zur Navigation zum Inhalt
 

Neue Leitlinien für peri- und postmenopausale Blutungsstörungen

Perimenopausale Blutungsstörungen und postmenopausale Blutungen sind häufige gynäkologische Diagnosen. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich sind Gynäkologen oft mit deren Therapie betraut. Im Rahmen des Qualitätsmanagements erfolgte nun die Erstellung von Leitlinien zum Management der Erkrankungen durch ein Expertengremium.

Bei einer wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft der Ärzte stellte Dr. Ursula Denison von der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Krankenhauses Wien-Hietzing die neuen Guide-lines zur Abklärung und zum Management von perimenopausalen Blutungsstörungen und postmenopausalen Blutungen vor.

Detaillierte Anamnese

Die perimenopausale Blutungsstörung tritt in der Zeitspanne ab dem 40. Lebensjahr bis zum Eintritt der Postmenopause auf. „Klinisch unterscheiden wir die Hypermenorrhoe mit deutlich verstärkter Blutung über mehr als drei Monate hinweg und die Menorrhagie, definiert als verlängerte zyklische Blutung mit einer Dauer von über sieben Tagen. Weiters finden wir die Metrorrhagie mit unregelmäßigen Zwischenblutungen und die schmerzhafte Dysmenorrhoe. Handlungsbedarf besteht bei subjektivem Leidensdruck, der auch durch eine Anämie mit einem Hämoglobinwert unter 12 g/dl verursacht werden kann“, sagte Denison. In der Diagnostik stehen zunächst die gynäkologische Blutungsanamnese sowie Eigen- und Familienanamnese in Bezug auf Blutungs- und Gerinnungsanamnese im Vordergrund. So können etwa idiopathische Thrombozytopenien oder Lupusantikörper als Ursache der Blutungsstörung identifiziert werden. Auch die Einnahme von gerinnungsaktiven Medikamenten und Hormonen sowie die Methode der Kontrazeption müssen erfragt werden.

Meist konservative Therapie

Die klinische Untersuchung umfasst einen kompletten gynäkologischen Status, eine Vaginalsonographie sowie die Bestimmung des Blutbilds, der Thrombozyten und des TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Bei anamnestischen Hinweisen auf eine Gerinnungsstörung wird weiters ein Gerinnungsstatus empfohlen. In den meisten Fällen ist das konservative Vorgehen mit regelmäßigen Kontrollen die Therapie der Wahl. Bei therapieresistenter Anämie sowie auffälligem Ultraschallbefund ist jedoch eine invasive Diagnostik mit Hysteroskopie und Curettage indiziert. Bereits die einmalige sonographische Beschreibung eines Verdachts auf Endometriumpolypen sowie eines hohen, wabigen, zystischen Endometriums bei einer Dicke über zehn Millimeter muss invasiv abgeklärt werden. „Therapeutisch verabreichen wir bei Kontrazeptionswunsch der Patientin ein orales Kontrazeptivum, das auch bei unregelmäßigem Zyklus neben Gestagenen vom 5. bis zum 21. Zyklustag die Therapie der Wahl darstellt. Steht die Dysmenorrhoe im Vordergrund, empfehle ich die Gabe von nichtsteroidalen Antiphlogistika. Patientinnen ohne signifikante Dysmenorrhoe erhalten Tranexamsäure, ein Antifibrinolytikum“, beschrieb die Spezialistin die Behandlung der perimenopausalen Blutungsstörung. Drei Monate nach Therapiebeginn erfolgt eine klinische Kontrolle. Bei Erfolg wird die Behandlung fort-gesetzt, ansonsten findet eine invasive Diagnostik statt.

Postmenopausale Blutungen

Der zweite Schwerpunkt der ausgeführten Leitlinien betrifft die postmenopausale Blutung, die jede anamnestische und objektivierbare uterine Blutung, unabhängig von Stärke und Dauer, beschreibt. Der betroffene Zeitraum der Postmenopause beginnt definitionsgemäß ein Jahr nach Menstruationsblutungsfreiheit. In der Behandlung unterscheiden die Experten zwei große Gruppen, eine mit und eine ohne Hormonersatztherapie. „Bei über drei Monate andauernder Hormonersatztherapie, unauffälligem Endometrium unter fünf Millimeter Dicke und irregulärer Blutung ändern wir die Dosis, Applikationsart oder Frequenz der Hormonersatztherapie. Finden wir sonographisch ein unauffälliges homogenes Endometrium, allerdings über fünf Millimeter dick, führen wir eine hormonelle Curettage durch. Dabei verabreichen wir unter laufender Hormonersatztherapie zusätzlich ein Gestagen über 14 Tage oder setzen diese ab und verordnen ein Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat für denselben Zeitraum. Bei fehlendem Therapieerfolg nach drei Monaten sowie auffälligem Endometrium-befund empfehlen wir die Durchführung invasiver Diagnostiken“, so Denison. Das Auftreten einer postmenopausalen Blutung ohne Hormonersatztherapie stelle immer eine Indikation zur Hysteroskopie und Curettage dar.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben