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Gynäkologie und Geburtshilfe 27. September 2006

Methode zur Präeklampsie-Frühdiagnose?

Wie eine amerikanische Studie zeigt, könnten mit einem simplen Bluttest erste Anzeichen einer Schwangerschaftsgestose bereits drei Monate, bevor die ersten Symptome auftreten, festgestellt werden.

Es könnte den Durchbruch für die Frühdiagnostik der Präeklampsie bedeuten, an der Forscher schon lange tüfteln. Eine Fall-Kontroll-Studie im New England Journal of Medicine (2006; 355: 992-1005) ergibt, dass im Blut von Schwangeren schon etliche Wochen vor den ersten Symptomen bestimmte Proteine vermehrt zu finden sind. „Präeklampsie wird durch Bluthochdruck und Eiweiß im Urin diagnostiziert. Wie gefährlich die Krankheit ist, hängt davon ab, welches Organ noch betroffen ist. Es können verschiedene Funktionen der Nieren, Krampfanfälle oder eventuell auch ein Gehirnschlag die Folgen sein“, erläutert Prof. Dr. Harald Zeisler von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien. In Österreich sind etwa ein bis zwei Prozent aller schwangeren Frauen betroffen, wobei noch weitgehend ungeklärt ist, wie es überhaupt zur Präeklampsie kommt, die in der Mehrzahl bei Erstgebärenden auftritt und sich meist nach der 20. Schwangerschaftswoche manifestiert. Das Erkrankungsrisiko ist bei sehr jungen Frauen und bei Schwangeren ab 40 leicht erhöht.

Wahrscheinliche Ursache für die Hälfte aller Frühgeburten

„Mögliche Ursachen können immunologische Faktoren, genetische Dispositionen, der Nichtabbau von Fetten im Körper und Ähnliches sein“, so Zeisler. Das Ungeborene kommt dadurch in einen zunehmenden Distress, der oft nur durch eine vorzeitige Geburt zu bremsen ist. 50 Prozent aller Frühgeburten werden auf eine Präeklampsie zurückgeführt. Bei der Schwangeren können Hypertonie und Pro­teinurie unbehandelt in einer tödlichen Eklampsie enden, die sich durch rasende Kopfschmerzen, Doppeltsehen und Brechreiz ankündigt. Forscher vom National Institute of Child Health and Human Development in Bethesda, Maryland, haben nun eine mögliche Methode zur Früherkennung von Präeklampismus gefunden. Bei einer Studie, an der 552 Schwangere teilnahmen, wurden bei potenziell gefährdeten Frauen erhöhte Werte der Proteine Soluble Endoglin und sFlt1 festgestellt, welche für Risse in den Blutgefäßen verantwortlich sind. Nach dem derzeitigen Stand des Wissens werden diese Eiweißstoffe ins mütterliche Blut ausgeschwemmt, wenn die Plazenta – aus bisher unbekannten Gründen – nicht mehr genügend Sauerstoff aus dem mütterlichen Blut aufnehmen kann.

Test zur Differenzialdiagnose

Durch simple Bluttests, die sich auf diese Proteine konzentrieren, könnten gefährdete Schwangere identifiziert und schon früh medizinisch überwacht werden. Weiters hoffen die Forscher, dass man mit dieser Methode in Zukunft Symptome von Präeklampsie von anderen Krankheiten unterscheiden kann. Aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung hoffen die Wissenschaftler auch ein endgültiges Heilmittel zu finden, das für die Mutter und das Kind verträglich ist. Überprüft werden soll die Nützlichkeit der Proteine zur Vorhersage der Präeklampsie laut Editorial derselben Ausgabe des New England Journals im Zuge einer prospektiven Beobachtungsstudie der Weltgesundheitsorganisation WHO.

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