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Ein Wiener Traum von der ewigen Jugend

Die Suche nach dem Jungbrunnen intensiviert sich, je älter wir werden. Nahrungskarenz, Stammzellforschung und Hormontherapie sind nur einige Ansätze, die in Wien diskutiert wurden.

Die Austrian Anti-Aging Society organisierte den ersten European Congress on Anti-Aging Medicine, der unter der Schirmherrschaft der neu gegründeten ESAAM (Euro­pean Society of Anti-Aging Medicine) von 18. bis 21. Oktober in der Wiener Hofburg stattfand.
„Vom Moment der Empfängnis über Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter und letztendlich das Senium erlebt jeder Mensch einen individuellen Reifungs- und Alterungsprozess“, betonte Prof. Dr. Wolfgang Clementi von der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde in der Eröffnungsrede. Clementi bildete mit Prof. Dr. Markus Metka und Prof. DDr. Johannes Huber das Organisationskomitee des Kongresses.
Jede dieser Lebensphasen habe ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten und Erfordernisse. Daher stehe für die Anti-Aging-Medizin interdisziplinäres Denken und Arbeiten im Vordergrund: die Wissenschaft vom Altern umfasst Gebiete wie Gynäkologie, Endokrinologie, Orthopädie, Dermatologie, Ästhetische und Allgemeinmedizin. Gerade auch die Jungen – die Greise von morgen – beschäftigten sich zunehmend mit dem Alter und der Altersvorsorge, führte Clementi weiter aus. Die Erwartungen sind groß, daher werden Antworten von der Wissenschaft, Politik und Medizin auf die gegenwärtige demographische Entwicklung in Europa gefordert. Ausgesprochen breit gefächert war denn auch die Auswahl unter den Präsentationen, Vorträgen und Workshops.

 Nahrungskarenz als Jungbrunnen
Nahrungskarenz als Jungbrunnen: Canto (links) wurde auf strikte Diät gesetzt, während der fast gleichaltrige Owen (rechts) ihm um Jahre voraus zu sein scheint.

Foto: Jeff Miller/University of Wisconsin-Madison

Anmaßung oder Wissensdurst?

Prof. DDr. Johannes Huber, Leiter der Abteilung für Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung an der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde, betonte in seinem Teil der Eröffnungsrede zum Thema „The Impact of Science and Medicine” die Bedeutung der Verbindung zwischen Molekularbiologie und Informatik. Die Erforschung des menschlichen Erbgutes ist nur mithilfe moderner Computer möglich. Und auch die zukünftige Kartierung des Bewusstseins hänge sowohl von Biologie als auch von der Datenverarbeitung ab.
Zunehmend setzt sich die Meinung durch, den Alterungsprozess als chronische Erkrankung wahrzunehmen. Eine Krankheit, der möglichst früh Maßnahmen entgegengesetzt werden sollten.
Ist es eine Herausforderung, gegen das Altern anzukämpfen, oder eine Sünde? Huber brachte in seinem spannenden Vortrag neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in Kombination mit tiefgründigen Fragen. Soll der Mensch alles über sich und seine genetische Veranlagungen wissen? Genetiker decken immer nachhaltiger auf, durch welche vielfältige Weise der Mensch durch seine Gene beeinflusst wird: Veranlagung zu Depression, Suchtverhalten und Gedächtnisleistung sind nur einige Beispiele. Und wie geht eine Gesellschaft mit diesem Wissen um?
In ihrem Vortrag behandelte die bekannte Buchautorin Katrin Unterrainer die bewegte Lebensgeschichte von Kaiserin Sisi, der Galionsfigur des Kongresses, und berichtete über Schönheits-Ingre­dienzien ihrer Zeit. Dass Anti-Aging-Medizin nichts Neues ist, beleuchtete auch der Doyen der Menopauseforschung, Prof. Dr. Christian Lauritzen aus Ulm, der zum Kongressauftakt für seine Verdienste zum Ehrenmitglied der österreichischen Menopausegesellschaft ernannt wurde. Sein Vortrag „The dream of permanent youth and everlasting life“ zeigte, dass die Suche nach der Jugend oder gar dem ewigen Leben in allen Kulturen und in den ältesten Überlieferungen – etwa dem Gilgamesch- Epos – immer schon ein Thema war, das die Menschheit beschäftigte. Er spannte einen Bogen von himmlischen Äpfeln, welche den germanischen Göttern ewige Jugend spendeten, bis in die jüngere Geschichte zu Hufelands Werk „Makrobiotik” und unseren heutigen Bemühungen, dem Alter und dessen Beschwerden ein Schnippchen zu schlagen.
Die ÄRZTE WOCHE wird sich in den kommenden Ausgaben den Themen des Europäischen Anti-Aging-Kongresses widmen.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 45/2006

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