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Gleichwertige Alternativen zur Hysterektomie

Um mögliche forensische Schwierigkeiten zu vermeiden, ist es wichtig, jeder Frau im Rahmen des Aufklärungsgesprächs neben der Hysterektomie auch alternative Verfahren anzubieten.

In der Vergangenheit wurde die Indikation zur Hysterektomie sehr häufig gestellt, nach wie vor werden viele Frauen nach dieser bewährten Methode therapiert. „Heute ist die Anwendung weitgehend auf den symptomatischen Uterus myomatosus beschränkt. Die wichtigsten Beschwerden sind unregelmäßige Blutungen und Schmerzen. Daneben ist die Entfernung der Gebärmutter bei Verdacht auf einen malignen Prozess indiziert“, erklärte Prof. Dr. Rene Wenzl, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, Medizinische Universität Wien, bei der Tagung „Menopause-Andropause-Anitaging 2005“ in Wien. „Die Hysterektomie ist ein etabliertes Verfahren. Warum sollten wir uns dennoch mit vergleichsweise komplizierten organerhaltenden Methoden auseinandersetzen?“ fragte Wenzl. „Neben klinischen Rahmenbedingungen wie der Zahl und Größe der Myome, dem Alter und einem möglichen Kinderwunsch der Patientin sollten vor allem ihre individuellen Bedürfnisse in der Entscheidung für oder gegen den Organerhalt berücksichtigt werden.“ Die Auswahl an konservativen chirurgischen Methoden ist groß und wird durch Verfahren wie Kryotherapie, Embolisation oder hochfrequente Ultraschallanwendungen erweitert. Wenzl: „Zudem gibt es geeignete Medikamente aus der Gruppe der Gestagene sowie Raloxifen. Mit ihnen kann der Uterus myomatosus sehr wirksam, jedoch mit einer im Vergleich zu operativen Eingriffen höheren Rezidivrate behandelt werden.“

Medikamentöse Option

Auch die konservative Therapie mit Medikamenten ist nach wie vor wenig verbreitet, obwohl sie eine gute Möglichkeit darstellt, eine jüngere Patientin ohne Operation in die Menopause zu führen, in der es zu einer Besserung der Symptomatik kommen kann. Asymptomatische Myome werden grundsätzlich zuwartend kontrolliert. Eine 2005 veröffentlichte Studie von Hanafi et al. zeigte, dass die Rezidivrate der Myome bei uterus­erhaltenden Techniken stark von der Uterusgröße und der Anzahl präoperativ vorhandener Läsionen abhängt: Große Uteri und zahlreiche Myome waren mit einer höheren Rezidivrate verbunden. „Es ist aber zu beachten, dass nicht jedes Rezidiv-Myom behandlungsbedürftig ist“, gab Wenzl zu bedenken. Das neuerliche Auftreten von Blutungsstörungen wurde in dieser Studie häufiger angegeben als jenes von dysmenorrhoischen Schmerzen.

Gute Ergebnisse im Follow-up

An der Univ.-Klinik für Frauenheilkunde wurden 150 der 330 zwischen 1996 und 2004 konservativ operierten Patientinnen in einen 52-monatigen Follow-up einbezogen. Wenzl: „Bei diesen Frauen waren Blutungen und Schmerzen die Hauptgründe für die Operation. Es konnte gezeigt werden, dass nur jede 15. Frau eine Nachoperation brauchte: Bei 3,5 Prozent wurde in den folgenden 52 Monaten eine Hysterektomie erforderlich, bei 4,0 Prozent erfolgte eine weitere Myom-Enukleation.“ Auch die Patientinnenzufriedenheit spiegelte ein positives Bild wider. Nach fünfeinhalb Jahren waren 88 Prozent der Frauen mit ihrer Operation zufrieden. 67 Prozent gaben an, nicht mehr an Dysmenorrhoen zu leiden.

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