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Fisch in der Schwangerschaft macht Kinder klüger

Essen werdende Mütter viel Fisch, bessert das nicht nur die Intelligenzleistung, sondern auch die sozialen Fähigkeiten ihrer Kinder.

Es ist gut fürs Baby, wenn die Mutter in der Schwangerschaft viel Fisch isst. Zu dieser Erkenntnis kommt der Biochemiker und Psychiater Dr. Joseph Hibbeln von den US-amerikanischen National Institutes of Health in der vorletzten Lancet-Ausgabe (2007; 369: 578-585). Die positiven Effekte seien vor allem auf die ungesättigten Fettsäuren im Fisch zurückzuführen.

Katastrophale Folgen

Revolutionär an der Einsicht ist eigentlich nur eins: dass sie aus Amerika kommt, wo laut Umfragen immerhin zwei Drittel der Bevölkerung glauben, dass 100.000 Kinder vom Fischkonsum ihrer Mütter quecksilberverseucht sind. Prompt riet die oberste Gesundheitsbehörde FDA im Jahr 2004 nicht nur Schwangeren, sondern auch Frauen, die schwanger werden wollen, von mehr als 340 Gramm Fisch (ein bis höchstens zwei Portionen) pro Woche ab. Und das, obwohl „es außerhalb Japans keinen einzigen dokumentierten Fall eines Kindes mit einer pränatalen Quecksilbervergiftung aufgrund von Fischverzehr gibt“, wie der Kinderneurologe Dr. Gary J. Myers in seinem Kommentar im Lancet betont. Vor allem eine Umweltkatastrophe in Japan war es nämlich, die deutlich machte, wie gefährlich Quecksilber für den Menschen werden kann: Ende der sechziger Jahre wurde quecksilberverseuchtes Wasser aus einer Chemieanlage in die Minamatabucht geleitet. Mit dem Verzehr von Fischen aus dieser Bucht nahmen die Bewohner der umliegenden Ortschaften dramatisch hohe Quecksilbermengen zu sich. Manche der Kinder, die in dieser Zeit geboren wurden, waren schwerstbehindert, andere lernten erst spät sprechen und gehen. Quecksilber kann die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentaschranke passieren und schädigt vor allem das Nervensystem; Kinder reagieren laut verschiedenen Untersuchungen fünf- bis zehnmal empfindlicher.

Lieber magere Fische essen

Dass Fische heute weltweit mit Quecksilber verseucht sind, darüber gibt es kaum Zweifel. Am höchsten ist der Quecksilber- bzw. Methylquecksilbergehalt in fettreichen Fischen, da sich das Schwermetall in Fettgewebe anreichert. Auch sind Raubfische, weil in der Nahrungskette ziemlich weit oben, stärker belastet. Die von Hibbeln und seinen Kollegen durchgeführte Beobachtungsstudie ergab nun, dass die Kindern von Frauen, die in der Schwangerschaft viel Fisch essen, bessere kognitive und feinmotorische Leistungen erzielen als Kinder von Müttern, bei denen Fisch so gut wie gar nicht auf den Teller kommt. Auch in ihren Kommunikations- und sozialen Fähigkeiten waren jene der 11.800 seit 1991 beobachteten Kinder, deren Mütter viel Fisch gegessen hatten, den anderen voraus. Mochten die Mütter überhaupt keinen Fisch, lagen ihre Kinder hinsichtlich der IQ-Werte zu 48 Prozent häufiger im unteren Viertel. Hibbel postuliert nun, dass die propagierten Fisch-Restriktionen kontraproduktiv sind. „Fisch gilt auch für Schwangere und Stillende als wichtiges Lebensmittel“, lautet die Empfehlung der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES: aber eben nur ein- bis zweimal pro Woche.

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