarten uns eigentlich hier einen Durchbruch. Es bedarf jedoch struktureller Hintergründe, die Kammern, Spitalsträger oder regionale Gesundheitsplattformen erarbeiten müssen. Derartige Entwicklungen durchzusetzen geht für uns, als wissenschaftliche Gesellschaft, selbstverständlich zu weit. Wir sind jedoch gerne bereit, konstruktiv mitzuarbeiten und das entspre­chende Know-how beizusteuern.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben